JANS DER ENIKEL, Weltchronik.
    Seite 21: Julius Caesar, Augustus

    Nach der Ausgabe von Philipp Strauch.
    Digitalisiert von Angus Graham.
    Seite erstellt von Graeme Dunphy.

    Seite  enthält die Abschnitte:

       
         
           
          [21095-21112]
          [21113-21118]
          [21119-21146]
          [21147-21174]
          [21175-21216]
          [21217-21230]
          [21231-21250]
          [21251-21270]
          [21271-21294]
          [21295-21310]
          [21311-21344]
          [21345-21364]
          [21365-21410]
          [21411-21460]
          [21461-21484]
          [21485-21508]
          [21509-21520]
          [21521-21536]
          [21537-21572]
          [21573-21604]
          [21605-21616]
          [21617-21644]
          [21645-21686]
          [21687-21702]
          [21703-21750]
          [21751-21784]
          [21785-21800]
          [21801-21826]
          [21827-21872]
          [21873-21884]
          [21885-21908]
          [21909-21918]
          [21919-21930]
          [21931-21950]
          [21951-21990]
          [21991-22000]
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           [21095-21112]

          Dar nâch fuor er zehant
          in daz werd Beierlant
          und betwanc den herrn dar inne,
          wan er hêt wîs sinne.
          er muost im swern an der stat.
          sînen namen sag ich iu drât:
          er was geheizen Boymunt,
          daz tuot uns daz buoch kunt;
          und sînen bruoder Ingram,
          den betwanc er âne scham,
          daz er im bot sînen eit.
          daz was den herren niht leit.
          ich tuon iu daz von in bekant:
          si wârn ûz Ormenienlant
          geborn, die zwên frum man,
          die ich iu vor genent hân,
          Ingram und Poymunt.
          daz tuot daz buoch von in kunt.
                                                                         [nach oben]
           

          [21113-21118]

          Dar nâch Julius der herr
          fuor hin gên Sahsen verr
          und betwanc daz rîche
          vil gar gewalticlîche.
          dâ muost im der herr swern,
          wan er moht sich niht erwern.
                                                                         [nach oben]
           

          [21119-21146]

          Dar nâch fuor er zehant
          in der platfüezen lant.
          die wârn griulîch gestalt:
          er wær junc oder alt,
          er het einen fuoz als ein schilt
          und was eislîch als ein wilt.
          die selben er zehant vertreip,
          daz ir dheiner niht beleip.
          dar nâch im liut wurden bekant,
          die hêten über al ir lant,
          ez wær man oder wîp,
          swie ez gestalt was über den lîp,
          junc kneht oder dierne,
          ieglîchez an der stirne
          ein oug und dheinez mê.
          si sâzen ûf den grüenen klê.
          zuo den kam her Julius
          und betwanc die liut sus,
          daz si im muosten entwîchen
          vil gar lesterlîchen.
          zwâr die mit den breiten füezen
          von im fliehen müezen,
          und die einougen liut,
          die fluhen sam sie ûz der hiut
          her Julius wolt scheiden.
          si wârn wærlîch heiden.
          er jagt die selben liut dâ
          in daz verr Indiâ.
                                                                         [nach oben]
           

          [21147-21174]

          Dô Julius hêt verjeit
          mit strît und mit wîsheit
          die einougen und die breitfüezen,
          wan si vor im fliehen müezen,
          in daz verr Indiâ,
          dô stift er bî dem Rîn iesâ
          bürg unde stet,
          wan er ez gern tet.
          im was allez daz undertân,
          daz ich iu vor genent hân.
          dar nâch er des niht enliez,
          wan er schôn stiften hiez
          Megunz die grôzen stat,
          als man sie bî dem Rîn hât.
          er stiftet niht ze sein
          Bockbarten und Ingelheim,
          als ich von dem herren las.
          Oppenheim ouch gestiftet was.
          von dem herrn Juliô
          wart ein schœn castel dô
          gestiftet an dem Rîn,
          daz niht bezzer moht gesîn.
          ein bruck macht er über den Rîn,
          diu maht niht bezzer gesîn.
          si was geworht manicvalt.
          daz geschach von sînem gewalt.
          dar nâch betwanc er schier
          ein stat diu hiez Trier.
                                                                         [nach oben]
           

          [21175-21216]

          Dar nâch fuor er schôn
          ze Rôm, des sagt im nieman lôn,
          wan ze der zît die Rœmær
          liezen in niht în, daz was im swær.
          die jâhen, in wær leit sîn genesen;
          war umb er wær sô lang gewesen?
          die hêten im gezalt zwâr,
          er wær gewesen siben jâr;
          er hiet im selber betwungen diu rîch;
          er solt daz wizzen sicherlîch,
          er müest von in gescheiden sîn.
          dô fuor er wider zuo dem Rîn
          und brâht di tiutschen fürsten dar
          für die stat mit grôzer schar,
          wan er den fürsten dô seit,
          daz ez wær Rœmern leit,
          daz er sô lang wær ûz gewesen;
          in wær vil leit sîn genesen.
          dô rieten im die fürsten all,
          er solt mit grôzem schall
          in die stat gewinnen an.
          daz wart vil schier dô getân.
          er stürmt an die stat sêr.
          des verlurn Rœmer ir êr,
          wan in diu stat was an gewunnen.
          den Diutschen was wol gelungen.
          dô diu stuont in irr hant,
          die besten in der stat zehant
          wurden all samt vertriben.
          vil lützel was ir dâ beliben.
          doch wil ich iu sümlîch nennen,
          daz ir si mügt erkennen,
          die dâ vertriben wâren
          in den selben jâren.
          der ein der hiez Catô,
          der ander hiez Platô.
          er vertreip ouch Rigidum
          und den wîsen Pompejum.
          die fluhen in Egyptenlant.
          niht all sint si mir bekant,
          die bî der selben zît
          fluhen den herten strît.
                                                                         [nach oben]
           

          [21217-21230]

          Dar nâch kom er drât
          hinz Rôm in die stat
          und gebôt, daz nieman daz liez,
          swer in nennen hiez,
          daz er in nant niht dû wan ir;
          swer des niht tæt, den hiez er schier
          tœten an der selben zît.
          daz erhal in die stat wît,
          ob ieman in der stat wær,
          der niht erhôrt daz mær
          und des niht enlieze,
          daz er in dû hieze,
          daz man in tœtt an der stunt.
          daz mær tet man in allen kunt.
                                                                         [nach oben]
           

          [21231-21250]

          Er hiez ouch zerbrechen,
          dâ wider torst nieman sprechen,
          kamer und gewelb guot,
          wan im was des wol ze muot,
          daz er den Tiutschen ze solt
          wolt geben silber unde golt
          und ander kleinôt rîch.
          er wolt si senden frœlîch
          wider in ir selbers lant.
          daz er dô sprach, daz wart erkant
          gên diutschen fürsten über al.
          sie fuoren heim mit grôzem schal,
          und teilt mit in diu kleinôt
          und daz golt alsô rôt.
          er gebôt ouch sicherlîch,
          daz man die Diutschen in ir rîch
          hiez niht dû wan ir.
          daz sült ir gelouben mir.
          dâ mit die fürsten all gelîch
          fuoren frœlîch in ir rîch.
                                                                         [nach oben]
           

          [21251-21270]

          Dô der herr Julius
          ze Rôm rîchset alsus,
          und er die râtgeben vertreip,
          daz ir vil lützel beleip,
          und den Diutschen di êr dô tet,
          daz man si an einer ieslîchen stet
          niht wan ir nant
          und da bî ir frümcheit erkant,
          dô gap er in daz reht,
          er wær ritter oder kneht,
          oder swie er wær getân,
          was er von Diutschen ein geborn man,
          so solt über in kein urteil
          gên von den buochen veil:
          ‘niur was [im] ein diutscher man
          im ze reht vinden kan
          ze guot und ze êren,
          daz sol im nieman verkêren.’
          daz wart den Diutschen ze lôn
          gegeben. daz was der êren krôn.
                                                                         [nach oben]
           

          [21271-21294]

          Dar nâch sag ich iu für wâr,
          daz er lebt kûm fünf jâr.
          diu rîchsent er mit sinne,
          er und sîn küniginne.
          dô trahten die Rœmære,
          wie si in mit swære
          schieden von dem lîb sîn.
          daz tâten si im vollen schîn.
          er hêt geboten zwâr,
          daz man still und offenbâr,
          nieman anders in nant –
          swer des niht tæt, der wurd geschant,
          der in niht keiser hieze.
          wær ieman der daz lieze,
          den wolt er tœten ze stunt.
          dâ von wart im der nam kunt,
          daz man in keiser nant
          über alliu sîniu lant.
          dar nâch wart er von in erslagen
          und ûf ein siul getragen.
          daz tâten si im ze êren dâ,
          daz er si hêt betwungen sâ,
          beidiu stet unde lant,
          daz si stuonden in irr hant.
                                                                         [nach oben]
           

          [21295-21310]

          Ze den selben zîten
          was in diu lant wîten
          geseit diu selben mære,
          daz die Rœmære
          gestœrt heten Zeciljenlant.
          daz mær wîten wart erkant
          von dem mer unz an den Rîn.
          di die fürsten wolden sîn,
          die vorhten dô sêre,
          si verlurn von in ir êre.
          si trahten mit ræten,
          wie si irm ding tæten,
          daz si von Rœmæren
          iht kœmen in grôz swære.
          daz trahten si naht unde tac,
          wan daz mær was in ein slac.
                                                                         [nach oben]
           

          [21311-21344]

          Ir gewalt wart wîten kunt getân.
          daz erhôrt ein kündic man.
          der selb gie alzehant
          dâ er die tiutschen liut vant.
          er sprach: ‘wolt ir mir guot geben,
          ich wolt iu … ân widerstreben
          iuwer liut und lant guot,
          so belibt ir mit guotem muot.
          ich wolt diu bild ze Rôm schier
          brechen und wolt ir lônen mir.’
          dô sprâchen si gelîch:
          ‘woldest dû uns sicherlîch
          diu bilde dâ zerbrechen,
          wir wolden uns besprechen
          waz dîn lôn wære
          umb dîn kunst swære.’
          dô sprach der meister wol getân:
          ‘ich wil mich sîn an iuch lân.
          ich wil niht vordern dhein lôn.
          dien ich wol, sô lônt mir schôn.
          gebet mir zwelf knappen mit,
          di sehen mîn meisterlîchen sit,
          und gebt mir des ich bedarf dar zuo.
          mîn kunst wil ich spât und fruo
          immer dar zuo kêren,
          daz ez nâch iuwern êren
          ze allen zîten müez ergên.
          ich wil dar rîten unde gên.’
          die fürsten sprâchen gelîche,
          arm und ouch rîche,
          waz er dar zuo habent süll sîn.
          er sprach: ‘daz sag ich, herren mîn:
          zwei hundert marc von golde
          ich dar zuo haben solde.’
                                                                         [nach oben]
           

          [21345-21364]

          Daz guot wart im schier bereit.
          er fuor mit sîner kündicheit
          gegen Rôm, als er solde,
          wan er zerbrechen wolde
          diu bilde diu dâ wâren.
          gegen Rôm wolt er varen.
          die zwelf fuoren allez mit
          und fuoren nâch des meisters sit.
          dô er ze Rôm nâhen kam
          unde daz von Rôm vernam,
          daz er hêt kûm ein rast lanc,
          hin zuo einem wirt er dô dranc.
          der behielt in williclîch,
          wan er was kostrîch.
          er macht den wirt trunken gar
          und daz gesind sunder bar.
          dô daz allez trunken wart,
          in einen stadel er sich spart,
          sam er sich slâfen wold legen.
          den wirt bat er got pflegen.
                                                                         [nach oben]
           

          [21365-21410]

          Dô daz gesind allez slief,
          gegen sînem wagen er dô lief
          und nam sîn bereitschaft her für.
          zwâr hinder des stadels tür
          gruop er ein tiefez luoc în;
          daz was des meisters sin.
          dâ leit er în fünfzehen marc golt
          den Rœmærn ze einem solt.
          des luoges wart nieman gewar
          wan die zwelf, die mit im dar
          wâren komen ze rehte,
          sam si wærn sîn knehte.
          daz luoc hiez er stôzen zuo.
          des andern morgens vil fruo
          fuor er mit grôzer île,
          unz daz er kûm ein mîle
          hêt ze Rôm in die stat.
          einen wirt er aber bat,
          daz er in behielt schôn,
          er gæb im guoten lôn.
          den wirt er aber trunken macht.
          der zwelver einer des dô lacht.
          er sprach: ‘daz hûsgesind sîn
          sol ouch billîch trunken sîn.’
          vil wînes man dô für si truoc,
          daz si trunken wurden genuoc.
          [si sprâchen:] ‘man hât unser schôn pflegen.’
          ‘daz ist mir liep, ich wil mich legen.’
          mit freuden er in den hof gie.
          in einen glêt man in lie.
          dâ leit man in. im nieman rief:
          der wirt, daz gesind allez slief.
          dâ gruop er aber inne ein luoc,
          wan er was wîs genuoc,
          dâ von er sehzic marc golt
          dâ den Rœmærn versolt,
          wan er was ân mâzen kluoc.
          er hiez verstôzen daz luoc.
          er fuor, als in sîn herz bat,
          ze Rôm in die grôzen stat
          nâhen zuo dem palast guot,
          wan dâ hin sô stuont sîn muot,
          zuo einem wirt, der im gezam
          und sîn guot dar umb nam.
          dâ gruop er golt in, daz wac
          wærlîch wol hundert marc.
                                                                         [nach oben]
           

          [21411-21460]

          Dô er daz hêt getân,
          er begund an den palast gân,
          da die râtgeben inne
          sâzen mit ir sinne.
          er klocket an tür und an tor.
          ein râtgeb sprach: ‘wer ist dâ vor?’
          er sprach: ‘daz ist ein meister gar,
          der wil mit meisterscheft zwâr
          iu ein grôz guot bringen;
          im wil wol gelingen.’
          den meister liez man în zuo in.
          dâ leit er in für sînen sin.
          er sprach: ‘ich wil iu wol geben,
          daz nie dhein man bî sînem leben
          goldes nie sô rîch wart
          und welt ir volgen mînem rât,
          wan ich gern die miete
          von iu dar umb hiete.’
          dô sprach ein wîser under in:
          ‘wil dû uns zeigen den gewin,
          ich sag dir ûf di triu mîn,
          die zehent marc sol dîn sîn.’
          er sprach: ‘die wil ich gern hân.
          heizet mit mir rîten dan!’
          dô wart niht lenger vermiten,
          mit im wart schôn geriten,
          unz er kom zuo dem stadel hin.
          ‘hie lît guoter gewin.
          ob ir … wolt,
          grabet în, ir vindet golt.’
          er zeigt in reht an die stat.
          dâ funden si daz golt drât.
          er sprach: ‘lât iuch betrâgen niht.
          mêr êren iu von mir geschiht.’
          er zeiget in dâ er hêt
          daz golt begraben in dem glêt.
          dâ funden si wol sehzic marc.
          er sprach: ‘sît iur triu ist sô starc,
          sô wilich iu alrêrst zeigen golt,
          welt ir mir mit triuwen wesen holt.’
          er zeigt in reht an die stat,
          dâ er daz dritt verborgen hât.
          dô wânten Rœmære,
          si hieten âne swære
          von im êr unde guot.
          des truogen si im holden muot,
          dô si funden hundert marc.
          ‘sît iuwer kunst ist sô starc,
          sô sült ir uns guot zeigen;
          ein lant muoz sîn iur eigen.’
                                                                         [nach oben]
           

          [21461-21484]

          Dô der meister erhôrt
          der Rœmær willen unde wort,
          er sprach: ‘ich wil iu zeigen guot,
          daz iu allen sanft tuot,
          daz enhalb mers diu heidenschaft
          so vil goldes niht hât die kraft.’
          des dankten si im sêr.
          ‘under disem palast hêr
          ist ez gelegen mangen tac.
          nieman wan ich ez zeigen mac.’
          dô die Rœmære
          erhôrten disiu mære,
          dô seiten si gemein:
          ‘underfüer man disen stein,
          sô möht der palast nider gân.’
          er sprach: ‘daz kan ich understân,
          als ich iuch wil bescheiden’ –
          sprach er zuo den heiden –:
          ‘als man die stein well letzen,
          sô sol man undersetzen
          den palast mit holz grôz,
          sô schadet im dhein mûrstôz.
          als man daz guot funden hât,
          sô mûr man zuo, daz ist mîn rât.’
                                                                         [nach oben]
           

          [21485-21508]

          Der rât begunde in allen
          vil reht wol gevallen.
          dâ von sô greif der meister zuo.
          eines morgens vil fruo
          er hiez die mûrære
          undervarn die swære
          den palast, des was der meister stolz,
          und hiez in setzen dâ ûf holz,
          wan er im des gedâht,
          daz er ez bî der naht
          allez dâ verkêrte,
          als in sîn kunst lêrte.
          er hiez dâ füern ströu genuoc,
          in die spriuzen man ez truoc.
          dô daz allez geschach,
          wider die Rœmer er dô sprach,
          die stæt bî im wâren:
          er sprach: ‘ir sült varen
          under daz palast, daz ist reht,
          beidiu herren unde kneht,
          in die gruoben hin ze tal.
          dâ vindet ir guot über al,
          daz nieman sô rîchen solt
          hât an silber und an golt.’
                                                                         [nach oben]
           

          [21509-21520]

          Dô die Rœmære
          erhôrten dîsiu mære,
          dô îlten si die gruob ze tal.
          ir îlen wart mit grôzem schal.
          dô der meister daz ersach,
          wider die sînen er dô sprach:
          ‘nû zündet die spriuzen an
          alsô daz ströu und holz bran!’
          dâ muost der palast nider gân.
          er moht niht lenger dâ bestân.
          dâ mit sô rant der meister dan,
          er und sîn zwelf man.
                                                                         [nach oben]
           

          [21521-21536]

          Dô der palast nider gie,
          ir dheiner des dâ niht enlie,
          er fluch dannen balde
          gegen einem grôzen walde.
          die Rœmær wârn dô betrogen
          und diu bild an gelogen.
          zuo den fürsten si dô kâmen.
          diu mær si williclîchen vernâmen,
          daz diu bild zerbrochen wârn,
          diu ir rîch begunden vârn.
          den meister si viengen bî der hend.
          ‘iuwer sorg hât ein end,’
          begunden si gemein jehen,
          ‘iur lîp kan meisterschaft spehen.’
          si wâren alle frœlîch.
          si machten den meister rîch.

          Die Rœmær hêten nâch Romolum siben keiser und an dem jungsten Tarquinium in zwein hundert jârn und in drîn und vierzic jârn, dar nâch aber râtliut.
                                                                         [nach oben]
           

          [21537-21572]

          Daz sol man wizzen sicherlîch,
          daz die Rœmer wâren rîch
          und hêten grôz kunne;
          daz was in dô ein wunne.
          zwelf gesleht wârn in der stat,
          diu giengen stæt an den rât
          und santen ûz die jungen,
          daz si diu lant betwungen.
          dô si si heten betwungen gar,
          dô giengen si ze rât dar,
          die des rates pflâgen.
          si begunden den jungen sagen,
          ez wær von irem râte,
          daz si hieten drâte
          diu lant zuo in betwungen.
          dô jâhen die jungen,
          ez wær von ir manheit.
          daz was den altherren leit.
          dô wart under in ein strît
          unde ein vil grôzer nît.
          die jungen begunden trahten,
          wie si daz gemachten,
          daz man weste für die wârheit,
          waz dick was von in geseit,
          daz diu lant betwungen
          wæren von den jungen.
          dô sprach ez einer under in:
          ‘und welt ir hœrn mînen sin,
          ich lâz iuch daz sehen,
          daz ez mac nimmer geschehen,
          ez well dann ieglîch jungelinc
          kêren dar zuo sîn gerinc,
          daz er mit grôzen nœten
          sînen vater heiz tœten:
          sô sehen wir dann ir wîsheit.’
          der rât niht wan einem was leit.
                                                                         [nach oben]
           

          [21573-21604]

          Dô geschehen was der rât,
          ir ieglîcher vil drât
          zuo der herberg kêrte,
          als si ir kintheit lêrte.
          ir dheiner daz vermeit,
          er tet sînem vater leit
          und tœtt in, daz was unreht.
          des wurden si des tiufels kneht.
          doch was einer under in,
          der hêt dannoch rehten sin.
          der lie den vater sîn genesen.
          die andern muosten tôt wesen.
          er sprach: ‘lieber vater meîn,
          wir sîn des worden in ein,
          daz ieslîcher sol mit nœten
          sînen vater tœten.
          nû sol uns beiden wol wesen:
          ich wil dich lâzen genesen.’
          dô sprach der vater: ‘kint mîn,
          ich sol des geniezent sîn,
          daz dû mir liep wær same mîn lîp;
          ich zôch dich schôn und dîn wîp:
          des solt dû niht vergezzen,
          dîn almuosen lâ mich ezzen.’
          dô wîset er in drâte
          in ein kemenâte
          und gap im die spîse.
          der vater was vil wîse.
          er sprach zuo den gesellen sîn:
          ‘ez hât ouch der vater mîn
          sîn leben lâzen zwâr.’
          des dankten si im alle gar.
                                                                         [nach oben]
           

          [21605-21616]

          Do die alten Rœmære
          mit angst und mit swære
          ir leben heten verlorn
          von ir selbesf kindes zorn,
          daz wart den fürsten geseit.
          daz was in liep und niht leit.
          sie sazten sich gên in ze wer
          und gâben niht ein brâmber
          umb die Rœmær gelîch.
          si gewunnen gar gewalticlîch
          diu rîch alliu wider an,
          dô si verlurn die wîsen man.
                                                                         [nach oben]
           

          [21617-21644]

          Do diu rîch von in kêrten
          und Rœmær niemêr êrten,
          dô gienc ze Rôm der jung man
          hin für sînen vater stân
          und seit im ze mæren,
          wie diu rîch wæren
          allesamt gewunnen an.
          dô sprach der alt wîs man:
          ‘ich sag iu, sun, die wârheit,
          ez wirt noch iuwern friunden leit,
          daz si den mort habent getân.
          heten si die alten leben lân,
          sô wær sîn wærlîch niht geschehen.
          die wârheit müget ir selber sehen.
          vil liebez kint, rât in drât,
          daz si in ein ander stat
          senden nâch einem wîsen man,
          der si reht lêren kan,
          und gewinnen den dâ mit ir solt
          und geben im silber unde golt.’
          dâ mit gie der jung man
          hin für sîn gesellen stân
          unde leit in für den rât.
          der geviel in wol, und santen drât
          in ein stat nâch einem man:
          si wolden im wesen undertân;
          unde gâben im ze solt
          ûf hundert marc golt.
                                                                         [nach oben]
           

          [21645-21686]

          Zehant der selb houbtman
          die boten frâgen began,
          wâ ir altherrn wæren.
          dô seiten si im ze mæren,
          si wæren all verscheiden.
          dô sprach der wîs heiden:
          ‘wizzet ir diu mære,
          ob die Rœmære
          sölicher triuwed wielten,
          daz si daz behielten,
          daz ich schaff mit in?
          ist daz ir muot und ir sin?’
          die boten swuorn im mangen eit
          bî ir rechten wârheit
          unde bî ir abgot,
          daz si leisten sîn gebot.
          dâ mit der houbtman
          kêrt mit den boten dan
          hin ze Rôm in die stat,
          als man in mit flîze bat.
          da enpfiengen in die burgær
          mit kleinôt, wâren swær.
          er sprach: ‘ir herren, wellet ir
          alle hiut sweren mir,
          daz ir mîn gebot niht übergât
          hie ze Rôm in der stat?’
          des swuoren si gemeine
          grôz unde kleine.
          er sprach: ‘sô ist mîn rât,
          daz iur ieglîcher île drât
          unde bring mir her driu dinc,’
          sprach er zuo den jüngelinc;
          ‘dâ wil ich besehen an,
          ob mîn gebot müg für sich gân.’
          er sprach: ‘bring mir ein ieslîch man
          daz getriust daz er geleisten kan
          unde bring mir dâ bî
          daz im aller ungetriuwest sî
          und den liebsten spilman,
          den er geleisten kan.
          daz süllen tuon alle gelîch
          Rœmær gemeinlîch.’
                                                                         [nach oben]
           

          [21687-21702]

          Dô daz erhôrt der jung man,
          der gie für sînen vater stân
          und seit im diu mære,
          wie daz gebot wære.
          dâ mit der alt vater sprach:
          ‘ich wil dir râten dîn gemach,
          daz dû in gesigest an.
          nim dîn kint wol getân
          mit dir an die rehten hant.
          sô tuon ich dir dar nâch bekant,
          dû solt dîn kleinez hündelîn
          nemen an den arm dîn,
          und heiz dîn wîp hinden nâch
          gân.’ daz zehant geschach.
          die andern brâhten ungelîch
          ir gebot für den houbtman rîch.
                                                                         [nach oben]
           

          [21703-21750]

          Dô daz der houbtman hêt vernomen,
          daz si alle wâren komen,
          und sîn gebot dâ ergie,
          den jungen man er gevie
          bî sîner hant und wîst in dan.
          er sprach: ‘dû bist ein wîser man.
          hâst dû funden disen funt?
          er mac dir wol sîn unkunt.
          er muoz sîn ein wîser man,
          der disen funt gelêren kan.
          dû bist zwâr reht komen,
          daz hân ich von dir wol vernomen.’
          dô sprach aber der houbtman:
          ‘ich wil iuch all wizzen lân,
          wie er her für komen ist.
          ez ist zwâr ein wîser list.
          nu besehet, ob im daz hündlîn
          immer möht getriuwer sîn:
          slüeg er im iezunt ab den fuoz,
          dâ von ez immer hinken muoz,
          ez gieng doch zuo im hin wider.
          swie hart im swüern sîniu glider,
          dannoch ez ungern sæch,
          daz dem herrn leit geschæch.
          dâ von ist ez getriu dem man.
          ich getriuwers niht erkennen kan.
          so ist ungetriu des mannes wîp.
          ob er verlur sînen lîp, –
          wenn er sie umb ir missetât,
          die ir lîp begangen hât,
          sleht, so wolt si, daz im leit geschæch:
          vil gern si daz sæch.
          sô ist der best spilman,
          den al diu werlt geleisten kan,
          daz ist ein frumez jungez kint.
          all die spilliut die nû sint,
          die kunnen sich niht gelîchen,
          daz sag ich wærlîchen,
          einem frumen kindelîn,
          daz liep ist dem vater sîn.’
          dâ mit der houbtman sprach zehant:
          ‘mir daz ist vil wol bekant,
          daz diser wîstuom von dir
          ist niht entsprungen schier,
          wan dû bist ze junc zwâr.
          dâ von solt dû mir sagen gar,
          von wem der rât komen sî;
          sô tuon ich dich sorgen frî.’
                                                                         [nach oben]
           

          [21751-21784]

          Dâ mit diu hûsfrou sprach:
          ‘ich muoz dir briuwen ungemach,
          sol ich daz unmærest sîn.
          nû hân ich doch den vater dîn
          ernert von dom tôt.
          sol ich dar umb lîden nôt?
          hât er daz gerâten dir,
          sô solt dû wol gelouben mir,
          daz im sîn leben wær unkunt.
          riet er dir, daz dû den hunt
          hietst für mînen schœnen lîp,
          man sol in tœten’ sprach daz wîp.
          dô sprach ez der houbtman:
          ‘ir sült daz alle sehen an,
          daz daz wîp mit nœten
          iren man heizt tœten;
          umb disen rât zwâr
          liez si in tœten gar.’
          dâ mit sprach der houbtman:
          ‘ir sült iuch des an mich verlân,
          daz ich iu rât daz beste.
          nement hie in iuwer veste
          disen alten grîsen man,
          der ist wol hie iur houbtman
          und er ist iu wîs genuoc.
          sît niht tumb, ir sült sîn kluoc;
          lât iu in wol gevallen,
          wan zwâr er hât niht gallen.
          nemet in, ich bin ein gast hie.’
          den rât ir ieglîcher gevie
          und lobten in ze stæten
          und volgen sînen ræten.
          dâ mit schiet der houbtman
          von den Rœmærn dan.
                                                                         [nach oben]
           

          [21785-21800]

          Anthonius der wîse man,
          der disen rât hêt getân,
          daz sîn sun wîp, kint und hunt
          hêt getân dem houbtman kunt,
          als er in allen dâ gebôt,
          und er im hêt diu kleinôt
          brâht, diu im gevielen wol,
          und er in ouch hêt für vol,
          und heten in dâ ze houbtman,
          Anthonium den wîsen man –:
          dar nâch wart er genant sus
          von den Rœmærn Augustus
          und lebt ze Rôm unz an den tôt.
          er brâht die Rœmer ûz der nôt.
          ez wart ouch bî im bekant
          ganzer frid über alliu lant.
                                                                         [nach oben]
           

          [21801-21826]

          Daz Rôm ein wîser künic saz,
          der sîns gewaltes niht vergaz,
          der was der gewaltigst man,
          von dem ich gehœrt hân.
          des nam Augustus hiez.
          an gewalt er nieman für sich liez.
          im was diu werlt gar
          undertân, daz ist wâr.
          enhalb mers diu heidenschaft,
          und swaz die juden hêten kraft,
          den wart sîn gewalt bekant.
          ze den zîten man niht kristen vant,
          und was dô geborn dâ
          in Bethlehem Judâ
          Marien sun Jesus Krist,
          als er noch hiut ze himel ist.
          nû jehent di juden, die heiden alt,
          daz von Augustus gewalt
          wær ze den zîten fride guot,
          wan nieman dhein übel tuot,
          daz wær von Augustus gewalt;
          sô sprâchen die pfaffen manicvalt,
          ez sî von Jesus Krist geschehen.
          des wellent si gemein jehen.
          alsô ist ir beider strît
          noch under in ze aller zît.
                                                                         [nach oben]
           

          [21827-21872]

          Hie dishalb mers was ez alsam
          im allez gar ân alle scham
          undertân, als man dâ seit,
          Augusto, für die wârheit.
          er was ein sô gewaltic man,
          daz er alle die hiez lân,
          die gevangen wâren
          bî den selben jâren.
          enhalp unde dishalp mer
          nieman sazt sich ze wer.
          swaz er gebôt, daz muost geschehen,
          des hôrt ich im die wîsen jehen.
          ez was der frid bî im sô ganz,
          daz dhein golt was sô glanz,
          hiet man ez an dem veld lân,
          daz weder wîp noch man,
          nieman getorst gerüeren
          noch fürbaz nindert füeren.
          ez hiez der herr offenbær
          slahen Augustînær,
          als man si noch erkennen mac.
          von golde was diu münze starc.
          man vindet ir ân mâzen vil,
          der si gern koufen wil.
          umb die selben pfenning
          muost ein ieslîch mensch ding
          und muost der pfenning einen geben,
          wolt ez behalten dô sîn leben.
          swelich man vier kint hêt,
          der muost vier pfenning stæt
          geben aller jærlîch,
          er wær arm oder rîch.
          swelich kint man ûz lie,
          dem selben ez an den lîp gie,
          wan man … daz selb kint zehant,
          dem niht pfenninc was bekant,
          ez wær alt oder junc genuoc.
          swer dem künig niht pfenning truoc,
          der muost im lâzen den lîp,
          ez wær man oder wîp.
          ich sag iu, waz der pfenninc wac
          von der münz alsô starc,
          wan er was alsô swær,
          daz in vier Wiennær
          kûm hêten widerwegen;
          den muost man für den künic legen.
                                                                         [nach oben]
           

          [21873-21884]

          Man liset von dem künig daz mær,
          daz er geborn wær
          von sîner rehten swester.
          sîn geburt was dannoch vester,
          daz in der fleischlîch vater sîn
          mit sô heidenischen schîn
          hêt bî der tohter sîn zwâr.
          daz was ketzerlîchen gar,
          daz er was vater unde en
          sîn tohter. nieman wæn,
          daz im iht geschæch als Augustîn,
          oder er müez ein ketzer sîn.
                                                                         [nach oben]
           

          [21885-21908]

          Die herrn wil ich iu nennen,
          daz ir si müget erkennen,
          sumlîch und niht alle –
          besehet, wie ez iu gevalle! –
          wan ich weiz ir aller niht,
          die mit im wârn und hêten pfliht
          und im dienstes wârn undertân:
          die selben ich iu nennen kan.
          der ein hiez Cyrinus.
          den andern nennet man alsus:
          Agrippâ sô hiez sîn nam.
          er was ein man âne scham.
          Cyrinum sant er mit her dan
          in Syriam, daz er gewan
          daz selb lant mit strît.
          in der selben zît
          sant er Agrippam zuo dem Rîn.
          der bout ein stat diu kund niht sîn
          bezzer dann si dô was.
          ir nam ich an dem buoch las:
          er hiez sie nâch im Agrippâ.
          sît wart ir nam verkêrt dâ
          unde wart Köln genant,
          als si hiut ist erkant.
                                                                         [nach oben]
           

          [21909-21918]

          Er schuof daz ein ieslîch man
          muost heim ze lande varn dan,
          dâ er von geborn was.
          wer des niht tet, der niht genas,
          wan er den tôt dâ von muost hân,
          ez wær wîp oder man.
          sô grôzen gewalt der künic hêt,
          wan im nieman widerstêt,
          wan alliu künicrîch
          muosten im dienen gelîch.
                                                                         [nach oben]
           

          [21919-21930]

          Der herr Augustus stiften began
          ein stat, was guot und wol getân,
          wan er des niht enliez,
          nâch sînem namen er sie hiez,
          als si noch hiut gemûret stât.
          swer sie gesehen hât,
          der muoz mir der wârheit jehen,
          daz im alsô ist geschehen.
          Ougsburc wart si genant,
          in Swâben ist si wol bekant.
          als ich dâ vor gesagt hân,
          im was manic lant undertân.
                                                                         [nach oben]
           

          [21931-21950]

          Mir ist daz von im bekant,
          swâ er einen heiden vant,
          der muost varn ze lande
          oder er muost dulden schande
          von im. er muost dâ heim wesen
          oder er lie in niht genesen.
          die zwô und sibenzic zungen,
          die alten und die jungen,
          muosten ze lande kêren,
          wolden si sîn mit êren.
          die juden kêrten ouch hin
          in diu lant durch den gewin,
          daz man in iht leides tæt.
          si fuoren nâch des küniges ræt,
          wan in der künic daz gebôt.
          si vorhten zorn und den tôt.
          des muosten si dannen kêren.
          diu vorht muost si lêren,
          daz sî behielten daz gebot.
          si vorhten in sêrr danne got.
                                                                         [nach oben]
           

          [21951-21990]

          Ze den zîten ze Rome kam
          ein künic der hiez Kosdram
          und hêt ein lant hiez Persyâ,
          wan er was herr dar inne dâ
          und rîchset dâ mit sinnen.
          vil goldes hiez er im gewinnen
          und machet einen turn guldîn,
          dâ wolt er herr dar inne sîn.
          diu venster hiez er ergraben
          mit kriechischen buochstaben,
          und schôn mit edelm gesteine
          wiern. die siul gemeine
          hiez er ziern mit flîze.
          von berlînn alsô wîze
          was daz gesedel dar inne.
          er lie im niht zerrinnen
          weder golt noch gestein.
          er hiez ez machen rein.
          swer ez solt mit ougen sehen,
          der jach, im wær reht geschehen.
          hundert meister wol getân
          muosten dâ mit umbe gân,
          daz allez goltsmid wâren
          bî den selben jâren.
          wil ich sîn hœhe mezzen,
          des kan ich niht vergezzen:
          er was sehzic ellen hôch.
          daz volc zuo dem turn zôch.
          swem von dem turn wart geseit
          und von sîner schônheit,
          der wolt niht erwinden,
          man muost in dâ vinden.
          ich kund an dem turn spehen,
          daz nieman moht den turn sehen:
          swann diu lûter sunne
          schein dar an mit wunne,
          sô moht von dem glast zwâr
          nieman reht den turn gar
          sehen mit den ougen an,
          sô wunniclîch was er getân.
                                                                         [nach oben]
           

          [21991-22000]

          Dô der turn bereitet wart,
          dô wart niht lenger gespart,
          er hiez ein zarge silberîn
          umb den turn guldîn
          machen dâ mit sinne.
          an ieslîcher zinne
          lac edelz gestein,
          dâ diu sunne an schein.
          diu porte was von golde,
          als er sie machen wolde.
                                                                         [nach oben]