JANS DER ENIKEL, Weltchronik.
    Seite 7: Mose II

    Nach der Ausgabe von Philipp Strauch.
    Digitalisiert von Angus Graham.
    Seite erstellt von Graeme Dunphy.

    Seite  enthält die Abschnitte:
    [7063-7088]
    [7089-7124]
    [7125-7162]
    [7163-7196]
    [7197-7218]
    [7219-7268]
    [7269-7292]
    [7293-7370]
    [7371-7416]
    [7417-7468]
    [7469-7516]
    [7517-7542]
    [7543-7564]
    [7565-7596]
    [7597-7626]
    [7627-7656]
    [7657-7694]
    [7695-7708]
    [7709-7750]
    [7751-7770]
    [7771-7782]
    [7783-7794]
    [7795-7832]
    [7833-7858]
    [7859-7878]
    [7879-7902]
    [7903-7944]
    [7945-7974]
    [7975-8004]
    [8005-8034]
    [8035-8068]
     
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          [7063-7088]

          Diu klag wart Moysen geseit.
          der frouwen kumber was im leit.
          zehant er einen boten sant
          zuo Pharaônem in daz lant.
          er sprach: ‘sag der frouwen mîn,
          daz si sælic müez sîn.
          als ir selbes willen stên,
          alsô müez ez ir ergên.
          si hât mîn schôn gehüetet
          und hât mich schôn gebrüetet.
          reht als ein huon ir hüenelîn
          hât under den vetachen sîn
          gezogen und gebrüetet,
          also hât si mîn gehüetet.
          ich weiz gebresten an ir nit,
          wan daz si nâch der juden sit
          leider niht enlebt,
          wan si dâ wider strebt.
          bot, lâ dir ez enpfolhen sîn
          und bit si durch den willen mîn,
          si leg dar zuo ir sinne,
          daz si mir huld gewinne
          wider den künic Pharaô,
          wan ich fürht hart sîn drô;
          und wil er sîn zürnen lân,
          sô wil ich gern zuo im gân.’
                                                                            [nach oben]
           
           

          [7089-7124]

          Der bot zuo der frouwen gie.
          diu frou in lieplîch enpfie.
          der bot sprach: ‘frou rîche,
          dir enbiutet sicherlîche
          Moyses, der getriu kneht:
          er giht, sîn dienst sî dir gereht,
          sîn triu ze allen zîten,
          beidiu nâhen unde wîten;
          unde swaz er ie gewan,
          daz sî dir allez undertân.
          sîn lîp sî dir ze dienst geben.
          er giht, daz er sîn selbes leben
          von dînen gnâden wider gewan.
          dâ von wil er dir undertân
          wesen unz an sînen tôt,
          sît dû im hulf ûz grôzer nôt.
          dar zuo bitet er dich mêr,
          daz dû dîn triu, dîn êr
          an im lâzest für gân;
          hab er dem künig iht leides getân,
          daz er daz durch den willen dîn
          lâz von dem herzen sîn.
          er mant dich, frou, dar an,
          daz er dir aller êren gan,
          wan er giht, daz er, frou, nie
          dînen willen übergie.’
          diu frou zühticlîchen sprach:
          ‘ich hân von Moysen ungemach
          erliten unde mangen zorn.
          mîn leben hêt ich nâch verlorn.
          noch weiz ich niht, wie ez ergê,
          ob ich noch lebentic bestê;
          doch wil ich,’ sprach diu küniginn,
          ‘dar zuo legen all mîn sinn,
          ob ich im müg hulde
          gewinnen umb sîn schulde.’
                                                                            [nach oben]
           

          [7125-7162]

          Dô gie diu küniginne dô
          für den künic Pharaô.
          si sprach: ‘herr und lieber man,
          sol ich daz urloup von dir hân,
          daz ich in zühten sprechen sol?’
          er sprach: ‘ich gan dir sîn wol.’
          ‘lieber herr, sô bite ich dich,
          daz dû in hulden hœrest mich.
          Moyses hât zuo mir gesant,
          mîner triuwen er mich mant,
          daz ich in gezogen hân.
          er bitet mich, herre und lieber man,
          daz ich im hulde gewinne;
          er well dar zuo sîn sinne
          vlîziclîchen kêren,
          daz er dich welle êren
          und well dir wesen undertân.
          nû gip im hulde, lieber man.
          jâ wolt er zuo dir alsô gern,
          woldest dû mich, herre, gewern.’
          dô sprach der künic ûz zorn:
          ‘daz ich den lîp hiet verlorn,
          daz sæht ir herzenlîchen gern.
          sô iuwer ougen müezen swern!’
          daz erhôrt ein heidenischer man.
          er sprach: ‘der rede ich iu niht gan,
          vil edler künic rîche!
          ir redet niht witziclîche,
          und sît doch gar ein witzic man,
          ir sült die rede varn lân.
          well Moyses zuo iu gâhen,
          den sült ir wol enpfâhen,
          und hœrt, umb welhe schulde
          er vlorn hab iuwer hulde.
          als ir sîn rede hœret,
          dar an iu nieman tœret,
          ir hœrt an sîner rede wol,
          ob er ist gegen iu triuwen vol.
                                                                            [nach oben]
           

          [7163-7196]

          Pharaô der künic sprach,
          dô er gesah den ungemach
          an der küniginne:
          ‘liebiu, schœniu minne,
          hâst dû iht leides von mir,
          daz wil ich alsô gegen dir
          dienen, daz ich dîn hulde
          gewinn umb mîn schulde.’
          diu frouwe sprach: ‘die schulde dîn,
          die wil ich lâzen varende sîn,
          daz dû Moysen, lieber man,
          lâzest dîne hulde hân.’
          er sprach: ‘frouwe, daz sî getân!
          heiz mir den boten her gân!’
          dô der bote für in gie,
          er sprach: ‘war umbe oder wie
          hât dich Moyses her gesant
          zuo mir in ditz lant?’
          des antwurt er mit sinne:
          ‘zuo der küniginne
          bin ich ein bot gewesen,
          daz si im helfe genesen,
          alsô daz si mit sinne
          im huld gên iu gewinne.
          des wil ich vlîziclîchen gern,
          mîn frouwen süllet ir gewern.’
          dô sprach der künic an der stat:
          ‘des mich mîn frouwe gebeten hât,
          daz wil ich allez varn lân.
          hât Moyses iht gen mir getân,
          klein oder grôz schulde,
          dar umb hab er mîn hulde.
          die schuld gib ich mit sinne
          der werden küniginne.’
                                                                            [nach oben]
           

          [7197-7218]

          Dô der bote vernomen het
          die rede die der künic tet,
          dô gie er bald zehant
          dâ er Moysen vant.
          dem sagte er diu mære,
          wie er gelêret wære
          vor dem künige Pharaô:
          er solt niht fürhten sîn drô;
          ‘diu küniginn hât ez ân wân
          umb sîne schulde hin getân.’
          dô Moyses vernomen het
          der frouwen klage und ir bet,
          er gedâht, ich wil des niht enlân,
          ich well zuo mîner frouwen gân,
          wan diu mir daz leben mîn
          behielt, der diener wil ich sîn.
          ich bin ir diener immer,
          von ir sô kum ich nimmer.
          daz hât si verschuldet wol.
          ir lîp ist ganzer triuwen vol,
          got gebe ir schier jüdisch ê,
          sô kum ich von ir nimmer mê.
                                                                            [nach oben]
           
           

          [7219-7268]

          In kurzen zîten dar nâch
          gotes stimme wider in sprach:
          ‘Moyses, dû solt gên zehant
          vil balde in Egyptenlant,
          und sage dem künige Pharaô,
          daz er lâz sîn bœse drô
          und diene der heiligen gotheit.
          tuo er des niht, daz werde im leit,
          und verliese umb sîn schulde
          des reinen gotes hulde.
          dô Moyses erhôrt
          der stimme reiniu wort,
          dô fuor er in Egyptenlant
          dâ er di küniginne vant.
          dô in diu küniginne ersach,
          wie güetlîch si wider in sprach:
          ‘Moyses, lieber friunt mîn,
          dû solt von mir enpfangen sîn!
          ich zôch dich ie als mîn kint.
          mîn ougen mir vil dicke sint
          naz worden von den schulden dîn.
          dû kundest nimmer lieber sîn
          einer küniginne.
          ich hêt zuo dir minne,
          daz ich dir hiez bereiten bat
          beidiu fruo unde spât
          mit wurzen und mit rôsen.
          mit dir sô kunde ich kôsen
          und dir freude machen
          mit manigen süezen sachen.
          ich sneit dir sîdîniu gwant,
          daz beste daz ich veil vant.
          vêch, vedern, hermelîn
          gap ich dir schôn ûz mînem schrîn.
          sol ich daz nû hân verlorn?
          daz ist mir leit und zorn.
          sag, wie bist dû gescheiden
          von mir und von den heiden
          und von dem künige Pharaô?’
          er sprach: ‘ich vorht sîn drô.
          er ist ein zorniger man.
          dâ von vlôch ich von dan.’
          dô sprach diu küniginne:
          ‘ich wil mit mînem sinne
          werben umbe den herren mîn,
          daz er dich lâz hie bî mir sîn,
          sît ich dich hân gezogen schôn.
          ich wünsch dir dick, daz dû di krôn
          trüegest über alliu lant gemein,
          wan ich dir gan der êren ein.’
                                                                            [nach oben]
           
           

          [7269-7292]

          Mit der rede wîset si in dô
          für den künic Pharaô.
          dô si den künic êrst an sach,
          wider in si lieplîchen sprach:
          ‘ôwê, lieber herre mîn,
          ich hân ûf di gnâde dîn
          brâht für dich mînen lieben kneht;
          nû tuo im wol, des hâst dû reht.’
          dô sprach der künic Pharaô:
          ‘mîn vorht, mîn rede, mîn drô
          solt er niht geflohen hân!
          ich hiet im wærlîch niht getân.
          sît er ist, liebiu frouwe mîn,
          her komen ûf di gnâde dîn,
          frouwe, in unser beider lant,
          swie er den heiden in den sant
          gruob – daz wart mir wol geseit –,
          sô sol im doch dehein leit
          von mir nimmer geschehen,
          des wil ich vor iu allen jehen.’
          des dankt diu küniginne dô.
          si sprach: ‘lieber herr Pharaô,
          dû hâst mir nie sô lieb getân;
          für wâr ich dir daz sagen kan.’
                                                                            [nach oben]
           
           

          [7293-7370]

          Dô der frouwen red geschach,
          Moyses wider den künic sprach:
          ‘sol ich, herr, in den hulden dîn
          dir ein botschaft sagent sîn,
          die got dir enboten hât
          und des heiligen geistes rât?’
          des antwurt im dô Pharaô:
          ‘dû solt die botschaft niht durch drô
          lâzen, dû sagest mir
          die botschaft von got vil schier,
          wâ er sî oder sîn rîch,
          daz er sô gewalticlîch
          mir enbiutet sînen gruoz;
          dâ von ich wærlîch wizzen muoz
          sîn rîch und sîn lant;
          daz muoz mir werden bekant.’
          des antwurt Moyses zehant:
          ‘ich wil dir tuon bekant
          sîn lant und sîn rîch,
          dâ er inn gewalticlîch
          sitzt und immer haben muoz.
          sîns gewaltes wirt nimmer buoz.
          er ist wîs unde starc,
          vil sinnic und vil karc.
          sô hôch hât er gebouwen sîn lant,
          zwâr daz dhein wîgant
          im ez an gewinnen mac
          weder bî naht noch bî tac.
          sîn gewalt für den himel gêt,
          dâ sîn rîch inne stêt,
          wan in dem himelrîch
          sitzet er êwiclîch.
          diu erde ist im ouch undertân,
          wan nieman sô vil frümcheit kan,
          er müeze under im sîn;
          daz hab ûf der triu mîn,
          wan wazzer, berc, velt, walt und tal
          wartt im allez über al.
          elliu herz erkennt er wol,
          wan er ist aller tugent vol.
          untriu unde triuwe,
          freude unde riuwe
          erkent er allez über al.
          sîn barmung hât niht zal.
          vil mangem gît er guot,
          der nâch sînem willen tuot,
          unde gît im êwiclîch
          sîn werdez himelrîch.
          daz ist bereitet alsô wol:
          wol im der dâ wonen sol!
          ich wil iu sagen für wâr
          die wârheit ân zwîfel gar:
          sîn hûs gebouwen ist gemein
          mit gold, mit gimm und gestein,
          daz nie sô edelz wart gesehen,
          des muoz ich von der wârheit jehen.
          in sînem hûs hât nieman swær,
          daz ist niht ein lugemær.
          im ist niht dhein hôchvart bî,
          swie gar er über die werlt sî
          gewaltic gar an aller stat.
          sîn gotheit manic tugent hât.
          er ist ouch ân mâzen guot,
          dheinen gewalt er nieman tuot.
          silber, golt, gesteines vil
          gît er, swem er ez geben wil.
          in sînem rîch ist er sô frum,
          daz niemen dar inn hât dhein siechtuom.
          er ist ein herr an aller stat.
          sîn gotheit manic tugent hât:
          wan swer im wol getrouwet,
          dem selben er williclîchen bouwet
          ein hûs und ein rîche,
          daz er gewalticlîche
          mit freude dar inn sitzen sol –
          daz weiz ich von der wârheit wol –
          und êwiclîch freude hât
          ân aller hant missetât.’
                                                                            [nach oben]
           
           

          [7371-7416]

          Dô sprach der künic Pharaô:
          ‘dû hast mir gelobt sô
          vil sêr dînen schepfær,
          daz ez mir ist vil swær,
          und ist mir von herzen leit,
          ich sæch dann di wârheit,
          ob got gewalticlîche
          gebouwen hiet im sîn rîche
          mit golde und mit gesteine,
          und daz er wær sô reine,
          als dû mir von im hâst geseit.
          sæch ich die selben wârheit,
          daz er gewaltes hât sô vil,
          mit triuwen ich im dienen wil.
          ist aber daz dû mich triugest
          und sô sêr liugest,
          daz wirt dir hart swær,
          und wirst vil gar ein lugenær.’
          dô sprach Moyses zehant:
          ‘dir wirt got alsô niht bekant,
          dû werdest dann sîn man
          und im dienstes undertân,
          dienstlîcher triuwen.
          er læt dich ez niht geriuwen.
          daz hab ûf den triuwen mîn.
          des solt dû gar gewis sîn.’
          der künic sprach: ‘daz sî getân.
          ich wil dar rîten unde gân,
          daz ich besech die wârheit,
          die dû mir hâst von im geseit.’
          des antwurt Moyses zehant:
          ‘dû maht niht gesehen den heilant
          mit menschlîchen ougen dîn:
          sô lieht ist sîner gotheit schîn.’
          diu red was dem künige swær.
          er sprach: ‘dû bist ein lugenær.
          dîn red hân ich für spot.
          nû lob mir nîmêr dînen got,
          wan dîn grôz trugheit
          ist mir ûf mîn triu leit.
          dich hêt doch wærlîche
          diu küniginn rîche
          gezogen ûf wârheit, niht ûf triegen
          noch ûf trugenlîchez liegen.
          daz hast dû dich sît an genomen,
          sît daz dû bist von hinnen komen.’
                                                                            [nach oben]
           
           

          [7417-7468]

          Die red diu küniginn vernam.
          ‘Moyses, ich zôch dich ân scham,
          wan ich in dîner kintheit
          dich niht enlêrt dann wârheit.
          wie hâst dû dich verkêrt?
          wer hât dich liegen gelêrt?’
          do sprach Moyses, der guot man:
          ‘wærlîch ich dhein lug enkan.
          ich sag iu niur die wârheit,
          und ist iu daz von mir ein leit,
          daz wil ich niht dar umb lân,
          die wîl mir got des lebens gan.’
          er sprach: ‘lieber herr mîn,
          welt ir mir niht geloubic sîn,
          sô wil ich iu doch tuon bekant
          ein zeichen hât dir got gesant,
          dâ bî dû in erkennen solt
          und im mit triuwen wesen holt.
          sich, herr, die ruoten die ich hân.
          dar an wil ich dich sehen lân,
          daz dû solt got erkennen
          und solt in herren nennen.’
          die ruoten leit er für in nider.
          ez gesach nieman sît noch sider
          ein sô freislîch nâter grôz,
          als von sîner hant schôz.
          swann er dann die ruoten lie,
          diu nâter gegen dem künig gie.
          er sprach: ‘wil dû mir noch verjehen,
          daz du gotes zeichen hâst gesehen?’
          der künic sprach: ‘lugenær,
          dû bist ein trugenær.
          ich geloub dir niht umb ein hâr.
          ich hân in mînem land zwâr
          die zoubers kunnen alsô vil,
          dâ mit si freud unde spil
          machent ze allen zîten mir.
          wil dû, ich bring dich zuo in schier.’
          do sprach Moyses der guot man:
          ‘der red ich dir niht wol gan.’
          die nâter zuct er wider
          bî dem zagel. dô wart si wider
          ein ruote, als si ê was;
          an den buochen ich ez las.
          dô daz der künic ersach,
          wider Moysen er dô sprach:
          ‘ich muoz dir, Moyses, verjehen,
          daz ich daz hân vil dick gesehen
          von mînen liuten, die ich hân
          und die mir diensts sint undertân,
          die kunnen zouber vil und wol.
          für wâr ich dir daz sagen sol.’
                                                                            [nach oben]
           
           

          [7469-7516]

          Dô sprach Moyses zehant:
          ‘ein anderz tuon ich dir bekant,
          daz dir got hât gesant
          zuo einem zeichen in daz lant.
          heiz mir ein lûterz wazzer geben –
          dâ wider solt dû niht streben –,
          daz gemeiligt niht ensî.
          dâ solt dû hiut besehen bî!’
          zehant man daz wazzer brâht.
          daz was schôn bedaht
          mit einem tuoch snêwîz.
          daz geschach mit guotem vlîz.
          dô Moyses daz wazzer sach,
          wider den künic er dô sprach:
          ‘nû nim sîn war an diser stunt!
          ich nim daz wazzer in den munt.
          nû sich reht daz zeichen an!
          in welhez wazzer sol ichz lân?
          daz muoz werden bluotvar.
          nû nim reht des zeichens war
          und lâz ez schouwen dîn her!
          wil dû, ich lâz ez in daz mer,
          und werde ez von mir bluotvar,
          sô sprich, daz zeichen sî wâr.’
          dô der künic vernam,
          daz daz zeichen solt ergân,
          er sprach: ‘ich wil daz zeichen sehen.
          ich wil dir aber niht verjehen,
          daz ich got well sîn undertân,
          dû lâzst mich dann in sehen an.’
          er sprach: ‘dû kanst sîn niht gesehen,
          des muoz ich von der wârheit jehen,
          dû wellest in dann haben für got
          unde leisten sîn gebot.’
          daz was dem künig zorn.
          er sprach: ‘diu red ist gar verlorn,
          wan ich dîn red erkenn wol.
          dîn lîp ist grôzer schalkeit vol.’
          daz wazzer ûz dem mund schôz
          in ein wazzer daz vast vlôz.
          daz sach der künic und sîn man.
          dannoch wolt er niht undertân
          sîn dem almehtigen got
          unde leisten sîn gebot.
          swie blutvar daz wazzer wær,
          doch sagt der künic daz mær,
          ez wær von sîner trugheit.
          diu red was Moysen leit.
                                                                            [nach oben]
           
           

          [7517-7542]

          Er sprach: ‘sol ich mit êren
          dich, künic, niht bekêren,
          doch wil ich dir verjehen,
          daz dû solt ein zeichen sehen,
          daz ist daz dritt, daz got der rîch
          hiez dir zeigen sicherlîch.’
          er sprach: ‘des muoz ich jehen,
          ich wil daz dritt zeichen sehen.’
          er sprach: ‘nû sich an mîn hant,
          diu gar schœn ist und wol bekant,
          ich stôz sie in den buosem mîn.
          swie schœn, swie wîz si kann gesîn,
          so solt dû ein zeichen dar an sehen,
          daz dû mir selber müezt verjehen,
          daz got daz zeichen hab getân,
          wan nieman sô vil wunders kan.’
          ûz dem buosem zuct er die hant,
          daz zeichen der künic dar an vant,
          wan er sîn selb muost verjehen,
          ez wær ein zeichen dâ geschehen.
          diu hant was ûzsetzic zwâr
          biz an den ellenbogen gar.
          dô er sie dô hin wider în stiez
          und ûz dem buosem her wider liez,
          dô was si wider schœn gar
          und reht alsam ê gevar.
                                                                            [nach oben]
           
           

          [7543-7564]

          Daz geschach an der stat.
          Moyses den künic bat,
          daz er erkant diu mære,
          daz der wundrære
          tet allez daz er wil.
          er sprach: ‘er hât gewaltes vil,
          daz nieman iu volsagen mac
          unz an den jungsten tac.
          wil dû des niht gelouben mir,
          sô erzeigt dir got vil schier
          sînen gewalt den er wol kan,
          wil dû im niht sîn undertân.
          er hât dir noch enboten mêr,
          der heilig got alsô hêr:
          er jach, der lieb trehtîn,
          daz dû im vrî lâzest sîn
          sîn volc, di jüdischen diet.
          bî got ich dir ez gern riet,
          oder dir geschiht ein herzenleit,
          daz dîn lîp kûm ertreit
          und dîn lant muoz trûric sîn;
          daz hab ûf den triuwen mîn.’
                                                                            [nach oben]
           
           

          [7565-7596]

          Swaz er im sagt von got,
          den hêt der künic für einn spot.
          Moyses sprach: ‘lâ den spot sîn,
          ich sag dir ûf di triu mîn,
          daz zehen sleg gênt ûf dîn lant,
          dâ wirt dir jâmer von erkant,
          alsô sagt mir diu gotheit;
          er tæt dir daz dir noch wurd leit,
          woldest dû dich niht bekêren
          zuo im mit grôzen êren.’
          diu red was dem künig zorn.
          er sprach: ‘dîn lîp wær verlorn,
          wærst dû niht ûf gnâd her komen,
          als ich von dir hân vernomen
          und von der küniginne.
          daz erwarp si mit sinne,
          daz ich dich lâz von mir kêren
          heim mit grôzen êren.
          dîn lîp wær anders gar verlorn,
          wan mir ist wærlîch an dich zorn
          umb dîn grôze trugheit,
          die dû mir hâst vor geseit.
          dâ von var von den ougen mîn:
          dû solt des gar gewis sîn,
          wærst dû der künigin zwir als liep,
          ich heiz dich hâhen als einen diep,
          wan dû bist voller trugheit.
          dâ von ist mir dîn red leit.
          dû sagest mir von dem herren dîn,
          wie gar gewaltic er müg sîn,
          und kanst mir doch niht gezeigen,
          welhez lant sî sîn eigen.’
                                                                            [nach oben]
           
           

          [7597-7626]

          Dô sprach diu küniginne guot
          ûz vil trûrigem muot:
          ôwê! wie ich gezogen hân,
          daz dû wil werden undertân
          einem andern herren dann mir!
          dîn triu hâst dû zerbrochen schier
          an mir und an dem herren mîn.
          dâ von muost dû ân triu sîn.
          nû weiz ich wærlîch niht gelîch
          ûf allem disem ertrîch,
          der hab gewaltes alsô vil.
          sîn guot er gern teilen wil,
          der lieb künic, mîn herre.
          dhein leit im gewerre!
          des bite ich teglîch
          mîne abgot, daz ist vreudenrîch.
          den liuten gît er gern golt,
          die im dâ sint mit freuden holt.’
          zehant dô sprach der künic rîch:
          ‘Moyses, ich sag dir sicherlîch,
          dû solt vil bald gâhen.
          dîn red muoz mir versmâhen,
          wan dû hâst niht triuwen.
          dîn red muoz dich sêr geriuwen!
          daz ich dich ie gezogen hân,
          daz riut mich an dir, tumber man.
          ich wânt, dîn lîp wolt mêren
          zuo gar grôzen êren.
          des kan ich an dir niht gespehen.
          dâ von ich leit muoz an dir sehen.’
                                                                            [nach oben]
           
           

          [7627-7656]

          Dô Moyses dô erhôrt
          des küniges zornigiu wort,
          dô stuont er von dem lant dô
          dâ er niht forht des küniges drô.
          iedoch sagt er den juden daz,
          si hieten all des küniges haz;
          si solden von dem lant kêren
          mit vil grôzen êren,
          ê daz sîn Pharô wurt gewar,
          daz er si iht verderbet gar
          mit vil grôzer jâmers nôt;
          si müesten dulden den tôt.
          si jâhen, si wolden sîner lêr
          mit ganzen triun volgen sêr.
          mit diser red fuor Moyses dan.
          ieglîcher jud dâ riu gewan
          dô Moyses fuor in sîn lant
          ungemach wart im bekant.
          dar nâch zeigt er den heiden dô
          und ouch dem künig Pharaô,
          daz diu werlt gemeine
          was gotes alterseine.
          diu tier und daz geflügel gar,
          die visch, daz wilt, daz ist wâr,
          berg, wazzer, wisemât:
          diu werlt gar an aller stat
          was der heiligen gotheit.
          swaz er des dem künig seit,
          des wolt er im gelouben niht.
          des hêt der tievel mit im pfliht.
                                                                            [nach oben]
           
           

          [7657-7694]

          Dar nâch got der reine
          beschuof al eine,
          daz di sleg muosten ergên.
          dem künig übel muost stên.
          er muost si haben dô für guot.
          er schuof, daz daz wazzer guot
          bluotvar wart in sînem lant.
          daz was ein jæmerlîch schant
          den heiden allen, daz ist wâr.
          ir spîs wart alliu bluotvar.
          swelich heiden trinken solden
          oder swaz si trinken wolden,
          sô trunkens bluot und anders niht:
          daz was ein jæmerlîch geschiht.
          dô daz gesach her Pharaô,
          er sprach: ‘ich erkenn gotes drô
          und sich nû von der wârheit:
          swer wider got tuot, daz wirt im leit.
          ich sich von im ein wunder grôz:
          swie vast daz wazzer für uns flôz,
          daz ist worden bluot gar.
          eines zeichens nim ich dannoch war,
          daz den heiden ist niht guot:
          swâ si schepfent, daz ist bluot,
          und swâ die juden schepfent sîn,
          wîp, man oder kindelîn,
          daz ist lûter als ein brunn.
          dar an schadet in wint noch sunn.
          daz hân ich allez wol gesehen,
          dâ von wil ich des verjehen,
          daz er ist gewaltic und starc
          und vil sinnic, wîs und karc.
          dâ von leist ich sîn gebot
          noch gerner dann mîner abgot.’
          dar nâch swuor er mangen eit
          bî sîner stæt und wârheit,
          daz er sîn abgot wolt verlân
          und got von himel rüefen an.
                                                                            [nach oben]
           
           

          [7695-7708]

          Dô got der vil guot
          erkant sînen muot,
          daz er wolt kêren
          zuo sînem rehten herren
          und wolt den selben beten an,
          dô lie er den slac fuder gân.
          des wart der künic vil frô.
          sîn abgot bat er aber dô
          als ein heidenischer man,
          der got niht wolt sîn undertân.
          ez wolt ouch der trugenær
          niht gelouben der mær,
          daz er von got was geschehen:
          des wolt er dannoch niht verjehen.
                                                                            [nach oben]
           
           

          [7709-7750]

          Dô daz got an im ersach,
          er gedâht: dû muost noch ungemach
          lîden von den schulden mîn;
          des muost dû gar gewis sîn.
          den andern slac dô gewan
          der vil heidenisch man
          und sîn volc gemeine.
          der was niht vil kleine,
          wan er was eislîch genuoc:
          sô man daz ezzen für si truoc,
          sô liefen kroten über al
          in ir schüzzel ân zal.
          so si giengen ûz irr schüzzel,
          sô hupftens gên ir drüzzel;
          so begunden si den kroten wern,
          sô mahten si sich niht erwern.
          was daz niht ein wunder?
          swâ di juden besunder
          sâzen, dâ was kroten niht.
          daz was ein wunderlîch gesiht.
          wan swann ein heiden nâch wazzer gie,
          vil kroten er in den kruoc gevie
          und truoc die mit im gemein.
          dâ von ir ezzen was unrein.
          dô daz der künic hêt ersehen,
          daz im sô übel was geschehen,
          dô hiez er gemeineclîchen
          den lieben got den rîchen
          mit gebet rüefen an
          beidiu wîp unde man.
          dô got dô erhôrt
          ir gebet und ir wort,
          do erbarmt er sich über wîp und man,
          daz er den slac liez für gân
          und die kroten lâgen tôt.
          dô wurdens frî von irr nôt.
          dannoch wolt des tievels man
          got niht beten an.
          er sprach: ‘ir heiden, disiu geschiht
          bringt mich wærlîch niht,
          daz ich geloub an got.
          daz verbiutet mir mîn abgot.’
                                                                            [nach oben]
           
           

          [7751-7770]

          Dô daz got der reine
          vernam alterseine,
          dô tet er in den dritten slac
          beidiu naht unde tac.
          dô ir korn wart gesæt
          und man daz sneit unde mæt,
          dô kômen der kevern alsô vil,
          daz ich sîn niht sagen wil,
          mit sô ungefüeger schar,
          daz ich sîn niht gesagen tar,
          daz ez daz korn allez az
          und gar in sînen lîp vraz,
          daz sîn dâ niht beleip.
          sô oft daz gewürm daz mit in treip,
          daz si wurden hungervar,
          und ersturben vil, daz ist wâr,
          wan in beleip niht wan der halm.
          des wart von in ein starker galm,
          wan si mit starken nœten
          der hunger wolt tœten.
                                                                            [nach oben]
           
           

          [7771-7782]

          Nû merket daz besunder,
          ob daz niht wær ein wunder:
          swâ die juden heten gesæt,
          daz wart gesniten und gemæt,
          gemalen und gebachen.
          des mahten si wol lachen.
          daz in was alsô wol geschehen,
          daz si got lie daz wunder sehen,
          daz an den heiden dô geschach,
          daz si liten ungemach:
          des wârn si herzenlîchen vrô
          und lobten got von himel dô.
                                                                            [nach oben]
           
           

          [7783-7794]

          Dô her Pharaô ersach
          den vil grôzen ungemach,
          den er und sîn volc gewan,
          er sprach: ‘ich niht entrinnen kan
          der almehtigen gotheit.
          dien ich ir niht, daz wirt mir leit.
          wær ieman, der mir Moysen bræht,
          daz er mich liez ûz der æht,
          ich wolt im swern sicherlîchen,
          daz ich wolt dienen got dem rîchen,
          daz er mir hulf von diser nôt.
          ich und die mînen ligen tôt.’
                                                                            [nach oben]
           
           

          [7795-7832]

          Zehant wart ein bot besant
          nâch Moysen. dô man in vant
          und man im seit di botschaft,
          daz er des gewaltigen gotes kraft
          wolt fürhten unde sehen an,
          als dô sprach der heilig man,
          dô er in êrst an sach,
          alsô er wider in sprach:
          ‘Moyses, vil triuwer man,
          ein botschaft ich dir sagen kan,
          diu dîn frümcheit wol an stât:
          der künic dir enboten hât,
          er lîd von hunger grôz nôt.
          sîn volc wil allez ligen tôt.
          des wil er haben dînen rât
          umb sîn grôz missetât,
          die er gegen got hât getân.
          vor leit er niht entslâfen kan
          noch von grôzem smerzen,
          diu er hât an dem herzen.
          des wil er fruo und spâte
          tuon nâch dînem râte.
          got wil er werden undertân,
          wil er in lenger leben lân.’
          dô sprach Moyses zehant:
          ‘wil er dem werden heilant
          getrouwen, als er ze reht sol,
          wan er genâden vol
          ist ze allen zîten
          beidiu nâhen unde wîten:
          mîn volc sol er lâzen
          ûf steg und ûf strâzen
          varn swâ ez welle,
          oder er muoz in die helle.
          er sol gelouben an got
          und lâzen sînen bôsen spot,
          sô wirt im der sorgen buoz.
          für wâr ich daz sagen muoz.’
                                                                            [nach oben]
           
           

          [7833-7858]

          Der bot dâ mit heim gie.
          dhein red er niht enlie,
          er sagt sie hern Pharaô,
          und liez sîn durch dhein drô.
          er sprach: ‘Moyses enbiut dir,
          wellest dû von nœten komen schier,
          sô lâ die juden varn
          mit kinden und mit allen scharn.
          ez süln ouch bezzerunge
          die alten und die jungen
          got geloben von himelrîch,
          sô werdent si vil sicherlîch
          erlôst von irem smerzen
          an lîb und an herzen.
          dû wirdest ouch selb getrôst
          und von sorgen erlôst.’
          dô daz erhôrt her Pharaô,
          er sprach: ‘wir süllen gotes drô
          fürhten vlîziclîchen.
          ich wil got niht entwîchen
          und wil im wesen undertân,
          die wîl er mich wil leben lân.’
          zehant dô sich her Pharaô
          vermaz gên got alsô,
          dô muost der hunger furder gên.
          got wolt in niht lâzen bestên.
                                                                            [nach oben]
           
           

          [7859-7878]

          Dar nâch in unlanger zît
          huop sich gên got der selb nît,
          den er ê gegen im hât getân,
          wan er was ein heidenischer man.
          dâ von wolt er got niht erkennen
          noch wolt in got noch herr nennen,
          unz er den vierden slac sluoc;
          der was im eislîch genuoc.
          diu sunn gap im dheinen schîn,
          wan ez dô vinster muoste sîn,
          daz nie dhein oug sô heiter wart,
          diu vinster hiet ez verspart.
          swie grôz ein hûs, ein markt was,
          noch dhein burc sô êrbær was,
          daz man si möht gesehen;
          des muoz ich von der wârheit jehen.
          daz was im ein grôz schant,
          daz sô vinster was sîn lant.
          der künic was dannoch sô hert,
          daz er niht enahtet gotes gevert.
                                                                            [nach oben]
           
           

          [7879-7902]

          Dô daz diu gotheit hêt gesehen,
          dô schuof si daz, des muoz ich jehen,
          daz daz eltest niht genas,
          daz in ieslîchem hûs was,
          und ouch schâf, rinder und swîn,
          swelhez under in daz eltst moht sîn,
          dem muost der tôt an gesigen,
          und muost vor im tôt ligen.
          dô daz der gewaltic künic ersach,
          daz er solhen ungemach
          erleit von gotes zorn:
          ‘mit samt in wird ich verlorn!’
          er ract gên got sîn hende.
          dô nam der slac ein ende,
          wan er sprach: ‘herr, lieber got,
          jâ wil ich leisten dîn gebot.
          von hinnen unz an daz ende mîn
          wil ich in dînen gnâden sîn.’
          got gap im dô sîn huld
          und verlie im sîn schuld.
          dô in der heilant dô gewert,
          dô wart er bœser dann vert,
          wan den slac hêt er für einn spot
          und wolt dannoch niht fürhten got.
                                                                            [nach oben]
           
           

          [7903-7944]

          Dô sluoc erm an dem selben tac,
          Pharôni, den sehsten slac.
          der was eislîch genuoc:
          sô man daz ezzen für si truoc,
          sô wart diu schüzzel vol –
          daz weiz ich von der wârheit wol –
          von vil gefüegen mucken klein
          wart in ir ezzen unrein.
          ez viel ouch manic mucke
          an bein und an rucke,
          an arm und an antlütz,
          daz ez in wart unnütz,
          an hend, an hals und an den nac.
          si schriren beidiu naht und tac:
          ‘ôwê diser grôzen nôt!
          die mucken wellent uns tuon den tôt
          alhie an diser stunt.
          ruck und bein und den munt
          wellent si ezzen, daz ist wâr.
          dem tôt sîn wir gegeben gar.’
          her Pharaô der eislîch man,
          ein riu er aber gewan,
          dô er sach gotes zorn.
          ‘ô wê! daz ich ie wart geborn,
          ich vil gar unsælic man!
          daz ich bin got niht undertân!
          sol ich disen kumber tragen,
          daz muoz mîn herz immer klagen.
          daz ich die swær tragen sol,
          dâ von ich grôzen jâmer dol.’
          er gedâht in sînem muot:
          got der ist sô guot,
          daz er mir wol gehelfen mac
          von dem eislîchen slac,
          den er dem land hât getân.
          von im ich all êr hân.
          nû wil ich dem süezen got
          dienen unde sînem gebot.
          nû hilf mir, herr, von diser nôt
          oder ich muoz wærlîch ligen tôt.
          dô got erhôrt sîn gebet,
          den slac er aber von im tet.
                                                                            [nach oben]
           
           

          [7945-7974]

          Dô got von dem slag lie,
          Pharô aber übergie
          daz gebot der gotheit.
          daz wart im her nâch leit,
          wan er den sibenten slac enpfie,
          der im vil nâhen gie.
          er beschuof, daz die fliegen
          si sêr begunden triegen.
          si vielen in in daz ezzen;
          dar inn wurdens vrezzen.
          daz wunder moht man dô kiesen:
          die spîs begunden si verliesen,
          swann si die spîs solden
          ezzen, swann si wolden.
          daz was in ein grôzer slac
          für wâr ich daz gesagen mac.
          dô Pharaô der unrein
          ersach, daz di liut gemein
          alle liten grôz nôt
          und wolden dâ von ligen tôt,
          do gelobt er got dem rîchen
          vil gar sicherlîchen,
          er wolt daz volc gemeine
          heizen grôz und kleine
          warten sîner gotheit,
          dâ nimmer ze end wirt von geseit,
          und dienen mit triuwen.
          ‘ez muoz mich immer riuwen,
          daz ich wider in hân getân.’
          dô liez den slac got für gân.
                                                                            [nach oben]
           
           

          [7975-8004]

          Dô Pharaô sîn ungemach
          zergie, er gên den heiden sprach:
          ‘sol ich ein herren ob mir hân,
          zwâr daz wær niht reht getân.
          ich bin der hœhst der nû lebt.
          ist ieman der dâ wider strebt,
          den hiez ich wærlîch tœten
          und in der marter nœten,
          wan ich bin künic al ein.
          mit mir sol nieman gemein
          haben, er trag die krôn.
          diu stêt mir ein vil schôn
          und der küniginne mîn;
          diu sol mit mir gekrœnet sîn.
          dô got der vil rein
          erkant sîn herz unrein
          dô tet er im den ahten slac
          beidiu naht unde tac
          dô er den slac dô enpfie,
          der sînem leben nâhen gie,
          wan ez unser trehtîn
          beschuof, daz all liut sîn,
          si riten oder giengen,
          voll blâtern hiengen
          grœzer dann ein tûbenei.
          ir dheiner torst enzwei
          die grôzen blâtern brechen.
          alsô wolt sich got rechen.
          des gewunnen si vil smerzen
          an lîb und an herzen.
                                                                            [nach oben]
           
           

          [8005-8034]

          Her Pharaô der unrein,
          swie [vol] im ruck unde bein
          diser blâtern wurden vol,
          dannoch jach er, im wær wol.
          daz tet er durch der liut genust,
          wan er hêt bôse kust.
          dar nâch im gar wê geschach,
          und daz di liut ir ungemach
          klagten alsô sêre.
          dô sprach der künic hêre:
          ‘ich wil nû got erkennen
          und wil in herr nennen,
          wan er ist aller güet vol.
          swer im getrouwet dem geschiht wol.
          dâ von ich in an biten wil,
          sît er genâden hât sô vil.’
          gegen got er viel ûf sîniu knie,
          sîn ruof enbor gên himel gie.
          er sprach: ‘vil lieber herr got,
          vil gern leist ich dîn gebot.
          niht fürbaz ich ez brechen wil,
          wan dû hast genâden vil.’
          dô got erhôrt sîn gebet
          und sîniu wort, diu er tet,
          dô kêrt er sîn barmunge
          gegen alten unde jungen,
          daz der slac ende nam.
          dô huop er aber wider an.
          dô er des slages genas,
          dô wart er als er ê was.
                                                                            [nach oben]
           
           

          [8035-8068]

          Dô got ersach sîn bôsheit,
          daz im sîn zorn niht was leit
          und daz der heidenisch man
          huop sîn bôsheit wider an,
          dô schuof er im den niunten slac
          ûf hals, ûf ruck und ûf nac.
          er schuof, daz hurnaz und tarant
          den liuten gar daz leben swant.
          swa ir zwei kômen an einen man,
          dem muost ez übel dô ergân.
          kom aber mêr an in gevallen,
          der selb muost lût schallen:
          ‘ôwê und wê mîner nôt!
          ich bæt niht wan daz ich wær tôt!’
          diu klag wart grôz in dem lant.
                                                                            [nach oben]
           
           
           
           
           
           
           
           
           
           
           
           


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