JANS DER ENIKEL, Weltchronik.
    Seite 26: Karl der Große; Reußenkönigs Tochter

    Nach der Ausgabe von Philipp Strauch.
    Digitalisiert von Angus Graham.
    Seite erstellt von Graeme Dunphy.

    Seite  enthält die Abschnitte:

       
         
           
          [26015-26060]
          [26061-26094]
          [26095-26126]
          [26127-26180]
          [26181-26196]
          [26197-26222]
          [26223-26240]
          [26241-26268]
          [26269-26306]
          [26307-26374]
          [26375-26382]
          [26383-26398]
          [26399-26446]
          [26447-26480]
          [26481-26510]
          [26511-26532]
          [26533-26550]
          [26551-26580]
          [26581-26600]
          [26601-26676]
          [26677-26696]
          [26697-26730]
          [26731-26774]
          [26775-26816]
          [26817-26842]
          [26843-26863]
          [26864-26916]
          [26917-26928]
          [26929-26952]
          [26953-26966]
          [26967-26996]
          [26997-27026]
          [27027-27060]
          [27061-27084]
          [27085-27116]
           
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          [26015-26060]

          Dô diu kost wart bereit,
          ze tisch saz er, als man seit.
          von trinken und von spîse
          heten si ein paradîse.
          dâ mit der künic des niht enlie,
          als ez wart naht, er slâfen gie.
          den wirt gar êrbær
          bat er umb einen wahtær,
          der sîn des nahtes pflæge,
          do er an dem bette læge.
          er sprach: ‘wahter, tuo mir bekant,’
          alsô er in tiuwer mant,
          wan den künic des niht verdrôz –
          er sprach: ‘sô man den singôz
          an ziech ze dem tuom rîch,
          sô weck dû mich sicherlîch,
          sô wil ich dir ze miet geben,
          sô mich got lâz leben,
          ditz vingerlîn guldîn,
          daz dû dir lâst enpfolhen sîn,
          daz mir daz liuten werd bekant.
          dû solt mich wecken zehant,
          als liep dir ditz kleinôt sî.
          weck mich, sô wird ich sorgen frî.’
          daz tet der wahtær zehant.
          den herren er slâfen vant.
          er sprach: ‘herr wolgemuot,
          stêt ûf und gebt mir mîn guot.
          man liutet den singôz.’
          den herren dô des niht verdrôz,
          er leit an sich sîn rîch wât.
          den wirt er flîzic bat,
          daz er mit im gienge,
          sô daz man in iht vienge;
          er wær dâ leider unbekant.
          den wirt den vienc er bî der hant.
          si giengen zuo dem bürgtor,
          dâ wâren stark rigel vor.
          dô begund der wirt rüefen:
          ‘herr, ir müezt hie durch sliefen,’
          sprach er zuo dem künic zehant,
          ‘sô wirt horwic iur gewant.’
          der künic sprach: ‘des aht ich niht,
          ob ez wirt gar enwiht,
          daz wizzet sicherlîch,’
          sô sprach der künic rîch.
                                                                       [nach oben]
           

          [26061-26094]

          Zehant er slouf zem tor hin in.
          der herre hêt dâ wîsen sin,
          wan er zuo dem tuom gie.
          den wirt er heim gên lie,
          und gie er selber in den tuom.
          daz macht sîn wîstuom,
          daz er zwâr niht vergaz,
          wan er ûf den stuol saz,
          dâ die künege werdent gewîht;
          er si hôch oder lîht,
          sô muoz er sîn eine künic genant.
          ûf den stuol saz er zehant.
          daz dûht in dô ein guot gewin.
          ab dem swert liez er hin
          sliefen die scheid, daz ist wâr.
          er nam daz swert alsô bar
          und leit daz über sîniu knie.
          zehant der mesner zuo gie
          und wolt diu buoch her für tragen.
          dô begund er gar verzagen,
          dô er in alsô sitzen sach
          mit blôzem swert, er nicht ensprach;
          er gie, dâ er den priester vant.
          er sprach: ‘mir ist wol bekant
          ein freissamez mære,’
          sô sprach der mesnære:
          ‘ez ist ein man lîse
          gesezzen, der ist grîse,
          ûf dem gesegenten stuol zwâr;
          er hât ein blôzez swert bar
          geleit über sîniu knie.
          dô ich zuo dem alter gie
          und ich in sach sitzen,
          do begund ich aller switzen.’
                                                                       [nach oben]
           

          [26095-26126]

          Dô sprâchen die tuomherren:
          ‘wil dû uns machen werren,
          des mac an uns niht ergân.’
          ‘die wârheit ich gesehen hân,’
          sprach der mesnære,
          ‘dâ von ist mir swære.
          geloubt ir mir niht, daz ist mir leit.
          gêt selb und seht die wârheit.’
          dâ mit ein tuomherr gie.
          der selb ein lieht dâ gevie,
          und gie zuo dem stuol unverzeit.
          dâ sach er selb die wârheit,
          wan ez im sicher wart bekant.
          daz lieht warf er ûz der hant
          und flôch bald von im dan,
          dô er sach den grîsen man.
          zuo dem bischof er dô gie.
          er sprach: ‘welt ir hœren, wie
          uns herrn ist zuo dem tuom geschehen?’
          der wârheit begunden si im verjehen.
          dô der bischof daz erhôrt,
          der kôrhcerren wort,
          dô îlt er vil drâte
          ûz sîner kemnâte.
          gegen dem tuom man dô gie.
          zwô grôz kerzen man gevie,
          daz tâten zwên knehte,
          und lûhten im vil rehte
          hin, dâ der künic saz
          ûf dem stuol: er niht vergaz,
          er hêt daz swert alsô bar,
          daz sagt unz daz buoch für wâr.
                                                                       [nach oben]
           

          [26127-26180]

          Dô der bischof und sîn man
          kômen zuo dem stuol dan
          und er in dâ erblicte,
          vor forhten er erschricte.
          er sprach: ‘ir sült mich wizzen lân,
          wer iu iht leides hab getân,
          oder waz mannes ir sît;
          daz sagt mir, wan des ist zît.
          sît ir ungehiuwer?
          iuwer red ist mir tiuwer.
          ich beswer iuch bî dem got,
          daz ir leistet mîn gebot,
          und sagt mir reht, wer ir sît.
          daz ist zwâr an der zît.’
          der künic antwurt zehant:
          ‘ich was iu wol erkant,
          dô ich der künic Karl hiez.
          an gewalt ich nieman für mich liez.’
          zehant der bischof gên im trat,
          als in dô sîn will bat.
          mit triuwen er gên im sprach,
          dô er in reht ane sach:
          ‘sît willikomen, lieber herr mîn,
          iurr kunft wil ich frô sîn.’
          zuo im er lieplîchen gie.
          mit armen er in umbevie
          und wîst in sicherlîche
          in sîn hûs rîche
          und hiez die glocken über al
          liuten. dô wart ein grôzer schal.
          dannoch ez nieman weste
          die kunden noch die geste
          di dar wâren komen
          di hêten disen schal vernomen;
          dô frâgten si der mære,
          waz in der stat wære.
          dô seit man in sicherlîch,
          daz künic Karl der rîch
          wær komen in die stat.
          dâ mit ein ieslîch gast bat,
          daz man im bræht sîn ros.
          si fluhen velt unde mos.
          swer niht moht gerîten,
          der wolt niht lenger bîten,
          er viel die mûr ze tal.
          von den gesten wart ein schal,
          dô si entrunnen von der stat.
          der bischof den künic bat,
          daz er im gæb einen solt
          und der küniginn wær holt –
          ez wær gar ân ir schuld –,
          daz er ir gæb sîn huld.
          den bischof er gewert der bet
          und wart ir holt al dâ ze stet.
                                                                       [nach oben]
           

          [26181-26196]

          Dô der künic daz rîche
          besaz gewalticlîche,
          dô santen die Rœmære
          mit schanden und mit swære
          Leônem den bruoder sîn
          hin ze Âch und tâten im schîn,
          daz die selben herren
          wolden stiften werren.
          si tâten ez im ze schanden
          und santen in ze diutschen landen.
          des wolden si niht erwinden,
          si santen [im] in alsô blinden,
          sînen bruoder bâbst Leô,
          zuo im und enbuten im dô,
          si wolden sîn ze herren niht.
          daz was ein lesterlîch geschiht.
                                                                       [nach oben]
           

          [26197-26222]

          Dô der künic Karl diu mær
          vernam, dô wart im swær
          des bruoder herzenleit.
          er sprach: ‘mînen friunden sî gekleit
          und dar zuo den mannen mîn
          und allen den die umb den Rîn
          gesezzen sîn mit frümkeit,
          den sol mîn grôzez herzenleit
          und mîn unschuld erbarmen.
          den rîchen und den armen
          klag ich ez besunder
          daz ungefüeg wunder,
          daz an mînem bruoder ist ergân.
          es sol doch got geniezen lân
          mich, daz ich in strîte
          nâhen unde wîte
          diu rîch [ich] gar betwungen hân.
          wil er mich des engelten lân,
          sô wil ich im nimmer mêr
          dienen alsô sêr,
          sît mir mîn bruoder ist worden blint.
          dâ von ich nimmer des erwint,
          ich zerbrech Rôm die grôzen stat
          und zerfüer sie ân mâzen drât
          und leg den öbristen stein
          zuo dem nideristen gemein.’
                                                                       [nach oben]
           

          [26223-26240]

          Dô wart niht lenger gespart,
          er hiez rüefen hervart
          unde fuor ze Rôm dâ mit
          die hervart nâch dem alten sit.
          die wartliut er für sant.
          dô wart ein zeichen im bekant
          von got dem vil rîchen.
          er liez sicherlîchen
          dem bâbst wider sîn gelider
          und gap im diu ougen wider.
          daz was ein grôz geschiht,
          wan er gesach ê nihtes niht.
          den Rœmern gap er hulde
          dâ umb all ir schulde,
          dô got daz zeichen mit im tet
          zwâr nâch sîner grôzen bet.
          er wart erwelt ze keiser dô.
          des wârn die Rœmær hart vrô.
                                                                       [nach oben]
           

          [26241-26268]

          Einen hof gebôt er zehant
          den fürsten allen in diu lant.
          di kômen dô mit guoten siten
          all ze hof geriten.
          dô kom ein engel hêr
          und verwîst im daz sêr,
          daz er hêt zorniclîchen
          geret gegen got dem rîchen.
          dô sprach künic Karl der rîch:
          ‘geloub mir sicherlîch,
          mir ist daz sêr ungemach’ –
          alsô der künic Karl dô sprach –,
          ‘daz ich hân got gedienet sêr,
          daz mir der erd niht wirt mêr
          dann als dem ermsten man,
          den disiu werlt geleisten kan,
          wan siben füez wirt mir bekant,
          und hân betwungen manic lant.’
          dô sprach der engel hêr:
          ‘ich wil dir sagen mêr:
          dir wirt der selben füez niht.
          daz ist ein wunderlîch geschiht.
          dû mehtest die red wol hân verdeit.
          daz sî dir für wâr geseit:
          swan dû stirbest, ze stunt
          sô wirt dir vierdhalb kunt.
          daz ist von dem ungelouben dîn,
          des solt dû gewis sîn.
                                                                       [nach oben]
           

          [26269-26306]

          Dar nâch in kurzen zîten
          wolt got niht lenger bîten,
          im sturb diu hûsfrou sîn.
          daz tet er mit werken schîn,
          daz si im liep was sam sîn lîp:
          daz selb wolgetân wîp
          hiez er balsamen. daz ist wâr:
          ein zouber hêt si bî ir gar
          under der zungen,
          des tiufels ordenunge,
          dâ von er sie niht moht lân,
          er muost al naht mit ir umbe gân,
          als ein man mit einem wîb tuot.
          er hêt einn verteilten muot.
          daz macht daz zouber daz si truoc.
          im was nâch ir wê genuoc.
          doch west nieman diu mær
          wan zwên kamrær,
          die beid wârn im heimlîch gar.
          die muosten die tôten frouwen zwâr
          baden ze aller zeît.
          alsô tôt man sie im leit
          an daz bett, dâ er dô lac.
          mit dem tôten er dô pflac,
          daz ich iu vor hân geseit;
          daz wart im dar nâch leit.
          doch wolt got der rîche
          vil gar sicherlîche
          in niht lâzen verderben
          noch an der sêl ersterben.
          er hêt des guoten sit,
          dâ er sîn sêl behielt mit,
          mit bîht, mit riu ze aller zît.
          swâ er in dem land wît
          fuor, dâ rouwen in sîn sünd;
          daz was ein guot urkünd.
          doch wolt er der sünd niht lân,
          die ich iu vor gesagt hân.
                                                                       [nach oben]
           

          [26307-26374]

          Doch ze einen zîten daz geschach,
          daz man vor im mess sprach.
          daz tet ein bischof der was guot.
          dô kom ein tûb, diu was fruot,
          für in ûf den altâr,
          diu brâht ein brief offenbâr.
          der brief mit gold was erhaben
          gar mit schœnen buochstaben:
          dâ was diu sünd geschriben an,
          daz der künic niht wolt lân
          von dem toten wîb –:
          wê geschach ir sêl, ir lîb.
          der bischof ob dem alter was.
          den brief er schôn las.
          dô er die mess gesanc,
          er sprach: ‘ir habet einen wanc,
          her künic, lieber herr mîn,
          der iuwer sêl muoz schad sîn.’
          künic Karl der best
          sprach: ‘swaz ich mîner bîht west,
          die hân ich iu kunt getân.’
          dô sprach der bischof: ‘lieber man,
          ein sünd habt ir mir verdeit
          und habt ir mir noch niht geseit,
          die hât mir got von himelrîch
          kunt getân gar sicherlîch.
          ein frouwen habt ir, diu ist tôt.
          dâ von muoz iuwer sêl nôt
          lîden unde iuwer lîp,
          daz ir habt ein tôtez wîp.’
          der künic sprach: ‘lieber herr mîn,
          mîn sünd kan niht grœzer gesîn.
          ich kan mich niht geânen ir lîp.
          nie lieber wart mir kein wîp.
          mîn lîp mac sich ir geânen niht,
          swaz mir halt dar umb geschiht.’
          der bischof sprach: ‘gebt mir ein lêhen,
          lât mich selber daz wîp sehen,
          unde gebt mir daz ze lôn,
          ob ir lîp noch smeck schôn.’
          der künic sprach: ‘daz tuon ich drât.’
          er tet ûf die kemnât
          und wîst in zuo dem bett hin;
          daz dûht den bischof ein guot sin.
          des küniges bett daz was tief.
          diu frou lac als si slief.
          dâ von der künic het sie für vol.
          ‘smeckt ir der munt wol,’
          sprach der bischof, ‘herr mîn?’
          der künic sprach: ‘daz sol sîn.
          ir müezt ez sehen sicherlîch,’
          alsô sprach der künic rîch.
          der bischof tet ir ûf den munt.
          dô wart im an der stat kunt:
          daz zouber ûz dem mund viel
          in der grœz sam ein schiel.
          zehant dô daz alsô geschach,
          der bischof und der künic sach,
          daz si viel zesamen in der gebær,
          sam si vûl wær
          vor einem halben jâr.
          alsô wart si ze aschen gar.
          dem künig begund si widerstân.
          er sprach: ‘swaz ich lieb zuo ir hân,
          die hân ich al verkorn;
          si hêt mir sêl und lîp verlorn.
          si stinket sam ein vûler hunt.
          ir bôsheit ist mir worden kunt.
                                                                       [nach oben]
           

          [26375-26382]

          Dar nâch diu buoz muost ergân
          dem künig, wan er sünd hêt getân
          an dem tôten wîb,
          des muost er mit sînem lîb
          büezen alsô sêre,
          der edel künic hêre;
          lîden muost er grôze nôt
          unz an sînen tôt.
                                                                       [nach oben]
           

          [26383-26398]

          Doch was er mit der swære
          der best rihtære,
          den ie kein oug hêt übersehen:
          des muoz man im jehen.
          swâ er az oder beleip,
          mit geriht er nieman vertreip.
          daz was an im ein danc:
          ein grôz glock diu lût erklanc,
          di muost man ûf rihten swâ er was.
          dâ von er an der sêl genas.
          die glocken hêt er durch die armen,
          die begunden in erbarmen.
          swann er die glocken hôrt klenken,
          sô begund er gedenken
          an gotes zorn und an sîn geriht;
          des muost er rihten nâch der sliht.

          [26399-26446]

          Eins tages saz er ob dem tisch,
          do er az hüener unde visch,
          als von reht ein künic sol;
          die glocken hôrt er klenken wol.
          er sprach: ‘ditz ist ein arm man,
          hât man dem leides iht getân,
          daz riht ich schôn sam mir mîn lîp
          ez sî man oder wîp.
          zehant die hüetære
          giengen her ûz ân swære
          und tâten des armen mannes war.
          diu glock aber offenbar
          hêt geklenket umb daz reht:
          si sâhen weder wîp noch kneht.
          daz tâten si irm herren kunt.
          diu glock klenkt sich ander stunt.
          er hiez si aber her ûz gân.
          er sprach: ‘bringt ir mir niht den man,
          dem leit und nôt ist bekant,
          zwâr ich tœt iuch zehant.’
          dô si des künges red vernâmen,
          wie schier die vier kâmen,
          die der glocken pflâgen!
          die getorst des niht betrâgen,
          si muosten umb schouwen,
          ob ez wærn man oder frouwen,
          wer die glocken klanct.
          ir ieslîcher sich ze tal sanct,
          ob si ieman sæhen,
          daz si dem künig verjæhen.
          nieman sâhen si dâ.
          si sâhen ûf und anderswâ.
          dâ kunden si nieman spehen,
          den si mohten dâ gesehen.
          dô giengens für den künic stân.
          si jâhen: ‘wir sehen nieman,
          der die glocken hab geklenkt.
          unser ieglîcher hêt sich gesenkt,
          ob wir ieman sæhen,
          daz wir des verjæhen.
          nû sehen wir nieman an der stunt.’
          daz klenken wart im aber kunt.
          daz was zem dritten mâl dô.
          der künic tet in manigen drô.
          er sprach: ‘bringt ir mir niht den man,
          der dise glocken klenken kan,
          zwâr ich heiz mit nœten
          iuch all vier tœten.’
                                                                       [nach oben]
           

          [26447-26480]

          Dô giengen ûz schiere
          die knappen all viere.
          in tet diu angst grôz nôt.
          si jâhen: ‘süllen wir ligen tôt
          umb dis grôz unschulde,
          sô geb uns got sîn hulde.’
          alsus einer wider den andern sprach.
          der ein in die glocken sach
          und sach, daz ein nâter lanc
          sich an den klechel swanc;
          dâ von muost diu glock klingen.
          dâ mit begunden si dringen
          hin wider für den künic guot.
          ‘ist ieman dem man schaden tuot,’
          sprach der künic, ‘den heiz her gân,
          ich wil im gerihts niht ab gestân.’
          die hüeter jâhen im zehant:
          ‘herr, uns ist daz wol bekant,
          daz bî der glocken ist nieman,
          wan ein nâter wir funden hân,
          diu swingt sich umb den klechel grôz
          und tuot der glocken manigen stôz.
          ez ist ein griulich kunder.’
          ‘daz ist gotes wunder,’
          sprach der künic Karl dô.
          ‘si mac sîn trûric und unfrô,
          wan ir mac sîn leit geschehen,
          des si mir wil gar verjehen.
          tuot ûf die tür, lât sie her in,
          ich muoz besehen reht ir sin.
          waz got schaffen well mit ir,
          daz hân ich besehen schier,
          und wie ez hie mit ir gevar,
          des süllen wir nemen war.’
                                                                       [nach oben]
           

          [26481-26510]

          Dô gie diu nâter freissam
          von der glocken ân scham
          und kêrt gên der tür hin.
          der künic hiez sie lâzen in.
          er sprach: ‘waz tuot diu nâter lanc?
          si hât ein eislîchen ganc.’
          dô sagten im die herren rîch:
          ‘si gêt gên iu sicherlîch.’
          do verbôt der künic den liuten daz,
          daz si ir iht trüegen haz
          noch ir nieman leit tæt.
          daz gebot beleip an ir stæt.
          der künic zuo den sînen sprach:
          ‘der nâter tuot niht ungemach,
          dhein mensch vor mir.
          ir herren sagt mir schier,
          waz disiu nâter tuo!’
          ‘si gêt gên iu iezuo
          und leit sich nider an den vuoz,
          für wâr ich iu daz sagen muoz.’
          dô sprach der künic rîch:
          ‘si gert genâden sicherlîch
          und wil, daz ich ir rihte
          und iren kumber slihte.’
          er sprach: ‘dir sol geboten sîn,
          daz dû mir zeigst den kumber dîn.
          bî got, dem niht verborgen ist,
          tuo mir bekant dînen list,
          waz dir leides werre,’
          alsô sprach der herre.
                                                                       [nach oben]
           

          [26511-26532]

          Diu nâter gie von im her dan.
          dô sant er nâch ir vier man,
          daz si besæhen daz wunder,
          waz ir wær besunder.
          des begunden si warten:
          si gienc in einen boumgarten,
          in ein dick stûdach,
          dâ sie nieman inne sach.
          daz zervuorten die man,
          die dar wârn gegân
          mit ir, daz si sehen wolden,
          waz si dem herren sagen solden.
          dô sâhen si ein kroten breit.
          daz was der nâtern leit,
          wan si ob irn eiern lac.
          der kroten tet man mangen slac
          und brâht sie für den künic hin.
          daz was der nâtern gewin.
          der künic riht ir zehant.
          einen spiez man durch sie verswant.
          daz schuof der künic Karl guot.
          des wart diu nâter wolgemuot.
                                                                       [nach oben]
           

          [26533-26550]

          Swie gewaltic der selb künic was,
          als ich an dem buoch las,
          doch kund sîn bot manicvalt
          understên niht den gewalt,
          als ich für wâr gesprechen mac,
          daz er nie den widerslac
          kund in der werlt verbieten.
          die wîsen im dô rieten,
          er solt den widerslac understân;
          des moht wærlîch niht ergân.
          uns ist vil lützel bekant
          wærlîch in dem Ôsterlant
          der reht sint niur zwei:
          man gît zwô nâdel umb ein ei.
          man gît umb einen pfenninc –
          daz ist ein wârez dinc –
          zwên helbling, sint si guot.
          dar an nieman schaden tuot.

          [26551-26580]

          Ich kan iu wærlîch niht verdagen,
          von einem künig wil ich iu sagen,
          der was geheizen Salatîn.
          zwâr der kund niht milter gesîn:
          er gap ros und gewant,
          sô man si best veil vant.
          silber, golt, edel gestein
          gap er allez gemein.
          sîn milt sich niht vor êren spielt,
          wan er niur einen tisch behielt.
          der was ein safir grôz,
          daz nieman vant sînen genôz,
          bezzer dann ein rubîn.
          dhein hort kund niht bezzer sîn
          wan der selb tisch was.
          sîn leng ich geschriben las:
          er was drîer ellen lanc.
          zuo dem tisch was manic gedranc
          dô man in für den fürsten truoc
          sô hêt er schouwær genuoc.
          sîn wît wil ich iu mezzen,
          des mac ich niht vergezzen,
          wan er was an der selben zît
          wol zweier dûmellen wît.
          sîn tischgestell was von golt,
          als ez got wünschen solt.
          sô rîchen nieman gesach,
          als es manic fürst jach.
          swer disen tisch, den stein erkant,
          er sprach: ‘ich næm in für ein lant.’
                                                                       [nach oben]
           

          [26581-26600]

          Der herr was milt, als man im jach;
          sô miltez herz nieman sach,
          sô er hêt in dem lîb sîn,
          und tet daz mit werken schîn,
          wan vor milt im niht beleip.
          den hort er allen von im treip.
          ich sag iu allen sîn gelt,
          daz er in steten und in velt
          hêt vil sicherlîche,
          der edel künic rîche,
          zehen tûsent unz goldes rôt.
          dâ bî leit er grôz nôt
          und gebresten von der miltikeit,
          wan grôzer gâb was er bereit:
          er verseit sîn gâb nieman,
          für wâr ich iu daz sagen kan.
          sîn gâb er milteclîch tet,
          nieman verzêch er sîner bet,
          wan milter herz wart nie gesehen,
          des muoz ich von schulden jehen.
                                                                       [nach oben]
           

          [26601-26676]

          Swie milt der selb herr was,
          doch wart er siech und niht genas.
          dô im diu krancheit wart bekant,
          nâch guoten meistern er dô sant
          und hiez si sînen brunnen sehen.
          si begunden all jehen,
          daz er sicher niht möht genesen,
          er müest wærlîch tôt wesen.
          dô wart er alsô sêr gekleit:
          frouwen, ritter unde meit
          klagten niht eine,
          daz volc gar gemeine
          hêt umb in ein sölich klagen,
          daz ich ez nimmer kan gesagen.
          dô der frum heiden
          gesach, daz er solt scheiden
          von êr unde von guot,
          dô wart trûric sîn muot,
          wan sîn leben wolt im leiden.
          er sprach: ‘sol ich nû scheiden,
          sô muoz ich verjehen,
          wie sol mîner sêl geschehen?
          wer sol der pflegend sîn,
          so si scheidet von dem lîb mîn?
          wer pfliget ir dann dâ ze stet?
          sol ich sie dann Machmet
          enpfelhen, daz ist der kristen spot,
          die jehent, daz ir herr got
          sî sterker dann Machmet;
          alsô ieglîch kristen ret.
          sô ist mir daz wol bekant,
          daz die juden zehant
          jehent, daz ir got sterker sî.
          welher under den drîen mich sorgen frî
          macht, dem wil ich mîn sêl lân
          und disen zwein ab gestân.
          nû ist leider diser strît
          under juden, kristen ze aller zît.
          die heiden jehent sîn ouch niht.
          daz ist ein jæmerlîch geschiht.
          ôwê west ich diu mære,
          welher der tiurst wære,
          dem wolt ich mînen tisch geben
          ân aller hand widerstreben.
          sît ich den rehten niht enwizzen kan
          und ich ir aller zwîfel hân,
          sô wil ich den edeln stein
          in teilen gemein,
          ich mein den tisch der dâ ist mîn;
          zwâr der muoz ir drîer sîn.’
          den tisch hiez er für sich tragen.
          daz kan ich iu für wâr sagen,
          ein bîl dâ bereitet wart.
          dô wart niht lenger gespart,
          den tisch hiez er mit heil
          teilen in driu teil.
          daz ein teil gap er ze stet
          sînem got Machmet,
          daz ander teil ân spot
          gap er durch der kristen got:
          daz dritt teil gap er gar
          für der juden got zwâr.
          er sprach: ‘swelher sterker sî,
          der muoz mich tuon sorgen frî,
          wan ich niht bezzers wizzen kan.’
          alsô sprach der frum man:
          ‘und sî daz got der heiden
          gewaltic sî, der müez mich scheiden
          von mînem ungemach gar,
          swenn mîn sêl von hinnen var;
          sî aber der kristen got
          gewaltic, der helf mir ûz nôt;
          sî aber got der juden rîch
          gewaltic sicherlîch,
          der müez mich niht von im verlân.’
          dâ mit diu sêle schiet von dan.
                                                                       [nach oben]
           

          [26677-26696]

          Nû süllen wir ân schande
          von der Riuzen lande
          von dem künig heben an,
          wie der dar nâch rîchsen began.
          er was gewalticlîch starc;
          er het goldes, silbers manic marc.
          er hêt ein schœn wîp,
          diu was im liep sam der lîp.
          dâ bî hêt er ein tohter guot,
          der was er frô und wolgemuot.
          si was sô schœn, daz ist wâr,
          daz man nindert offenbâr
          vinden moht irn gelîch.
          des muotes wart si alsô rîch,
          daz si keinen man wolt nemen,
          wan der ir ze man möht gezemen.
          diu tohter dem vater liep was,
          daz er vor freuden kûm genas,
          sô er sie ane sehen solt.
          sîn herz, sîn lîp was ir holt.
                                                                       [nach oben]
           

          [26697-26730]

          Dô er alsô ân wîp was,
          als man von dem künig las,
          dô giengen zuo die herren sîn.
          si sprâchen: ‘lieber herre mîn,
          sol ditz lant verderben
          alsô, daz ir sült sterben,
          daz wir niht haben von iu ein kint,
          dem lant und liut gemein sint
          vil genzlîchen undertân?
          süllen wir gebresten hân,
          daz kumt dâ von, daz iuwer lîp
          niht wil haben ein wîp.’
          des antwurt der künic zehant:
          ‘ez muoz immer daz lant
          von mînen schulden ân erben sîn,
          ich müg dann haben ein megedîn,
          diu mîner tohter sî gelîch,’
          alsô sprach der künic rîch.
          die herren sprâchen zehant:
          ‘sô süllen wir boten in diu lant
          senden sicherlîche,
          ob ieman ir gelîche
          müg vinden ein schœne magt,
          diu mînem herren behagt,
          sît ez mac anders niht gesîn.’
          si santen boten zuo dem Rîn
          und in diu lant gemein.
          dâ vant man nindert ein,
          diu irm antlütz wær gelîch.
          daz sagt man dem künig rîch,
          daz man gelîch niht vund irm lîp.
          ‘sô wil ich immer âne wîp
          sîn,’ sprach der künic guot,
          swie daz lant werd behuot.’
                                                                       [nach oben]
           

          [26731-26774]

          Dô wurden die herren ze râte dô,
          ê si beliben ân herren alsô,
          si solden ê zuo dem bâbste kêrn
          und in mit gold, mit silber êrn,
          daz er dem künig erloubt daz,
          daz er die tohter âne haz
          næm zuo einem wîbe,
          daz von ir beider lîbe
          got sie eines kinds beriet,
          daz daz lant nâch im hiet.
          des volgt in der bâbst dô,
          wan er des schatzes was frô,
          daz man im gap silber und golt,
          dâ von er was dem künig holt
          und erloubt im sicherlîch
          ze nemen sîn tohter wunneclîch.
          dô die boten kâmen,
          und der künic, die Riuzen vernâmen,
          daz er die tohter solt nemen mit reht,
          des freuten sich ritter und kneht.
          der künic was herzenlîchen frô,
          wan er sant nach den fürsten dô
          und nâch sînen mâgen,
          und begundz in allen sagen,
          daz im erloubt wære
          sîn tohter âne swære
          nemen ze einem wîbe;
          irn êren und irm lîbe
          solt er pflegen als er kan.
          ‘der bâbst hât mir kunt getân,’
          begund er in dô verjehen,
          ‘an mîner sêl dâ sol niht geschehen
          von der geschiht dhein leit;
          alsô hât mir der bâbst geseit.’
          die herren begunden all jehen:
          sô möht ez wol mit reht geschehen;
          sît ez der bâbst erloubet hât,
          sô wær ez ân missetât.
          die herren begunden aber jehen:
          sô möht ez wol mit reht geschehen,
          wan ez der bâbst erloubt hiet.
          er sprach: ‘sît mich got ie beriet
          der schœnen tohter mîn,
          sô möht mîn freud niht grœzer sîn.’
                                                                       [nach oben]
           

          [26775-26816]

          Dâ mit er ûz in diu lant
          manigen frumen boten sant,
          daz man im rîchiu kleider brâht,
          wan er hêt im des gedâht,
          daz er gæb rîchiu kleit
          al den sînen. als man seit,
          der tohter sîn hiez er geben
          ân aller hand widerstreben
          von pfeller und von sameît
          gap er ir diu rîchsten kleit,
          diu ie dhein frou an getruoc;
          zwâr si wârn rîch genuoc.
          noch was der juncfroun unbekant,
          daz si iren vater zehant
          solt nemen ze einem mann dâ.
          si wânt, er wær anderswâ,
          der ir ze mann solt gezemen,
          unde den si solt nemen.
          dô seit man ir daz mære,
          daz ez ir vater wære.
          des wart si trûric und unfrô.
          in ir kemnâten gie si dô
          und nam ein scharf schære.
          si sprach: ‘mir ist unmære
          mîn schœnez hâr daz ich hân
          und sol mîn vater sîn mîn man.’
          daz hâr si von dem houbt sneit,
          ir guot gewant daz was ir leit:
          daz zôch si ab irem lîp,
          daz selb wolgetân wîp.
          einen grâwen roc leit si an sich.
          si sprach: ‘wærlîch nû, ich wil mich
          machen als ein schem gevar.’
          si zerkratzt ir antlütz gar,
          daz ir daz bluot ze tal ran.
          alsô begund si her für gân
          für die fürsten âne zal,
          daz si sie sæhen überal.
          dô si sie dâ sâhen,
          gemeinclîch si dâ jâhen,
          si wær dem tiuvel gelîch,
          diu ê was schœn und wunniclîch.
                                                                       [nach oben]
           

          [26817-26842]

          Dô ditz ir vater ersach,
          wider sich selber er dô sprach:
          ‘herre, waz mac ditz gesîn?
          waz wirt der schœnen tohter mîn,
          daz si ist alliu bluotvar
          über ir antlütz gar?’
          den fürsten si alsô geneic.
          ir vater hinder sich seic
          vor leid und vor ungemach.
          do er widerkam, gên in er sprach:
          ‘ir herren, vart heim ze lande:
          mîn tohter diu hât schande
          an mich geleit vil sêre.
          sô wil ich nimmer mêre
          erwinden, ir müez wê geschehen
          des wil ich vor iu allen jehen.’
          ein vaz er hiez bereiten drât,
          daz was gên der naht spât,
          und hiez si verslahen schier.
          daz guot gewant leit man zuo ir
          und liez sie rinnen als ein wîp,
          diu gar hiet einn verschamten lîp.
          er sprach zuo sînem marschalc guot:
          ‘si muoz deun den kraz, daz bluot,
          daz si umb sust hât getân;
          des muoz si wol ze buoz stân.’
                                                                       [nach oben]
           

          [26843-26863]

          Dô der marschalc daz erhôrt,
          des küniges red an ein ort,
          dô sprach er: ‘liebiu juncfrou mîn,
          ir müezt sô gar verstôzen sîn
          in disem vaz. mîn herr hât
          geschaffet, daz ich ez tuo drât.’
          diu juncfrou sprach trûriclîch:
          ‘ê daz ich in mînes vater rîch
          wær gewesen sîn wîp,
          zwâr ich wil ê mînen lîp
          verliesen, wan ez nie geschach,’
          alsô si wider den marschalc sprach;
          ‘wan von kristen nie dhein man
          sîn kint ze wîb gewan.’
          in daz vaz man sie twanc.
          ir kleider wît unde lanc
          leit man zuo ir, diu wârn rîch.
          ‘herr got, mir niht entwîch!’
          sprach si, ‘wan dû bist sô guot.’
          man stiez sie ûf des wâges fluot.
          dâ mit si von dannen ran.
                                                                       [nach oben]
           

          [26864-26916]

          Diu selb magt wolgetân
          diu ran ze Kriechen in daz lant.
          daz wart dem künig wol bekant,
          wan er stuont bî dem mer zwâr.
          er sprach: ‘tuo war, waz dort var
          in des wâges fluot,’
          sprach er zuo einem vischer guot.
          der vischer fuor dem wâge nâch,
          als der künic gegen im sprach.
          als er daz vaz swebent vant,
          er fuort ez mit im an daz lant.
          dô sprach der künic rîch,
          vil gar gewalteclîch:
          ‘besehet, lieben knappen mîn,
          waz in dem vazz müg gesîn.’
          die selben ez ûf sluogen gar
          und nâmen in dem vazz war.
          dâ sâhen si ein schœn meit,
          diu was rein und unverzeit.
          die selben maget si viengen.
          für den künic si giengen
          vil balde und vil schier.
          ir kleider truogen si mit ir.
          der künic wider sie dô sprach:
          ‘wer tet iu disen ungemach,
          daz ir gevangen sît gesant
          her zuo mir in ditz lant?’
          si sprach: ‘der ez hât getân,
          zwâr ich den niht genennen kan:
          ez hât getân mîn unheil,
          daz ich dem wazzer wart ze teil.’
          er sprach: ‘sagt mir, sît ir ein magt?
          daz sol von iu sîn unverdagt.’
          diu juncfrou sprach wunniclîch:
          ‘daz weiz got von himelrîch,
          daz ich nie dheinen man
          bî mînem leben gewan
          noch nimmer gewinnen wil,
          wan ich hân nôt alsô vil
          erliten,’ sprach diu juncfrou guot,
          ‘als ir mich ûf des wazzers fluot
          sâhet her zuo iu fliezen.
          wolt iuch sîn niht verdriezen,
          ich klagt iu mînen kumber schier,
          wolt ir ez gelouben mir,
          wan daz ez wær ein kintheit,
          ob ich iu mînen kumber kleit.’
          der künic zühticlîchen sprach:
          ‘mir ist vil leit dîn ungemach.
          an iuwern kleidern ich wizzen sol,
          daz ir sît edel und guot wol:
          ir habt fürstlîchiu kleit,’
          alsô er der junkfroun seit.
                                                                       [nach oben]
           

          [26917-26928]

          Dâ mit er sie behielt.
          ir tugent sich niht enspielt.
          si was bî im, daz ist wâr,
          völliclîch ein halbez jâr,
          daz si nie getet, des si hiet scham.
          dar nâch sie der künic nam
          ze einer konen êlîch,
          als ez wolt got von himelrîch.
          dô stuont ez unlanger,
          eins kindes wart si swanger,
          als ez got selber wolde,
          und als ez wesen solde.
                                                                       [nach oben]
           

          [26929-26952]

          Der künic ein muoter hêt zwâr,
          diu was bitter gar,
          als noch diu übeln wîp sint:
          si müezen werden all blint!
          die niht wellent guot sîn,
          man sol si trenken in dem Rîn
          und dar in versenken:
          des muoz ich ir gedenken.
          des küniges muoter ûz Kriechenlant
          diu was mit übel wol erkant,
          dâ von der frouwen ungemach
          vil dick dâ von ir geschach,
          wan si zuo dem künig sprach:
          ‘dû soldest billîch ungemach
          lîden umb die hîrât dîn.
          man solt dich werfen in den Rîn
          und dar in versenken
          und dich ze tôd ertrenken,
          hâst dû genomen ein bœsez wîp.
          wie kan diu gezemen dînem lîp?
          ich sag dir daz für vol,
          mit ir sô kan ich nimmer wol
          geleben unz an mînen tôt.
          ich tuon ir hie vil grôz nôt.’
                                                                       [nach oben]
           

          [26953-26966]

          Dô daz der künic erhôrt und sach,
          wider den marschalc er dô sprach:
          ‘lâ dir von mir enpfolhen sîn,
          nim die alten muoter mîn
          ûf ein burc verr hin dan.
          jâ hât si leides vil getân
          der lieben hûsfrouwen mîn.
          lâ sie verr von uns sîn,
          dâ ichs niht hœr noch müg gesehen.’
          alsô begund der künic jehen.
          dô der marschalc erhôrt
          des küniges red und sîn wort,
          dô fuort er sie balde dan
          ûf ein burc wol getân.
                                                                       [nach oben]
           

          [26967-26996]

          Ze den zîten was ein künic balt
          geriten mit gewalt
          in daz lant ze Kriechen,
          und macht dâ mangen siechen,
          die wund lâgen in den tôt,
          daz si liten grôze nôt.
          dô wart dem künig geseit.
          der hiez ouch unverzeit
          ruofen zehant hervart.
          dô wart niht lenger gespart,
          daz sült ir wol gelouben mir,
          mit her leit er sich gên im schier
          an einem wazzer, daz was breit.
          dâ lâgen diu her unverzeit
          beid gegen einander. –
          dô wart diu frou swanger,
          diu künigin ûz Kriechenlant.
          einen brief si dem künig sant
          nâch des marschalkes rât,
          als ir frümkeit wol an stât.
          der brief dô geschriben wart.
          der bot huop sich ûf die vart.
          geschriben was dar an zwâr,
          daz si ein kint offenbâr
          hêt gewunnen mit liehtem schîn,
          daz nimmer schœner möht gesîn.
          ein degenkint wær ez ze reht,
          ez wær ritter oder kneht,
          allen liep, sô frum ez wær.
          der brief solt sagen dem künig diu mær.
                                                                       [nach oben]
           

          [26997-27026]

          Dô der bot von dannen schiet,
          sîn reis zuo der frouwen geriet,
          des küniges muoter ûz Kriechenlant.
          wærlîch tet er ir bekant,
          daz er fuort dem künig zwâr
          einen brief offenbâr.
          er sprach: ‘liebiu frouwe mîn,
          mir sol niht versagt sîn
          iuwer werdez botenbrôt:
          mîn frou ist genesen von ir nôt
          und hât ein schœn degenkint.
          swâ friunt unde mâg sint,
          die süllen des werden freuden rîch.
          ez ist ein kint wunneclîch.
          mîn herr mac mich zwâr
          von mîner armuot gar
          scheiden und von mîner nôt.
          er gît mir rîchez botenbrôt.’
          daz übel wîp wider in sprach:
          ‘wæn mir lieber nie geschach!
          ich wil dir helfen ûz der nôt
          und wil dir geben daz botenbrôt,
          so dû kümst von dem sun mîn;
          dîn armuot sol verswunden sîn.’
          si macht in trunken, daz ist wâr,
          und hiez im sanft betten dar.
          den rehten brief si im stal.
          daz selb si vor den liuten hal.
          einen andern brief si im leit
          in sîn briefvaz weît.
                                                                       [nach oben]
           

          [27027-27060]

          Des morgens dô der tac ûf brach
          und daz er den schîn sach,
          dô huop er sich drâte,
          daz er niht kæm ze spâte,
          und îlt von dannen zehant,
          dâ er den werden fürsten vant.
          dô er den herren an sach,
          vil zühticlîch er zuo im sprach:
          ‘iu enbiut mîn frou hôchgemuot
          iren willen und iren dienst guot
          und hât iu disen brief gesant
          und der marschalc von dem lant.
          den brief er dâ lesen hiez,
          als in sîn frümkeit tuon liez.
          an dem brief geschriben was,
          den man im vor der hütten las:
          der marschalc enbiut iu, herre,
          daz ein grôzer werre
          ist worden in iurm lande,
          des müezt ir haben schande.
          einen tiuvel hât mîn frou getragen,
          daz wil ich iu für wâr sagen,
          ez ist gestalt als ein schem.
          ein tiuvel ez schier hin nem!
          ir müezt mit im haben schant,
          und kœmt ir immer in daz lant,
          sô mügt ir niht belîben.
          heizt sie von hinnen trîben.
          des habt ir frum und êr,
          oder ir müezet herzensêr
          lîden unz an iuwern tôt.
          alrêst sô hebt sich iuwer nôt:
          ez ist sô eislîch getân,
          ez getar nieman sehen an.
                                                                       [nach oben]
           

          [27061-27084]

          Zehant dô der herre
          erhôrt disen werren,
          do gewan er grôzen ungemach.
          wider sînen schrîber er dô sprach:
          ‘schrîp snelliclîche
          mînem marschalc rîche,
          wan er den brief seh an,
          daz er des niht lâz understân,
          er slah die hûsfrouwen mîn
          in ein vaz eichîn,
          als si mir ê wart bekant,
          und send sie ûz in diu lant
          vil balde und vil schier,
          daz kint leg zuo ir,
          daz eislîch ist getân.
          wil er mîn botschaft übergân,
          und er daz niht tuot zehant,
          er muoz mir rûmen daz lant;
          und ist daz ich sie vinde,
          des ich nimmer erwinde,
          er müez mir lân den lîp sîn;
          daz hab er ûf den triuwen mîn.
          vind ich kint oder wîp,
          zwâr ez gêt im an den lîp.’
                                                                       [nach oben]
           

          [27085-27116]

          Der bot îlet drât,
          als er in rîten bat,
          und fuort den brief dem marschalc guot;
          des wart trûric dô sîn muot.
          dô er den brief dâ gelas,
          wie reht trûric er dô was,
          daz kan iu nieman gesagen.
          sîn lîp begund verzagen.
          des vorht er des küniges zorn,
          daz sîn lîp wær verlorn,
          ob er nû daz liez,
          daz sîn herr tuon hiez.
          ein vaz gewan er drât.
          die frouwen er weinend bat,
          daz si im vergæb daz,
          er müest sie slahen in ein vaz;
          des möht kein rât sîn.
          si sprach: ‘wem sol das kindlîn
          belîben? daz solt dû mir sagen.’
          er sprach: ‘man sol ez ouch tragen
          zuo iu in daz eichîn vaz;’
          doch er des weinens niht vergaz.
          dô sprach diu frou wolgetân:
          ‘daz ich die huld verlorn hân
          und mînes herzen swære,
          west ich, wannen daz mære,
          von welhen sachen ez wær geschehen,
          der mir des wolt ein wênic verjehen –
          ich hiet mich ê geleit in ein suht,
          ê ich dhein unzuht
          hiet an ihtiu begân –,
          ich kund ez vil wol understân.’
                                                                       [nach oben]