JANS DER ENIKEL, Weltchronik.
    Seite 9: David I

    Nach der Ausgabe von Philipp Strauch.
    Digitalisiert von Angus Graham.
    Seite erstellt von Graeme Dunphy.

    Seite  enthält die Abschnitte:
    [9371-9396]
    [9397-9446]
    [9447-9480]
    [9481-9512]
    [9513-9546]
    [9547-9590]
    [9591-9650]
    [9651-9666]
    [9667-9702]
    [9703-9724]
    [9725-9768]
    [9769-9788]
    [9789-9804]
    [9805-9828]
    [9829-9880]
    [9881-9910]
    [9911-9936]
    [9937-9966]
    [9967-9992]
    [9993-10032]
    [10033-10046]
    [10047-10086]
    [10087-10100]
    [10101-10126]
    [10127-10160]
    [10161-10166]
     
    Zur Startseite
     
     


       
           
          [9371-9396]

          Alsô hât man mir geseit,
          die meister, für die wârheit.
          an den buochen habent si ez gelesen,
          des sült ir gar gewis wesen.
          doch habent si einen strît:
          di juden jehent, bî der zît
          kom ir hundert vil gewis
          in terram promissionis –
          die wærn di jüngsten under in,
          daz ist ir lêr und ir sin –
          und iriu wîp gemeine,
          grôz unde kleine;
          von den selben sint si bekomen.
          alsô hân ich von in vernomen.
          dar nâch vant ich geschriben stân,
          daz trucken was der Jordân
          bî den selben zîten,
          beidiu nâhen und wîten.
          ich hân ouch an dem buoch vernomen,
          des bin ich gar ze end komen,
          daz ze den zîten diu sunne
          stuont mit grôzer wunne
          zwên tag stille,
          daz was gotes wille,
          und dar zuo zwô naht,
          als im got hêt gedâht.
                                                                           [nach oben]
           
           
           

          [9397-9446]

          Dar nâch den êrsten künic got hiez
          werden den er den juden liez
          zuo einem künig bekant,
          der wart Saul genant.
          der enpfie di êrsten wîch zwâr:
          daz sag ich ân zwîfel gar,
          daz Samuel der prophêt
          zuo im grôz liebe hêt
          und wîht in mit dem öl guot,
          als man hiut die künig tuot.
          daz tet ein wîssag wol bekant,
          der was Samuel genant;
          der was got ein lieber man,
          für wâr ich daz gesagen kan.
          der engel zuo dem selben sprach:
          ‘dû solt wenden ungemach
          under den juden allen:
          lâ dir missevallen
          swâ die unreht leben
          unde wider got streben.
          sît ir ist aber worden vil,
          ir unreht vor in niht enhil.
          send ez ân widerstrît
          für got den lieben, des ist zît.
          dar umb bin ich zuo dir gesant,
          daz ich dir liut unde lant
          enpfelhen sol an dirre stunt,
          und tuo dir noch mêr êren kunt,
          daz dich der wîssag Samuel
          wîhen sol drât und snel
          mit dem öl der heilicheit;
          dar zuo sol er dir sîn bereit.’
          dô vie er Samuel bî der hant
          und fuort in dâ er Saulen vant
          und gap im dô ein wisenthorn –
          daz lie her Saul âne zorn –,
          daz muost vol öles sîn.
          ‘Saul, lieber friunt mîn,
          dâ wirst dû schôn gewîhet mit
          zwâr nâch der künige sit,
          di nâch dir künftic sint zwâr
          in der jüdischen schar.’
          Samuel wîht in zehant.
          er nam daz horn in die hant
          und gôz ez ûf daz houbt schôn.
          dar nâch sazt er im die krôn
          ûf daz houbt, daz ist reht.
          er gewan mangen kneht
          unde mangen dienær,
          die im niht wârn unmær.
                                                                           [nach oben]
           
           
           

          [9447-9480]

          Dar nâch er gewaltic wart.
          sîn guot er nieman verspart.
          er gabz durch êr und durch got
          und ahtet niht gotes gebot.
          daz was der gotheit ungemach.
          zuo einem engel si dô sprach:
          ‘sag Saul, dem bœsen künig mîn,
          daz er schier süll gescheiden sîn
          von dem künicrîche,
          daz wizz sicherlîche,
          umb sîn grôz bôsheit.
          zwâr ez muoz im werden leit!’
          der engel kom zuo im gegân.
          er sprach: ‘dû wunderbœser man,
          wie hâst dû got der triuwen
          gedankt – ez muoz dich riuwen! –,
          daz er dich hiez wîhen schôn
          und ûf setzen dir die krôn!
          wil dû im des niht danc sagen,
          zwâr dû wirdest erslagen.
          sô sint dîn tag ûz gezelt:
          bî dînen tagen wirt erwelt
          ein ander künic schône,
          der treit vor dir die krône.
          er wirt gewîhet, daz ist reht,
          und wirt geheizen gotes kneht
          unde gotes künic zwâr;
          dîn rîch wirt im gar.’
          der red aht Saul kleine.
          sîn herz was unreine,
          wan er hêt grôzen gewalt,
          sîn drô was manicvalt.
          daz macht dô sîn wertlîchez guot,
          daz er gewan starken übermuot.
                                                                           [nach oben]
           
           
           

          [9481-9512]

          Dar nâch ein heiden kom gevarn,
          allez bî den selben jârn.
          mit einem grôzen her
          was er gevarn an daz mer,
          wan er hêt des vesten muot,
          daz er ez durch dhein guot
          lieze, er tœtt di juden gemein,
          wîp, man, grôz und klein.
          dô des her Saul wart gewar,
          dar zogt er mit sîner schar
          an daz wazzer gegen im.
          er hêt des vil guoten sin,
          daz er sich wolt der heiden wern
          und wolt si mit kolben bern.
          dô die heiden sâhen
          die juden zuo in gâhen,
          do besaztens den vurt des wazzers dô,
          daz si niht vorhten der juden drô.
          alsô tâten die juden in.
          si hêten beid grôzen sin.
          dô lagen diu her beide,
          ieslîchez ûf der heide.
          zwischen in ein wazzer ran.
          diu her lâgen ûf dem plân.
          zesamen mohten si niht.
          diu sæld hêt mit in beiden pfliht.
          und wær des wazzers niht gewesen,
          vil lützel wær ir dâ genesen;
          der juden und der heiden,
          der wær vil gescheiden
          von leben und von guot gar;
          des nam ein engel vil wol war.
                                                                           [nach oben]
           
           
           

          [9513-9546]

          Dar nâch in kurzen stunden
          einen list heten si funden,
          die juden und die heiden,
          daz si sich wolden scheiden
          ân schaden und ân strît
          an der selben zît.
          der heiden künic sprach zehant:
          ‘wir ligen übel ûf dem sant,
          daz wir niht vehten einen strît;
          ez wær nû bêdenthalben zît.
          wes süll wir hie vaulen?’
          einen boten santens Saulen.
          er sprach: ‘sag dem künic hin,
          daz er hab an mir gewin
          und mich hie vertrîbe;
          ungern ich hie belîbe.
          des süll wir beid strît wegen
          mit swerten und mit kolbenslegen.’
          der bot reit balde dan,
          dâ er Saulen vant stân.
          er sprach: ‘künic, dir tuot bekant
          mîn herr ûz der heiden lant,
          wes er dâ sülle bîten,
          daz ir niht wellet strîten
          und in niht über lâzen welt?
          ir habet doch mangen helt.’
          Saul dô ûz zorn sprach,
          wan im diu red was ungemach:
          ‘und hiet ich halp als grôzz her,
          ich slüeg di heiden über mer,
          des ich leider niht enhân;
          dâ von ich im niht strîtes gan.
          sag im, zuo disen zîten
          enmüg ich niht gestrîten.’
                                                                           [nach oben]
           
           
           

          [9547-9590]

          Dâ mit reit der bot dan
          und sagt dem heidenischen man –
          vil reht er im die botschaft seit.
          daz wart dem heiden vil leit.
          er sant nâch sînem râte,
          daz was des nahtes spâte;
          er sprach: ‘nû râtet all mîn man,
          wie wir die juden grîfen an.
          die wellent hie niht strîten,
          si wellent lenger bîten.
          daz hât mir mîn bot geseit,
          daz ist mir unmâzen leit.’
          dô sprach ein heiden under in:
          ‘herr, vernemt mînen sin:
          wir ligen hie niht wol,
          daz velt ist allez mucken vol,
          die wellent uns hie verderben,
          ros und liut ersterben.’
          der künic dô ûz zorn sprach:
          ‘wir lîden grôz ungemach;
          daz wil ich zwâr understân.’
          einen boten hiez er für sich gân.
          ‘nû sag dem künig botschaft,
          sît er müg mit herschaft
          mit mir niht gestrîten
          unde gegen mir rîten,
          daz er im kiese einen man,
          der mit kampf gebâren kan
          und der wol sî ûz erwelt
          und für einen helt gezelt.
          des selben ich sin und muot hân.
          ich wil welen einen man,
          der mîn volc kunne bewarn
          vor den jüdischen scharn.
          bot, dû solt im mêr sagen
          und der wârheit niht verdagen,
          ob im sîn got der êren gan,
          daz er mir gesiget an – –
          des ich mînen got getrou niht,
          wan der juden got ist enwiht;
          Mahmet der lieb got mîn,
          der muoz über di juden sîn
          immer di wîl ich daz leben hân,
          wan ich im gesige an.’
                                                                           [nach oben]
           
           
           

          [9591-9650]

          Der bot dô niht lenger beit,
          zehant er von dannen reit.
          an daz wazzer kom er geriten.
          dô wart niht lenger gebiten,
          man fuort in über an den griez.
          der selb bot des niht enliez,
          ûf sîn ros er dô saz,
          sîner botschaft er niht vergaz.
          er begund vast gâhen,
          daz er begunde nâhen
          dâ daz her gemein lac
          und des der künic Saul pflac.
          dô er daz her ane sach,
          nû mûgt ir hœren, wie er sprach:
          ‘wer zeigt mir des küngs gezelt,
          wâ ez geslagen sî ûf daz velt?’
          die red erhôrt ein rennerlîn,
          sîn tugent moht niht grœzer sîn.
          er sprach: ‘wol dan mit mir!
          ich bring iuch vil schier
          dâ ir vindet sitzen schôn
          den künic Saul mit sîner krôn.’
          der bot für den künic gie.
          vil lieplîch er in enpfie.
          der bot sprach: ‘künic guot,
          dû solt niht haben swæren muot.
          swaz dir mîn herr enboten hât,
          daz künd ich dir an diser stat.
          er enbiutt dir sicherlîche,
          der werde künic rîche,
          daz du einen man erkiesest schier.
          daz selb wil er gegen dir
          erkiesen, daz di zwên man
          einen kampf vehten ân wân,
          und daz diu her ligen still;
          daz selb ist mînes herren will.
          swaz dîn will nû sî dar an,
          daz selb solt dû in wizzen lân.
          ich sag dir ân missetât,
          wie mîn herr gesprochen hât.
          daz sol ich dir für legen,
          dâ solt dû, herr, niht wider streben.
          er spricht, welich kempf dem andern an
          gesiget, daz im sî undertân
          daz selb her gemeine
          ân der künic eine.
          ist daz der will dîn?’ sprach der bot.
          ‘jâ,’ sprach Saul, ‘sam mir got,
          ich lâz mich niht betrâgen,
          mînen rât den wil ich frâgen.’
          zehant her Saul sant drâte
          nâch sînem næhsten râte
          und sagt in diu mære,
          wie im enboten wære.
          daz dûht si all guot getân.
          ‘sît wir in niht ze strîten hân,
          sô ist ez uns daz best,
          wir gewinnen einen kempfen vest.
          also jâhen si gemeine,
          grôz unde kleine.
                                                                           [nach oben]
           
           
           

          [9651-9666]

          Dô der künic den rât
          erhôrt, dô sant er drât
          nâch dem boten, daz er quæm
          unde sîn rede vernæm.
          dô er dô für in gie,
          ‘dû solt dich niht sûmen hie,’
          sprach der künic rîche;
          ‘ich sag dir sicherlîche:
          waz mir dîn herr enboten hât –
          daz ist mîn bet und mîn rât –,
          ich wil mich dar an sûmen niht,
          swaz halt mir dar umb geschiht.’
          urloup er von dem künig nam,
          als sînen zühten wol gezam.
          er kêrt dannen drâte,
          er vorht, ez wurde spâte.
                                                                           [nach oben]
           
           
           

          [9667-9702]

          Dô der heiden hêt vernomen,
          daz der bot was komen,
          dô sant der heiden drâte
          nâch sînem öbristen râte.
          er sprach: ‘lieber rât mîn,
          nû tuot an mir iur triuwe schîn,
          wan ez mir engstlîchen stât.
          ich fürht, wir verliesen drât
          beidiu lant, liut und guot,
          dâ von ich hân trûrigen muot.’
          dô sprach der werde rât sîn:
          ‘nein, lieber herr mîn,
          habet einen vesten muot.
          wir gewinnen iu ein kempfen guot,
          der in wol mac gesigen an,
          wil uns daz abgot bî gestân.
          wir süllen nemen den risen guot,
          sô wirt gefreuwet unser muot;
          Golyas ist er genant,
          ze velde gar ein wîgant.
          er ist sô starc und sô lanc,
          und tuot er ieman einen swanc
          mit sîner stangen îsnîn,
          dem gêt ez an daz leben sîn.
          ez wart sô starc nie dhein man,
          er möht im wol gesigen an.
          des solt dû dich gehaben wol,
          wan unser lîp wirt freuden vol.
          ein brünnen gît im diu frou mîn,
          diu nimmer bezzer möht gesîn.
          dar zuo hât er ein îsenhuot,
          der ist von stahel alsô guot,
          daz ûf ertrîch dhein man
          sô vestes huotes nie gewan.
          dâ von sô lâ dîn sorgen,
          dû wirdest gefreut morgen.’
                                                                           [nach oben]
           
           
           

          [9703-9724]

          Dar nâch di künig beide
          gâben triu und eide,
          daz si di kempfen beide
          bræhten ûf die heide.
          dô Golyas wart bereit
          in harnasch und in wâpenkleit,
          dannoch stuont Saul in trûren gar
          unde west ouch niht für wâr,
          wer sîn kempf moht sîn.
          er sprach: ‘vil lieber trehtîn,
          got von himelrîche,
          erbarm dich sicherlîche
          über die juden gemeine,
          wan wir alterseine
          dienen dîner gotheit.
          dâ von sol dir wesen leit
          swaz den juden wirret
          und si an freuden irret.’
          er sprach: ‘lâ dich erbarmen
          die rîchen und die armen;
          des bitent dich die juden gemein,
          beidiu grôz unde klein.’
                                                                           [nach oben]
           
           
           

          [9725-9768]

          Dô Saul alsô di gotheit bat,
          dô hiez er an der selben stat
          einen rüefer ûf stân
          und ûf ein hœch für in gân.
          der rüefer tet in dâ bekant,
          er sprach: ‘mîn herr iuch tiur mant,
          ir helft im sîner êren,
          ob sich diu müg gemêren,
          wan des getrout er iu allen wol,
          er werd von iu freuden vol.
          noch tuot er iu mêr bekant:
          die heiden ûz der heiden lant,
          die wellent einen kempfen hân;
          sî ieman der den well bestân,
          den wil mîn herr rîchen
          und wil im sicherlîchen
          sîn tohter geben zehant
          und gesiget er an dem wîgant.
          des sweret er im mangen eit,
          wan im wær von herzen leit,
          daz dhein jüdischer man
          wær den heiden undertân.’
          dannoch ruoft er mêre:
          ‘sî ieman der sîn êre
          well mêren, der sol her für gên,
          ob er den kempfen well bestên,
          der für di heiden vehten sol.
          gesigt er, so ist er immer vol
          freuden, êr und wunne.
          ein juncfrou sam diu sunne
          gît man im an den arm schôn.
          daz ist ein wunniclîcher lôn,
          daz er sol minnen sicherlîch
          des werden küniges tohter rîch.’
          dô diser ruof wart getân,
          nieman sach dheinen man
          gên für des küniges gezelt,
          daz geslagen was ûf daz velt.
          dâ was ouch manic helt,
          der dheiner was dar zuo erwelt,
          daz er di jungen küniginnen
          wolt umb ditz kempfen minnen,
          wan disen risen Golyam
          nieman mit kampf wolt bestân.
                                                                           [nach oben]
           
           
           

          [9769-9788]

          Künic Saul leit nôt und arbeit,
          wan im was vil leit,
          daz er niht kempfen moht hân.
          sîn tohter hiez er für sich gân.
          er sprach: ‘seht an die schœnen meit,
          wie si mit tugent sî gekleit!
          swer die minnen sol,
          der mac wesen freuden vol.
          seht an ir ougen lôse,
          ir mündel als diu rôse,
          ir lîp gestalt wol ze vlîz,
          ir wengel lieht, ir helsel wîz!
          seht an ir lieplîch lachen,
          daz kan wol freude machen!
          si ist vil edelîch gestalt,
          ir tugent diu ist manicvalt.
          ez möht wol ein biderb man
          den kempfen hie durch sie bestân.’
          diu juncfrou was minniclîch,
          ir kleit was unmâzen rîch.
                                                                           [nach oben]
           
           
           

          [9789-9804]

          Der künic sprach: ‘schœniu tohter mîn,
          got müezest dû enpfolhen sîn!
          ist ieman hie, der dise jugent
          mit kampf gewinn und ir tugent,
          dem wil ich geben guotes vil,
          daz ich gern mit im teilen wil,
          die wîl mir sîn got gan.
          sî ieman der êr well hân
          mit disem wunniclîchen lîp,
          ôwê! welch ein schœn wîp
          er an dir immer haben sol!
          sîn lîp wirt ganzer freuden vol.
          dû hâst guot über elliu wîp.
          sî ieman der nû sînen lîp
          well wâgen durch di tohter mîn,
          des wîp muoz si ân zwîfel sîn.’
                                                                           [nach oben]
           
           
           

          [9805-9828]

          Waz half sîn sprechen, sîn sagen?
          si begunden all stille dagen,
          wan ez was dhein man,
          der disen kempfen wolt bestân.
          doch wart daz selb mære
          gesagt mit grôzer swære
          einem wênigen man,
          sînen namen ich iu nennen kan:
          Davit sô was er genant.
          er was zwâr ein wîgant
          des lîbes und des guotes,
          er was auch frîes muotes
          unde was der jâr ein kint.
          der schâf hêt er gepflegen sint
          und hêt gelernet wol genuoc,
          daz er was alsô kluoc
          zuo der stapslingen;
          mit steinen kund er twingen
          beidiu vogel unde tier.
          ein schütz kund niht sô schier
          mit dheinem schoz geschiezen,
          er liez sich niht verdriezen,
          er wurf drî würfe an ein stat,
          wann er sîn niht wolt haben rât.
                                                                           [nach oben]
           
           
           

          [9829-9880]

          Dô der selb jüngelinc
          erhôrt disiu teidinc,
          daz disen kempfen nieman
          mit kampf wolt bestân,
          wan er was eislîch genuoc –
          ich sag iu waz er an truoc:
          einen isenhuot, der was grôz,
          wan nie sîn genôz
          einen mêrern nie gewan.
          ein nasbant, des man im wol gan,
          daht im sîn antlütz;
          ez was zuo dem strît nütz,
          ez gie vor von dem îsenhuot.
          ein halsberc wît unde guot
          hêt er von vesten ringen.
          ‘wie mac mir misselingen,’
          sprach er, ‘an disem strît?
          ich slach tief wunden wît.’
          er truoc an den beinen sîn
          zwên schuoch gegozzen êrîn
          von lûterm glockspîse.
          er sprach: ‘er wær unwîse,
          der mich hiut wolt bestân.
          ich mac im wol gesigen an.’
          ein îsnîn stang veste,
          di besten di ieman weste,
          die truoc er über die ahsel sîn.
          zwên hantschuoch stechlîn,
          die truoc er beid in sîner hant.
          er sprach: ‘und solt ich liut und lant
          allesamt alein bestân,
          ich getrou in wol gesigen an.’
          sînen schilt er an dem arm truoc,
          der was gegozzen alsô kluoc
          und was ze strît alsô starc,
          er nam in dô für tûsent marc.
          er was von êre gegozzen grôz.
          den risen des niht verdrôz,
          er swung in an den arm sîn
          sam ein ringez bletelîn.
          doch wil ich sagen waz er wac:
          daz ich für wâr gesprechen mac:
          fünfzic zentner was zuo dem schilt.
          diu krancheit in dô niht bevilt.
          er was sô starc, als man seit:
          über die ahsel was sîn breit
          sehs dûmellen wît.
          ein wîgant was er zuo dem strît.
          swâ er mit dem fuoz trat,
          ein mâl wart an der selben stat.
          sô eislîch was sîn gevert.
          er was zuo dem strît hert.
                                                                           [nach oben]
           
           
           

          [9881-9910]

          Nû lâz wir den risen stân
          und grîfen Daviten an,
          wie er fuor, dô er die red vernam,
          dô der künic lobesam
          wolt sô grôz miet geben,
          wie sîn herz begunde streben,
          daz er für den künic quæme
          und sîn red vernæme.
          dô er dô für den künic gie,
          vil minniclîch er in enpfie.
          er sprach: ‘künic hôchgeborn,
          dir sol an mir niht wesen zorn;
          künic, durch dîn güete
          ich sag dir mîn gemüete:
          herr, ich hân die mær vernomen
          und bin her zuo dir komen,
          wie dû, künic rîch
          unde fürst löblîch,
          nindert mügst kempfen gehân,
          der den risen müg bestân,
          den die heiden habent ûz gesant
          ze schaden dir in ditz lant.
          den wil ich gern bestân,
          swie halt mir ez sol ergân.
          wil dû daz gelübde dîn
          gegen mir lâzen stæt sîn,
          daz dû dem volk hâst getân,
          und wil des niht ab gân,
          sô wil ich sêl und daz leben
          hiut in gotes namen geben.’
                                                                           [nach oben]
           
           
           

          [9911-9936]

          Dô sprach der künic zehant:
          ‘wie maht dû, friunt, den wîgant
          mit sô hertem strît bestân?
          wan dîn leben muoz dir zergân;
          und ersihst dû niur daz antlütz sîn
          und den eislîchen schîn:
          sîner ougen fiur rôt
          gît dir den bitterlîchen tôt.
          dû bist ein wêniger man,
          dû maht sîn leider niht bestân.
          mit einem fuoz er dir gît
          an allen enden herten strît.’
          des antwurt Davit zehant,
          er sprach: ‘ich muoz den wîgant
          mit mîner slingen bestân,
          swie halt ez mir süll ergân,
          wan gotes von himelrîch
          huot ist niht gelîch.
          swem der heilant helfen wil,
          der hât immer freuden vil.
          nieman im geschaden mac,
          unde fürht ouch dheinen slac.
          der himel wirt sîn schilt,
          unde wil im got der milt
          sîn genâd teilen mit,
          sô kan im nieman geschaden nit.’
                                                                           [nach oben]
           
           
           

          [9937-9966]

          Dô stuonden alt juden bî –
          ir wâren mêr dann drî –,
          die rieten all besunder:
          ‘herr, ob gotes wunder
          an disem menschen sol ergên,
          sît er in gern wil bestên
          und dû mit dînen sinnen
          dheinen andern maht gewinnen,
          wan got ist niht unmüglîch,
          sît er ûf himel und ûf ertrîch
          gewaltes alsô vil hât
          an einer ieslîchen stat –:
          dâ von sô mac er ân wân
          im vil gesigen an.’
          dô der künic die red vernam,
          er sprach: ‘dû solt ân scham
          den wîgant hie bestân;
          ez sol dir löblîch ergân.’
          er sprach: ‘ich wil dir tuon bekant
          daz best îsengewant,
          daz ie jud an getruoc.
          nû bis behend unde kluoc.’
          Davit der red antwurt dô:
          ‘ez sol ergên niht alsô:
          ich muoz in blôzer bestân,
          swie halt ez mir süll ergân.
          daz îsengwant ist mir ze swær.
          ich getrou got dem schepfær,
          er helf mir durch sîn gotheit,
          daz ez dem risen werde leit.’
                                                                           [nach oben]
           
           
           

          [9967-9992]

          Mit diser red huop er sich dan.
          si giengen mit im ûf den plân
          dâ der ris gesezzen was
          ze tal nider ûf daz gras.
          der heiden künic stuont im bî,
          er wolt wesen sorgen frî.
          ûf spranc er besunder.
          des nam di heiden wunder,
          daz ein sô wêniger man
          einen risen wolt bestân.
          dô wart niht lenger gespart,
          ein kreiz dâ bestoubet wart
          nâch der alten gewonheit.
          er wart michel unde breit,
          dâ si solden în gên
          und an ein ander bestên.
          si beid giengen in den kreiz drât,
          daz was fruo und niht spât.
          dô sprâchen juden und jüdelîn:
          ‘sol Davit unser kempf sîn,
          zwâr daz ist ein tôrheit,
          ez mac dem künig werden leit.
          die heiden hêten ez für spot
          und lobten des ir abgot,
          daz si solden werden rîch;
          ir kempf slüeg in sicherlîch.
                                                                           [nach oben]
           
           
           

          [9993-10032]

          Also Davit in den rinc trat,
          Golyas flêhet unde bat
          den vil wênigen man,
          er sprach: ‘dû solt mich niht bestân.
          ich trit dich mit dem fuoz mîn –
          des wil ich gar ân angst sîn –,
          daz daz gebütze ûz dir vert,
          und wizze, daz dich nieman nert.
          wes habent di juden mit dir gedâht?
          der tiuvel hât dich her brâht!
          der rihtet mit dir sînen spot;
          des getrou ich mînem abgot.
          dû bist ein tumbez jüdelîn.
          dû möhtest gerner dâ heim sîn
          und hüeten dînes vater hert.
          dû bist tumber dann vert.
          ich stôz dich mit dem fuoz mîn
          daz dû unsælic muost sîn!’
          Davit ûz grôzem zorn sprach:
          ‘dû muost grôzen ungemach
          lîden von den henden mîn.
          des müezen geziuc sîn
          alle di ez habent gesehen
          und wil mir got des siges jehen!
          swie michel dû bist und swie grôz
          und gihst, daz nieman sî dîn genôz
          an strît und ouch an wer,
          dû slüegest ein wol ein her:
          doch ist got ob dir ze aller zît,
          wil er, ich gib dir ein den strît.
          swie grôz nû sî dîn stange,
          ich gib mit mîner slange
          dir vil würf an dînen nac,
          daz du einen unsæligen tac
          von mînen handen muost vertragen.
          ich wirf dir stein an dînen kragen.
          swie grôz, swie lanc dir sîn dîn gebein,
          wil got, ich gesig alein,
          daz dû in schanden muost geligen.
          wil got, ich mac dir an gesigen.’
                                                                           [nach oben]
           
           
           

          [10033-10046]

          Golyas sprach ûz zorn:
          ‘jâ bist dû der verlorn,
          dû unsæligz jüdelîn.
          dîn kempfen möht wol rât sîn.
          waz kallest dû? wes swîgst dû niht?
          ich sag dir waz dir von mir geschiht.
          ich vâch dich bî dem rehten bein
          und slach dich hie umb einen stein.
          âwê! waz kampfs nimst dû dich an,
          dû vil wunderwêniger man?
          sag an, wil dû hie ligen tôt?
          ginc heim, iz milich unde brôt.
          swer dich ze kempfen hât gesant,
          der wirt vil gar mit dir geschant.’
                                                                           [nach oben]
           
           
           

          [10047-10086]

          Davit der vil guot
          stuont vor im in der huot
          und hêt an im dhein îsengwant
          noch dheinen schilt an sîner hant.
          dhein wer hêt er mit im dar brâht,
          wan mit dem mantel hêt er sich verdaht.
          er was ein guot schütze.
          ein sling was im nütze
          und ouch fünf steine,
          die hêt der degen reine.
          daz was sîn wer an der stat,
          dâ mit er gegen dem risen trat.
          ‘nû wer dich,’ sprach der klein man,
          ‘ez muoz dir an daz leben gân.’
          der ris mit dem fuoz trat
          nâch im an der selben stat
          und wolt in dâ ertrett hân.
          dô spranc der klein man
          durch des grôzen risen bein.
          sîn leben daz wær anders klein
          gewesen an der selben stat.
          er lief umb den risen drât
          und warf im zehant einen stein
          für daz houbt, daz er erschein
          mitten under dem îsenhuot,
          alsô daz im daz rôt bluot
          ze tal über den munt ran,
          dem vil eislîchen man.
          dar nâch er den andern warf
          ûf disen stein, der was scharf,
          alsô daz im der êrst stein
          hinden ûz dem nack schein.
          der dritt wurf was sô vest,
          daz nieman einen sterkern west
          noch nie vester wart gesehen,
          des muoz ich von schulden jehen,
          wan der ris alsô grôz
          für in ûf die erd schôz
          ze tal als ein man,
          der nie dhein leben gewan.
                                                                           [nach oben]
           
           
           

          [10087-10100]

          Des freuten sich die juden dô.
          die heiden wurden gar unfrô,
          wan si gevangen muosten wesen –
          die juden liezens niht genesen –
          oder si tôten si zehant.
          diu wal stuont al in irr hant.
          die heiden wurden gevangen.
          den juden was ez ergangen,
          als got von himel wolde
          und als ez wesen solde.
          die juden grôz und kleine
          fuorten die heiden gemeine
          heim alsus gevangen:
          ez was in übel ergangen.
                                                                           [nach oben]
           
           
           

          [10101-10126]

          Saul der künic gewaltic wart
          von der selben hervart,
          daz er gotes aht vil klein.
          sîn herz was unrein
          gegen der lieben gotheit,
          daz wart im her nâch leit.
          er muost dulden grôzen spot,
          daz er niht aht des lieben got.
          des nahtes wart ein engel spât
          gesant zuo sîner kemnât.
          der gie für sîn bett stân.
          er sprach: ‘dû betrogner man,
          wil dû got niht erkennen
          und in got herr nennen?
          nû hât er dir di êr gegeben,
          daz dû behalten hâst dîn leben,
          und sol er des engelten,
          des geniuzest dû vil selten.
          ich sag dir wærlîche,
          daz got der vil rîche
          wil umb dîn bœs missetât,
          die dîn lîp begangen hât,
          einen künic erwelen schier,
          der in dem land sitzt bî dir.’
          der red aht Saul kleine,
          sîn herz was unreine.
                                                                           [nach oben]
           
           
           

          [10127-10160]

          Dô der morgen ûf quam
          und Davit daz wol vernam,
          für den künic er dô gie.
          der künic in vil schôn enpfie.
          er frâgt Daviten mære,
          waz sîn gewerft wære.
          ‘künic, daz sag ich dir:
          dîn schœn tohter gip mir,
          die du mir gelobt hâst mit dîner hant,
          daz ich den risen hân versant.
          die juden wæren all tôt,
          wan daz ich in half ûz der nôt.
          des solt dû mich geniezen lân.
          ich bin dir dienstes undertân
          mit vil ganzen triuwen,
          ez sol dich niht geriuwen.’
          der künic lieplîchen sprach:
          ‘dû hulf mir von ungemach.
          ich gap dir die triu mîn,
          zwâr diu sol stæt sîn.’
          sîn tohter hiez er für sich gân.
          ‘tohter mîn, nim disen man;
          der hât uns lant, lîp und leben
          umb dich, schœniu magt, gegeben.’
          dô si des vater red erhôrt
          und sîn lieplîchiu wort,
          dô sprach si: ‘lieber vater mîn,
          swaz dû gerætest sol sîn.’
          diu selb magt hiez Michol,
          ir lîp was aller tugent vol.
          des wart Davit freudenrîch.
          er nam di magt wunniclîch.
          dô lebten si mit freuden wol,
          si wârn beidiu liebes vol.
                                                                           [nach oben]
           
           
           

          [10161-10166]

          Saul hêt einen sun guot;
          der was frô und wolgemuot,
          der was Jonathas genant,
          den juden wol bekant.
          der minnet Daviten sêr,
          des gewan er frum und êr.

          Hic modo mundi tertia etas continet auctoritate domini CCC et XL annos; a diluvio usque ad David vero anni MCXVII, sed ab inicio mundi usque ad David MMMMCXXIIII anni.
           

                                                                           [nach oben]
           
           
           


    Zur Startseite