JANS DER ENIKEL, Weltchronik.
    Seite 23: Virgilius

    Nach der Ausgabe von Philipp Strauch.
    Digitalisiert von Angus Graham.
    Seite erstellt von Graeme Dunphy.

    Seite  enthält die Abschnitte:

       
         
           
          [23025-23038]
          [23039-23052]
          [23053-23100]
          [23101-23130]
          [23131-23156]
          [23157-23190]
          [23191-23212]
          [23213-23268]
          [23269-23314]
          [23315-23330]
          [23331-23384]
          [23385-23432]
          [23433-23436]
          [23437-23452]
          [23453-23470]
          [23471-23510]
          [23511-23562]
          [23563-23590]
          [23591-23648]
          [23649-23678]
          [23679-23694]
          [23695-23710]
          [23711-23764]
          [23765-23778]
          [23779-23808]
          [23809-23830]
          [23831-23876]
          [23877-23888]
          [23889-23914]
          [23915-23950]
          [23951-23960]
          [23961-23970]
          [23971-24000]
           
           
           
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          [23025-23038]

          Des meisters sun hiez er dar gân.
          er sprach: ‘dû solt niht sehen an
          mich mit den ougen dîn.
          zwâr dû muost mir vînt sîn,
          daz ich dînen vater ertśtet hân.
          des muost dû blinter für mich gân.’
          zehant er ein messîn becke
          hiez glüen alsô kecke,
          daz ez wart alsô fiuwerrôt.
          Nerô dem kinde gebôt,
          ez sæch in des beckes schîn.
          des muost ez dâ blint sîn,
          wan im diu ougen wurden glas.
          da von Nerô verfluochet was.
                                                                         [nach oben]
           

          [23039-23052]

          Der selb verfluochet Nerô,
          der gedâht im alsô
          mit herzen und mit sinne:
          ich muoz des werden inne
          und mir mîn ougen geben schîn,
          wâ ich in der muoter mîn
          si gelegen, des muoz ich spehen
          und mit mînen ougen sehen.
          des wil ich niht vermîden.
          die muoter hiez er snîden
          und sach dâ er gelegen was;
          in dem buoch ich ez las.
          daz was ein unrein sit,
          doch volget er im gern mit.
                                                                         [nach oben]
           

          [23053-23100]

          Dar nâch sant er drât
          in daz lant und in die stat
          nâch meistern und nâch arzât.
          der kômen zwên und sibenzic drât.
          er sprach: ‘lât iuch niht betrâgen:
          dâ wil ich iuch frâgen,
          ob ir möht gemachen
          mit seltsænen sachen,
          daz ich ein kint gebern solt.
          ich gæb iu silber unde golt,
          wan an nie dheinem man
          wær daz wunder ergân.
          ich wolt versuochen wîplîch swær
          ein frou diu ein kint gebær.’
          des antwurten gemein
          der meister ieslîcher ein,
          ez wær wîplîch und unreht,
          daz weder man noch kneht
          * * *
          sprach der herr zehant:
          ‘ir müezt mir lâzen hôhiu pfant:
          ich mein, iuwer aller leben
          müezet ir mir dar umb geben,’
          und hiez si vâhen an der stat.
          in einen karker drât
          hiez er si werfen zehant.
          ‘iur houbt lât mir hie ze pfant’
          sprach der künic Nerô.
          des wurden die meister vil unfrô.
          die meister trahten zehant,
          wie si lôsten iriu bant
          gegen dem künig Nerô.
          der ein sprach: ‘ich wil machen vrô
          den künic Nerô hie ze stet.’
          also er gegen sînen gesellen ret.
          ‘ich rât, daz man im mâche
          von seltsænen sachen
          ein tranc nâch sînem gebot,
          alsô daz in im werd ein krot
          und wahs, sô wænet er zwâr,
          er hab in sînem lîb gar
          ein kint; des hât er guoten sin.
          sô diu krot kratzt in im,
          sô wirt er an den sinnen blint,
          wan er wænt, er trag ein kint.
          daz getranc kan ich machen
          von seltsænen sachen.
          sô mügen wir werden von im getrôst
          und von sorgen erlôst.’
                                                                         [nach oben]
           

          [23101-23130]

          Zehant si hiezen zuo im gân
          einen getriuwen man,
          der pflac des karkære.
          si sprâchen: ‘unser swære
          wellen wir niht lenger hie hân.
          wir biten iuch zuo dem herren gân.
          ob er sîn niht welle enbern,
          sprechet, wir wellen in gewern
          und wellen [im] mit sachen
          ein kint in im machen,
          daz er trag nâch allem reht:
          im wirt ein diern oder ein kneht.’
          dô der guot und der gewær
          pflegær des karkær
          dise red von in gewan,
          er gie zuo sînem herren dan
          und seit im mit vorhticheit,
          als im der meister hêt geseit.
          des selben was her Nerô
          von herzen alsô reht vrô.
          doch sprach er: ‘ir trugheit
          diu ist mir von herzen leit.
          ich lâz si nimmer ledic vrî,
          swie nôt mir nâch dem kinde sî.
          ich wil niht erwinden,
          ich muoz des kindes enphinden,
          oder ich lâz si nimmer;
          si müezen gevangen immer
          sîn, unz daz ich werde gewar,
          daz ich daz trag offenbar.’
                                                                         [nach oben]
           

          [23131-23156]

          Die meister an der stat
          machten daz getranc drât
          und gâben im daz ze niezen.
          si liezen ez in in fliezen.
          dâ von sô wuohs ein krot wît
          in sînem lîb an der zît.
          dô si gewuohs ûf die vart,
          daz si in im grôz wart,
          do begund si sich rüeren
          und im sîn lebern zerfüeren.
          dô wart der künic Nerô
          des kindes von herzen vrô.
          er hiez die meister lâzen
          ûf stegen und ûf strâzen.
          er gap in allen rôtez golt.
          er sprach: ‘ich bin iu von herzen holt,
          iu allen samt gemeine.
          iur meisterschaft ist reine.
          des swuor ich für iuch hart schier:
          daz kint rüeret sich in mir.’
          die meister man dâ alle lie.
          ieslîcher reit oder gie
          vil schôn von dem lande,
          von dem si hêten schande
          erliten, wan si wâren kluoc.
          si westen wol daz er ein kroten truoc.
                                                                         [nach oben]
           

          [23157-23190]

          Dar nâch vil unlanc
          den künic diu krote twanc,
          daz er nâch was tôt.
          den meistern er ze samen gebôt.
          si hêten sich mit sorgen
          ûz dem land verborgen.
          dô man der meister niht vant,
          dô muost er in fremdiu lant
          senden nâch meistern guot.
          des wurden si vil wol gemuot.
          dô die selben arzât
          kômen ze Rôm in die stat,
          dô seit man in diu mære,
          wie ez ergangen wære.
          die arzât sprâchen zehant:
          ‘uns ist daz wol bekant,
          wir müezen in dem urinâl
          morgen sehen über al,
          wie der kinttraht sî,
          sô tuon wir in sorgen frî
          des sol er uns wol gunnen
          morgen vor der sunnen
          sehen schôn den brunnen sîn.’
          si sprâchen: ‘lieber herr mîn,
          wir sagen iu daz offenbâr,
          daz ir ein kroten traget zwâr.
          des wellen wir vor iu niht verheln.
          welt ir, daz wir sie von iu steln,
          daz tuon wir hie odr ir sît tôt.’
          doch twanc den künic grôz nôt,
          er sprach: ‘jâ, durch den willen mîn,
          ich wil iu holt mit triuwen sîn
          und wil iu lîhen unde geben
          ân aller hande widerstreben.’
                                                                         [nach oben]
           

          [23191-23212]

          Die meister dâ mit sachen
          begunden ein tranc machen
          und gâben im daz ze niezen.
          si liezen ez in in fliezen.
          zehant dô er daz tranc genam,
          diu krote schôn von im kam.
          zehant man den künic leit
          an ein bette daz was breit.
          man pflac sîn, daz er wol genas.
          dô er dô bekomen was,
          dô frâgt er der mære,
          wâ sîn kint wære.
          daz truoc man im für an der stat.
          ein ammen man mit flîz bat,
          daz si im zuge daz selb kint.
          sehzic schâf und ein rint
          gap man ir ze miete,
          daz si ez schôn hiete.
          dô sprach der künic Nerô:
          ‘amme, ir sült wesen vrô.
          ich mach iuch sicherlîche
          vil gar ân mâzen rîche.’
                                                                         [nach oben]
           

          [23213-23268]

          Der künic hêt der fürsten kint,
          die ze Rôm hśrent sint,
          diu wârn sîn gîsel, daz ist wâr,
          aller fürsten kint gar,
          die hie dishalb meres wâren
          bî den selben jâren.
          dar nâch der künic sant ûz wît
          und macht ein schśne hôchzît.
          er gebôt allen künigen dar,
          daz sagt uns daz buoch für wâr,
          der kint dâ gîsel wâren,
          die muosten zuo im varen.
          si wæren nâhen oder wît,
          si muosten zuo der hôchzît.
          enhalp der Tîfer ûf daz velt
          sluogen si schôn ir gezelt.
          zwên und sibenzic oder mêr
          kômen der künig hêr.
          daz muosten si tuon umb diu kint,
          diu ze Rôm gîsel sint.
          dô hiez der künic Nerô
          bereiten einen wagen dô,
          der was aller silberîn.
          die schîben wâren guldîn
          und daz geriht gemeine.
          mit edelm gesteine
          was daz geriht beleit.
          ein kobel lanc unde weît
          muost ob dem wagen sîn
          von einem guoten baldekîn.
          daz kleit daz diu amme truoc,
          daz was hêrlîch genuoc
          von samît grüen als ein gras.
          von gold dar ûf geslagen was
          aren, als si lebten;
          vil ir dar umb swebten.
          ein hirz, der was alsô zam –
          ûz sînem hof er in nam,
          wan er was schśn genuoc –,
          er fuort die ammen guot
          und die kroten, Nerônis sun.
          den gîseln hiez er kunt tuon,
          daz si des niht vergæzen,
          so da sîn sun [und] diu amme sæzen,
          daz si der pflægen gemeinclîch,
          diu edeln kint alsô rîch.
          Nerô begund in vor sagen,
          ez solt nieman an den wagen
          grîfen dâ sîn kint ûf wær
          oder ez wurd im swær.
          swer niht von fürsten art
          dar zuo geborn wart
          unde an den wagen griff,
          sîn houbt im von dem lîb sliff.
          ez wær billîch und reht.
          sîn sun wær ein edel kneht.
                                                                         [nach oben]
           

          [23269-23314]

          Der wagen dâ bereitet wart.
          man fuort in schôn ûf die vart,
          ûf die bruck, daz was reht.
          dâ gie manic edel kneht
          allez neben dem wagen hin.
          zwâr daz was des küniges sin.
          der hirz den wagen zôch zwâr
          mitten ûf die bruck gar.
          er hêt umb den hals sîn
          einen komat von baldekîn.
          der wagenkneht hêt rîchiu kleit –
          des was er frô und gemeit –
          von scharlach wîz unde rôt,
          als im der künic dâ gebôt.
          do si kômen ûf di bruck gevarn
          allez bî den selben jârn,
          do begund diu krot dringen,
          wan si hôrt singen
          ander ir hûsgenôz
          in einer lachen grôz.
          dô hupft si ûf den leiterboum.
          des nam diu amme dô niht goum.
          si fuor dô nider hin ze tal
          in daz wazzer âne schal,
          in die tief, als si wolde,
          wan si dâ wesen solde.
          daz wart dem künig geseit.
          ez was im von herzen leit.
          sîn knappen sach er vor im stân.
          er sprach: ‘zuo dem wagen sült ir gân,
          als ich iuch nû wil lêrn.
          heizet in umbe kêrn.
          und heizt si füern in die stat,
          daz ist mîn will und mîn rât;
          und vâhet diu fünfzic kint zwâr
          und heizet si enthoubten gar,
          daz si mînes sunes pflâgen niht.’
          daz was ein jæmerlîch geschiht.
          diu kint enthoubt man zehant.
          die ammen man ûf ein rat bant.
          ir gebein hiez man zerstôzen
          mit starken redern grôzen.
          der wart der tôt dâ funden drât,
          daz man si sazt ûf ein rat,
          als man hiut di mordær tuot.
          ez was der ammen dhein guot.
                                                                         [nach oben]
           

          [23315-23330]

          Dô daz die künig vernâmen
          und in diu mær kâmen,
          daz diu kint enthoubt wârn,
          do begundens jæmerlîch gebârn,
          ieslîcher umb sîn eigen kint.
          si sprâchen: ‘all die nû sint,
          juden unde heiden,
          die helfen uns scheiden
          den künic von dem lîb sîn
          umb unser kleiniu kindelîn.
          ez ist ein jæmerlîch mort geschehen
          an unsern kinden, diu müez wir sehen
          alsô tôte vor uns ligen.
          doch wir dem künig an gesigen
          und in an êren letzen!’
          si begunden sich wider setzen.

          [23331-23384]

          Zehant der künic Nerô sant
          wîten ûz in diu lant
          sînen marschalc guot.
          er sprach: ‘ich trag dir holden muot.
          brinc uns liut ein michel kraft,
          daz wir iht werden sigehaft.
          lâ mich des geniezen:
          ich lie mich nie verdriezen,
          ich tet ie den willen dîn.
          ich wil dir holt mit triuwen sîn.’
          zehant der marschalc reit
          ûz, als er im hêt geseit,
          und gewan im liut ein teil.
          daz dûht in ein michel heil.
          do der marschalc von dannen reit,
          mit flêhen und mit kündicheit
          brâht er die Rśmer ûf daz velt.
          er hiez ûf slahen sîn gezelt.
          die brucken warf er ze tal
          in daz wazzer über al,
          daz über daz wazzer die vîant
          iht kæmen in sîn lant.
          dâ lâgen die Rśmære
          ûf dem veld mit swære,
          mit harnasch und mit wer.
          der marschalc brâht ouch ein her.
          dô reit der künic Nerô
          zuo dem marschalk dô
          und seit im daz ze mæren,
          daz die vînt wæren,
          die dort vor Rôm lâgen
          und dheines strîtes pflâgen.
          ez wâren allez Rśmær.
          dô seit der marschalc mær,
          ez wæren allez vîant.
          ‘ir solt si an rennen zehant.’
          er enbôt den Rśmæren,
          daz ditz vîant wæren.
          er brâht si ze samen gar
          mit fanen und mit breiter schar,
          dâ si vâhten einen strît.
          dâ huop sich Krîmhild hôchzît.
          si verlurn beidenthalben
          ûf velde und in alben
          beidenthalben fünf hundert man.
          daz sach Nerô allez an,
          wan er habt bî der zît
          ouch ûf dem velde wît.
          den marschalc sach er vehten
          mit rittern und mit knehten
          als einen helt. wol getân
          zôch er von dem veld dan
          und understuont an der zît
          alrêrst den vil herten strît.
                                                                         [nach oben]
           

          [23385-23432]

          Dâ mit reit er in die stat.
          swer den lîp verlorn hât,
          der muost zwâr den schaden hân.
          er begund ûf den palast gân
          und betwanc den rât, die Rśmær
          zwâr mit grôzer swær,
          daz si swuorn dem marschalk guot,
          wan er im willigen muot
          truoc âne swære.
          die gewaltigen Rśmære
          kunden im niht widerstân.
          si muosten dâ ze herren hân
          den marschalc sicherlîche.
          des swuoren si gelîche.
          der künic sprach: ‘marschalc, lieber man,
          niht lenger wil ich mîn leben hân.
          dîn hend sint des wol wert,
          daz si ditz scharpf swert
          stechen durch mînen lîp.
          nû êre an mir alliu wîp
          und lâz an mir hie geschehen,
          daz ich ez an mir müg spehen.’
          dô sprach der marschalc guot:
          ‘mîn hant dir niht schaden tuot,
          wan dû bist der herre mîn,
          dû solt von mir ân angst sîn.’
          dô sprach ez her Nerô:
          ‘nû tśt mich, sô wirst dû vrô,
          oder ez muoz an dir ergân.
          dînen tôt ich hie muoz sehen an.
          daz ist ein geteiltez spil.
          nu nim welhez dû nemen wil.’
          zehant der marschalc zuct sîn swert.
          ‘sît dîn lîp des tôdes gert,
          sô sol ez wærlîch geschehen.
          ich muoz dich tôten vor mir sehen.’
          zehant er im daz swert bôt.
          er stachz durch in, daz tet im nôt.
          des wârn die Rśmær vrô,
          daz er den lîp hêt lâzen dô,
          und die fürsten wol getân,
          der kint den lîp muosten lân;
          die stiften dô ein grôz stat,
          als si noch hiut gemûret stât;
          diu wart geheizen Lattran.
          dar inne sô saz manic man
          und zwô und sibenzic zungen zwâr,
          die sâzen dar inn offenbâr.
                                                                         [nach oben]
           

          [23433-23436]

          Dar nâch rîchset alsus
          ein künic hiez Theseus.
          der stift ein lant hiez Argas,
          wan er herr dar inne was.
                                                                         [nach oben]
           

          [23437-23452]

          Dar nâch wart ein künic rîch
          ze Rôm gar gewalticlîch,
          der hiez Domicjanus.
          di pfaffen schrîbent in alsus.
          er hêt des guoten sit,
          daz er den râtgeben mit
          was ze allen zîten
          in fride und in strîten
          und hêt gern wîsen rât
          an einer ieslîchen stat.
          swan die Rśmære
          wolden âne swære
          gên ze Rôm an den rât,
          der künic niht versûmet hât,
          er gieng ze allen zîten zuo in.
          daz was an im ein wîser sin.
                                                                         [nach oben]
           

          [23453-23470]

          Do het der vordern râtgeben einer
          einen sit und mêr dheiner,
          daz er sînen sun lie mit im gên
          und lie in bî dem rât stên.
          daz treip er für wâr
          völliclîch zwelf jâr.
          daz merkt der künic ze stet.
          gegen den râtgeben er ret,
          er sprach: ‘ditz kindelîn
          solt niht bî unserm rât sîn.
          ez hât den rât gesworn nie.
          dâ von ist ez unbillîch hie.’
          dô des kindes vater erhôrt
          des küniges rede und sîn wort,
          er sprach: ‘daz kint lât hinne sîn.
          habt ez ûf den lîp mîn,
          daz ir dar an niht unreht tuot.
          iur pfant sî mîn lîp [und] mîn guot.’
                                                                         [nach oben]
           

          [23471-23510]

          Dar nâch daz kint heim gie.
          diu muoter ez schôn enpfie.
          ez sprach: ‘muoter, nû gip mir rât.
          der künic wolt mich alsô drât
          vertriben hân von dem rât sîn.’
          dô sprach diu muoter: ‘kint mîn,
          vörhtest dû die red sô sêre?
          dû wil haben êre:
          nû sag mir, liebez kint, drât,
          waz trahtent si an irem rât?’
          dô sprach daz kint: ‘daz sag ich niht,
          swaz mir halt dar umb geschiht.
          ich müest den lîp dar umb geben
          und verliesen mîn leben.’
          diu muoter zorniclîchen sprach:
          ‘wie gern sæch ich dann ungemach
          an dir und an dem vater dîn!
          dû solt des gewis sîn:
          und wær ez umb tûsent mort,
          diu wurden von mir niht gehôrt.
          dâ von, liebez kint mîn,
          lâ mich den rât wizzent sîn.’
          daz kint sprach: ‘wil dû ez verdagen,
          sô wil ich dir den rât sagen.
          si sint gesezzen vierzehen tag,
          daz ich dir für wâr sag,
          daz sich ein ieglîch mannes lîp
          scheiden sol von sînem wîp,
          der si niht gern haben wil.
          der rât ist komen an ein zil.’
          diu frou daz mær niht moht verdagen.
          si begund ez irn friunden sagen.
          dô kam daz mær übr al die stat.
          der künic im dô sagen bat,
          von wiu daz mær wær bekomen.
          er hiet die wârheit gern vernomen.
          ez kund im nieman dâ gesagen,
          wan ieslîch man muost ez verdagen,
          wan nieman west die wârheit,
          daz ez daz kint hêt geseit.
                                                                         [nach oben]
           

          [23511-23562]

          Dar nâch wart daz kint gewar,
          daz diu red offenbar
          was von im entsprungen,
          von im alsô jungen.
          dâ von daz kint zem vater sprach:
          ‘daz mær und der ungemach
          ist komen von der muoter mîn.
          diu lie mich niht mit frid sîn,
          wan si sprach, ich solt niht verdagen,
          ich solt ir hie den rât sagen,
          der vor dem künig muost ergân.
          des wolt si mich niht erlân.
          dô vorht ich, ich gwunn ungemach’ –
          alsô daz kint zem vater sprach –,
          ‘da von seit ich ir daz mære,
          daz der rât wære
          von der Rśmær wîben:
          ieglîcher von irm lîbe
          wolt sich mit êren scheiden,
          juden und ouch heiden.’
          der vater sprach dem künig zuo:
          ‘ich weiz, von wem daz mær nu
          ist alhie entsprungen.
          von mînem sun jungen
          ist ez wærlîch geschehen.’
          dô begund der künic jehen,
          er wurd der wîsest man,
          den alliu werlt geleisten kan.
          zehant der vater im verjach,
          als daz kint zuo dem vater sprach.
          der künic aber sprach:
          ‘mîn ouge zwâr nie gesach
          kein so sinnigez kindelîn.’
          er gie zen râtgeben sîn
          und seit den diu mær reht
          von disem jungen kneht.
          er sprach: ‘ich wil ez tśten,
          sô bring ich mich von nśten.’
          die râtgeben antwurten an der stat:
          ‘herr, daz ist niht unser rât.
          ez hât friunt alsô vil,
          daz ich ez nieman râten wil
          noch dir ez nieman râten sol.’
          er sprach: ‘ich tuon im anders wol,
          wan kæmen sîn friunt gelîch,
          sô möht ich von dem künicrîch
          vil gar werden gesetzet,
          und an den êrn geletzet.
          ich wil ez tuon mit reht,
          daz ich dar umb niht veht.
          ez sol von mir sicher sîn.
          ez muoz swern den rât mîn.’
                                                                         [nach oben]
           

          [23563-23590]

          Dô ez den rât dô geswuor
          und zuo in in den palast fuor,
          dô sprach der künic: ‘welt ir
          hinne all swern mir,
          swaz ich ûf leg, daz daz ergê
          und nieman des hinder sich stê?’
          des swuoren si gemeine
          grôz unde kleine.
          er sprach: ‘ich wil iuch alle biten,
          daz ir sît mit guoten siten
          und morgen ezzet daz brôt mîn.
          dar umb wil ich iu holt sîn.
          nû besehet alle,
          wie ez iu gevalle.’
          er sprach: ‘ich gib eim ieslîchen man
          einen visch wolgetân,
          und swer mich unêret,
          daz er in umbe kêret
          vor im ûf der schüzzel,
          dem heiz ich den drüzzel
          slahen von dem lîb sîn,
          dar umb daz er daz bot mîn
          bricht an der selben stat,
          daz mîn munt verboten hât.’
          do ieslîcher râtgeb erhôrt
          des küniges zornigiu wort,
          si sprâchen: ‘swaz iu leit ist,
          daz süll wir lân in kurzer frist.’
                                                                         [nach oben]
           

          [23591-23648]

          Des morgens saz er an den rât,
          der wert unz an den âbent spât.
          daz tet er allez umb daz kint,
          daz ez der hunger machte blint.
          do si zuo dem tisch sâzen –
          des küniges spîs si âzen –,
          dâ tet daz kint als ein tumb.
          den visch kêrt ez umb.
          dô seit ein meldære
          dem künig diu mære.
          dô sprach der künic unverzeit:
          ‘mir ist umb daz kint leit,
          doch muoz mîn bot für sich gân:
          daz kint muoz mir daz leben lân.’
          die râtgeben bâten alle
          den künic mit schalle.
          waz half dô ir aller bet?
          der künic sîn doch niht entet.
          daz kint sprach: ‘sol ich niht leben,
          ir sült mir doch ein gâb geben.’
          der künic sprach: ‘knab, nû sprich.
          swaz dû wil, daz tuon ich.
          bit, swaz dû wellest hân,
          daz sî dir allez undertân,
          wan daz ich dich niht lâze leben,
          daz ander daz sî dir gegeben.’
          dô sprach daz kint wol getân:
          ‘sol ich daz für ein wârheit hân?’
          der künic sprach: ‘ûf di triuwe mîn,
          dû solt sîn gewis sîn,
          daz ich dînes tôdes niht enger,
          unz ich dich dîner bet gewer.’
          dô sprach daz kint unverzeit:
          ‘swer dir von mir hât geseit,
          daz ich den visch umbe kêrt,
          der selb hât mînes tôdes gert.
          des ougen solt dû mir geben
          ân aller hande widerstreben.’
          daz lobt im der künic dô.
          dô wart der man vil unfrô,
          der diu ougen solt lân.
          er begund von dem künig gân
          und flôch in ein ander lant,
          dâ in nieman inne vant.
          dô des der künic wart gewar,
          dô wart er trûric, zornvar.
          des andern morgens fruo,
          dô sprach er dem kinde zuo:
          ‘dû hâst mit dîner kündicheit
          mich betrogen, daz ist mir leit.’
          daz kint hin zuo dem vater gie.
          vil lieplîch ez in umbevie.
          ez sprach: ‘sent mich von hinnen.
          ich mac niht entrinnen
          dem künig, er heiz mich tśten
          mit angsten und mit nśten.’
          zehant in der vater sant
          von im in ein ander lant.
                                                                         [nach oben]
           

          [23649-23678]

          Dar nâch über fünf jâr
          wart der selb künic gar
          ûzsetzic an der zît.
          dâ von im Rśmær truogen nît
          und wolden in verstôzen hân.
          des solt an im niht ergân,
          ‘daz ich von in gelîche
          kæm von mînem rîche.
          ich wolt ê ertrinken
          und in dem wâg versinken,
          ê daz an mir geschæch,
          daz etlîcher gern sæch.’
          er hiez balde springen,
          sîn schśn ros bringen;
          daz was mit sprüngen kec.
          von baldekîn ein deck
          hiez er ûf daz ros legen.
          er enpfie der abgöter segen.
          von pfeller und von sameît
          der kleider er an sich leit.
          zwên armbougen guldîn
          leit er an die arm sîn.
          von golde ein krône
          sazt er ûf schône.
          sîn zepter nam er in die hant.
          dâ mit er ûf die bruck rant
          und sprangt daz wazzer ze tal.
          er tet einen jæmerlîchen val.
          dâ mit er sîn ende nam.
          nieman west wâ er bekam.
                                                                         [nach oben]
           

          [23679-23694]

          Dô die Rśmære
          vernâmen disiu mære,
          dô wart zehant
          nâch dem kind gesant
          und nâmen in ze herren sus.
          er hiez Anthyochus
          und wart gar ein biderber man.
          Rôm wart im undertân,
          und alliu künicrîche
          warten im gelîche.
          er macht bî den jâren
          daz diu lant wâren
          mit fride alle gelîche
          in dem künicrîche.
          er wart der wîsest man,
          der nâch Salomôn rîchsen began.
                                                                         [nach oben]
           

          [23695-23710]

          Ein man ze Rôm saz alsus,
          der was genant Virgilius.
          der was ze Rôm alsô kluoc,
          daz er zoubers vant genuoc.
          als ich iuch wil bescheiden,
          er was ein rehter heiden.
          an rehtem glouben was er blint.
          er was gar der helle kint.
          ich wil iu sagen, wie er gewan,
          Virgilius der selb man,
          daz er kund zoubers vil.
          vor nieman ich daz helen wil.
          ich sag iu ze rehte
          von dem selben knehte,
          wie er daz zouber vant;
          daz ist mir von im bekant.
                                                                         [nach oben]
           

          [23711-23764]

          In einem wîngarten houet er
          vil gar nâch sînes herzen ger.
          vil vast er in die erde sluoc,
          daz ez diu houwe kûm vertruoc.
          sô grôz sîn houwen, sîn slahen was,
          daz er kam ûf ein glas.
          daz was tiufel alsô vol,
          daz ich sîn niht sagen sol.
          daz glas er ûz der erde nam.
          ‘vil wunne ich in dem glas hân,’
          sprach der selb Virgilius.
          ‘ich wil ez hie behalten sus.
          des hân ich frum unde êr,
          swâ ich in dem land hin kêr.’
          dô sprach der tiufel ûz dem glas,
          der dar inne verslozzen was:
          ‘Virgilius, lâz uns varn.
          wir wellen dich immer bewarn
          vor aller hand leide.
          lâz uns varn ûf die heide.
          wir wellen dich kunst lêren vil,
          daz dû hâst freud und spil
          immer unz an dînen tôt.
          in disem glas ist grôz nôt.
          zwên und sibenzic ist unser schar,
          wir sagen dir sicherlîch für wâr.’
          dô sprach Virgilius der man:
          ‘ich mac mich niht an iuch gelân.
          lêret ir mich ganze lêr,
          sô swer ich iu des sêr,
          daz ich daz glas zerbrechen wil.
          lêrt ir mich kunst alsô vil,
          daz ich sîn frum gewinnen mac,
          ich swer iu noch an disem tac,
          daz ditz glas von mîner hant
          zerbresten muoz zehant.’
          zehant die tiufel alle
          lêrten in mit schalle
          die zouberlist ân arbeit,
          als si noch in der kristenheit
          allenthalben umbe gât
          swer zoubern kan ân missetât.
          dô er die kunst von in enpfie,
          ze einem stein er dô gie.
          er brach daz glas und lie si varn,
          die tiufel alle mit irn scharn.
          zehant gedâht Virgilius:
          ich muoz ir kunst versuochen sus,
          sît die tiufel sint von hinnen
          gevarn. nû trou ich wol gewinnen
          beidiu êre unde guot.
          wie wol daz mînem herzen tuot,
          daz ich frum und êre
          gewinn ân herzensêre!
                                                                         [nach oben]
           

          [23765-23778]

          Virgilius der selb man
          begund ze Rôm gân.
          und versuocht sîn meisterschaft,
          ob ez wær wâr der tiufel kraft.
          er macht ze Rôm ein steinîn wîp
          von kunst, diu hêt einen lîp,
          swanne ein schalc, ein bśser man
          wolde ze einem wîb gân,
          daz er gie zuo dem steine,
          der bśs, der unreine,
          daz im was bî des steines lîp,
          reht als ez wær von art ein wîp.
          niht fürbaz ich iu sagen sol,
          mîn meinung wizt ir alle wol.
                                                                         [nach oben]
           

          [23779-23808]

          Des zoubers treip er genuoc.
          er was ein man ân mâzen kluoc,
          ich mac ez niht gar gesagen,
          der wârheit muoz ich vil verdagen,
          wan einez weiz ich für wâr,
          daz sag ich iu offenbâr,
          daz er umb einer frouwen minn
          warp, diu was ein burgærinn
          und was ze Rôm in der stat
          gesezzen, wan er sie dick bat,
          daz si sînen willen tæt.
          doch was diu frou stæt,
          daz si in niht wolt gewern,
          des er an sie moht gern.
          doch liez er niht sîn werben.
          er jach, er müest ê sterben,
          ‘ê daz ich von iu lâze.
          iur minn kumt mir ze mâze.’
          si sprach: ‘iur unsin iu leit gebirt,
          wan ich sag ez mînem wirt.
          und wært ir schśner dann Absolôn,
          mîn minn ist iu versaget schôn.
          ich wil iu sîn gar ze rein.
          ez müesten ê bresten all stein,
          ê ich iuch wærlîch wolt gewern,
          des ir wolt an mich gern.
          gêt hin, lât mich ân nôt.
          mîn man tuot iu den tôt.
          dem wil ichz sagen sicherlîch.
          iur red ist gar unbillîch.’
                                                                         [nach oben]
           

          [23809-23830]

          Virgilius sîn niht enliez,
          silber, golt er ir gehiez,
          der frouwen sicherlîche.
          er was ân mâzen rîche.
          dô er die frouwen wolgetân
          von dem gewerb niht wolt lân,
          dô gie si zuo irm wirt.
          ‘ein wîser man ir birt
          unde sît niht ze alt:
          ahtet, wie ich behalt
          mîn wîplîch êr,
          die ich von mîner kintheit her
          mit zühten hân behalten.
          mit êren muoz ich alten,
          ob ez nu iuwer will ist.
          nû râtet mir in kurzer frist,
          daz ich Virgilio engê.
          der tuot mir nôt unde wê
          zwâr umb mîn minne.
          nû nemet in iuwer sinne,
          wie ich sîn kunst umbegê,
          daz mir mîn êr von im bestê.’
                                                                         [nach oben]
           

          [23831-23876]

          Ir êlîch man sprach zehant:
          ‘frou, dîn laster und dîn schant
          wær mir von herzen leit.
          swie vol er ist der kündicheit,
          sô wil ich trahten, frou mîn,
          daz er muoz geschant sîn.
          nû volg, frou, mînem râte:
          send nâch im drâte
          und gelob im, liebiu frou mîn,
          dû wollest den willen sîn
          leisten hînt bî diser naht,
          des habest dû dich wol bedâht.
          dû solt im diu mære
          sagen, ich sî mit swære
          von dir geriten und mit zorn;
          dû habest umb sust mîn huld verlorn.
          sag im, er müg niht schier
          in daz hûs komen zuo dir,
          ich hab dich in starker huot.
          sprich: ‘mich dunket guot,
          daz ich iu lâz ein korp ze tal.
          dar in sô sitzt ir ân schal.
          diu sorg iuch vil gar verbirt,
          wan sîn nieman innen wirt.
          iurn willen tuon ich sicherlîch.
          ûf ziuch ich iuch frôlîch
          in den turn, den ich hân.
          iuwern willen wilich begân.
          sô er siht den willen dîn,
          sô wil er gar ân angst sîn.’
          swaz ir der wirt vor sprach,
          diue frouwe tet ez allez nâch.
          si sant nâch Virgilium.
          si sprach: ‘sît ir ein degen frum,
          daz sült ir mir hiut erzeigen.
          ich gib mich iu für eigen
          hînt bî diser naht.
          mîn man hât sich niht wol bedâht,
          wan er mich sêr geslagen hât.
          dâ von sô ist daz mîn rât,
          daz ir hînt komet zuo mir.
          des ir mich bât, daz tuon ich schier
          enden hînt an dirre zît.
          mir ist [niht] in den landen wît
          niht sô leides sô mîn man.
          leides ich im vil wol gan.’
                                                                         [nach oben]
           

          [23877-23888]

          Dô der her Virgilius
          von der frouwen hôrt alsus
          die red, die si hêt getân,
          er sprach: ‘sol ich hînt zuo iu gân?’
          si sprach: ‘ich fürht die huot.
          ich rât, daz ir sô wol tuot:
          lât iuch in einem korb schier
          her ûf sicherlîch zuo mir
          ziehen, daz ist reht getân.
          ‘vil gern, frou,’ sprach der man,
          ‘wan ich ez immer dienen sol.
          ir sît aller tugent vol.’
                                                                         [nach oben]
           

          [23889-23914]

          Des nahtes dô ez spât wart,
          Virgiljus der gie ûf die vart
          zuo dem selben turn hin.
          er warf mit einem steinlîn
          in daz venster, daz ez erhal.
          dô gie diu frou âne schal
          und entslôz daz venster schier.
          ir êlîch man gie mit ir.
          si sach her ab und sprach alsus:
          ‘sît ir dâ, her Virgilius?’
          er sprach: ‘frou wol getân,
          den korp sült ir her ab lân,
          dâ wil ich sitzen in.
          ir habt dar an wîsen sin.’
          zehant si den korp liez,
          als sie Virgilius dâ hiez.
          dâ saz schôn Virgiljus in.
          ‘ir habt dar an wîsen sin,’
          wan si in ûf mit sinne gar
          an den turn zôch zwâr
          wol drîer gadem hôch.
          niht fürbaz si in ûf zôch.
          si strict in zuo und liez in hangen.
          sîn will was niht ergangen.
          si was ein reinez wîp;
          kiusch und schśn was ir lîp.
                                                                         [nach oben]
           

          [23915-23950]

          Des morgens dô ez tagte,
          den Rśmern man dô sagte,
          daz der wîs Virgilius
          wær an ein turn erhangen sus.
          dô sprach manic man:
          ‘ich geloub sîn niht, ich seh ez an,
          wan zwâr sîn wîser lîp
          ist wîser dann man oder wîp;
          dâ von ez niht ergên mac.
          sîn lîp ist wîs naht und tac.’
          dô sagt man in diu mære,
          daz ez diu wârheit wære.
          dô giengen die Rśmer dar
          und nâmen sîner nôt war.
          ze jungst kom ir êlîch man
          schôn zuo im geriten dan,
          sam er wær von dannen gewesen.
          Virgilius moht kûm genesen,
          wan er hêt swær und ungemach.
          ieglîch Rśmer zuo im sprach:
          ‘wie ist daz komen, Virgilius,
          daz ir hie hanget alsus?’
          Virgiljus sprach in stille:
          ‘ez was zwâr mîn wille.’
          dô sprach der frouwen êlîch man:
          ‘wer brâht iuch zuo dem turn dan,
          daz ir hangt an mîner mour?
          ich wæn, ez sî iu worden sour.
          doch ist ez mir an iu leit:
          ir habet erliten smâcheit.’
          der wirt zehant den wîsen man
          liez [in] von dem turn dan,
          daz in daz volc allez sach.
          er hêt grôzen ungemach
          und vil grôzen smerzen
          an lîb und an herzen.
                                                                         [nach oben]
           

          [23951-23960]

          Do man Virgilium her ab geliez,
          als in des hûses wirt hiez,
          do begund er sêr trahten
          und in dem herzen ahten,
          wie er dem getæte,
          daz diu frou stæte
          von im leit gewunne
          und ouch alz ir kunne
          von dem leid geschant wurde.
          daz was ein swæriu burde.
                                                                         [nach oben]
           

          [23961-23970]

          Dâ mit der ungehiuwer
          schuof, daz daz fiuwer
          erlasch, daz in Rôm was.
          wunder was, daz iht gênas.
          man moht niht gebachen
          noch ezzen gemachen.
          man moht niht gebriuwen.
          si hêten vil der riuwen.
          si wârn nâch des hungers tôt,
          dâ von si liten grôz nôt.
                                                                         [nach oben]
           

          [23971-24000]

          Dô die Rśmære
          liten grôze swære,
          dô begundens trahten,
          wie si daz gemachten,
          daz si gewunnen fiuwer.
          da was nieman sô tiuwer,
          der ez betrahten kunde.
          in der selben stunde
          sprach ein Rśmær under in:
          ‘ich wil iu sagen mînen sin.
          ich rât, daz man Virgilius
          bit vlîziclîchen sus,
          der ist gar ein herre.
          dem sagen wir waz uns werre,
          sô wirt unser ungemach
          verkêrt.’ alsô der Rśmer sprach.
          der rât begund in allen
          vil reht wol gevallen.
          dô giengen lîht unde frum
          alle für Virgilium
          und sprâchen: ‘herr, iuwern rât
          suochen wir umb ein missetât.
          si tuot uns alsô grôz nôt,
          vor hunger wellen wir ligen tôt:
          wir mügen niht gebachen,
          wir mügen niht ezzen machen.
          des müezen wir verderben
          und hie ze Rôm sterben.
          nû wizzen wir, herr, dîn wîstuom,
          der uns ist ân mâzen frum.’
                                                                         [nach oben]