JANS DER ENIKEL, Weltchronik.
    Seite 18: Baltasar, Susanna, Darius

    Nach der Ausgabe von Philipp Strauch.
    Digitalisiert von Angus Graham.
    Seite erstellt von Graeme Dunphy.

    Seite  enthält die Abschnitte:

       
         
           
          [18065-18114]
          [18115-18136]
          [18137-18164]
          [18229-18258]
          [18259-18296]
          [18297-18342]
          [18343-18372]
          [18373-18410]
          [18411-18436]
          [18437-18474]
          [18475-18504]
          [18505-18520]
          [18521-18546]
          [18547-18574]
          [18575-18600]
          [18601-18632]
          [18633-18644]
          [18645-18682]
          [18683-18720]
          [18721-18746]
          [18747-18780]
          [18781-18818]
          [18819-18848]
          [18849-18868]
          [18869-18890]
          [18891-18922]
          [18923-18944]
          [18945-18976]
          [18977-18996]
          [18997-19030]
          [19031-19056]
          [19057-19110]
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          [18065-18114]

          Dô die vogelære
          erhôrten die mære,
          dô begundens gâhen,
          die vogel all vâhen,
          und rihten âne swære,
          die selben vogelære,
          ûf daz velt über al,
          dâ von si viengen âne zal
          der gîr und der raben vil;
          daz was zwâr irs herzen spil.
          dô si ir vil geviengen,
          für den künic si dô giengen.
          si sprâchen: ‘herr, wir haben brâht,
          als dû dir hetest gedâht.’
          des nam mangen wunder:
          die vogel hiez er besunder
          lâzen in ein stuben grôz.
          die vogel dâ vil sêr verdrôz,
          wan er sich hêt vermezzen,
          er liez si niht ezzen
          nâch des buoches sag
          biz an den dritten tac.
          dem fleischhacker er gebôt,
          ob er niht wolt ligen tôt,
          daz er dem tôten vater sîn
          tæt mit der hacken schîn,
          daz er des meister wære.
          daz dûht in vil swære,
          wan er hiez den tôten rücken.
          er sprach: ‘slach in ze stücken,
          disen lîchnamen!’
          des begund sich schamen
          diser fleischhackære,
          wan ez was im ein swære,
          daz er einen tôten man
          solt mit der hacken bestân.
          der künic aber wider in sprach,
          der dâ hiez Evilmerodach:
          ‘slach in zuo drîn hundert stücken.
          dû solt in ûf rücken
          nâch dînem willen, swâ dû wil,
          wan diser lîchnam hât mir vil
          leides hie getân,
          dô er kom von wald gegân;
          dâ wânt ich in hân verlorn –
          dô kom er schier, daz tet mir zorn.
          also hân ich noch gên im wân,
          ich fürht, er well ûf stân.
          dâ von mach mich des wânes frî,
          zerstück in, als lieb ich dir sî.’
                                                                         [nach oben]
           

          [18115-18136]

          Dô der fleischhackære
          erhôrt disiu mære,
          do zerworht er in dâ ze stet,
          als der künic gên im ret;
          ze drîn hundert stücken man in sluoc,
          diu stück man dô für in truoc.
          dô hiez der künic gâhen,
          die raben ûz der stuben vâhen
          und die gîr alsô grôz.
          den künic dô niht verdrôz,
          er hiez den vogeln gemein
          diu stück werfen niht ze sein.
          die vogel nâch des buoches sag
          wârn völliclîch drî tag
          allsamt ungâz beliben,
          vor hunger wârn si nâch zerkliben.
          dô wurden si vil freudenrîch,
          dô man in gap stück gelîch.
          ir ieslîcher ez mit freuden nam
          und flugen hin, als in wol zam,
          und âzen gemeine,
          die vogel grôz und kleine.
                                                                         [nach oben]
           

          [18137-18164]

          Dô daz der künic von in ersach,
          ûz grôzen freuden er dô sprach:
          ‘ich sich mînen vater frezzen
          und in die vogel ezzen:
          dâ von bin ich freudenrîch;
          im wirt niemêr mîn rîch.
          die vogel habent von im gewin,
          ieglîcher hât sîn stück hin.’
          dô sprach der künic wol getân:
          ‘mîn rîch mac mir wol bestân.
          wie hêt er mich verdrungen
          und mir an gewunnen
          ditz künicrîch gemeine!
          ich fürht in nû vil kleine,
          sît in die vogel hânt von mir brâht.
          ich hêt mich sîn wol verdâht:
          er mac zwâr nû niht ûf stân,
          die vogel hânt in gefüeret dan.
          wie lief er als ein tôr,
          mîn vater Nabuchodonosôr!
          er muoz mir nû daz rîch lân,
          wan ich hân ez understân,
          daz er mich von dem rîche
          niht trîbt gewalticlîche.
          dâ von mac ich ân angst sîn,
          wan er ist gâz der vater mîn.’
          dar nâch lebt er unlange zeît,
          daz in der tôt nider leit.
          Dar nâch rîchsen began
          in Babylonia ein man,
          der was geheizen Balthasar;
          mit grôzem gwalt lebt er gar.
          er hiez ein bethûs machen
          mit seltsænen sachen.
          ein abgot er dar inn êrt,
          daz volc er allez dar zuo kêrt.
          er hiez mit sînen sinnen
          zwelf meister gewinnen
          und macht daz bethûs schône,
          daz nie dhein künic sîn krône
          mit gestein sô wol gezieret,
          also der palast was gefurrieret;
          von gold hêt ez ein michel schar.
          dô sprach der künic Balthasar:
          ‘vil meisterscheft muoz hie geschehen!
          mîn abgot lâz ich nieman sehen
          wan di zwelif di sîn süllen pflegen.
          di andern lâz ich under wegen,
          si wellen dann opfer bringen,
          sô lâz ich si wol dingen
          und lâz si in den palast guot,
          sô wirt mîn abgot wol gemuot.
          ein schœniu siul mermelîn
          muoz ze reht dar inne sîn
          mitten in dem palast,’
          der dâ sô schôn was verglast
          dem abgot dâ ze êren,
          sîn lop dar inne mêren.
          si was gezieret schône.
          von gold, von stein ein krône
          muost oben ûf der siul sîn,
          ûf der siul mermelîn.
          diu krôn was vier ellen breit.
          zwâr an der selben zeît
          was ir hœch gemezzen,
          des kan ich niht vergezzen,
          si was fünfzehen ellen hôch.
          vil tiufel zuo der siulen zôch
          und sazten daz abgot schôn in.
          daz dûht si ein guot sin,
          daz ez gewalticlîche
          redet mit dem künig rîche.
          swann er ez frâgen begund,
          ze einer ieslîchen stund
          antwurt ez aller wörticlîch
          nieman dann dem künig rîch
          und den die sîn pflâgen.
          nieman mêr wolt ez sagen
          dhein red noch botschaft;
          daz geschach von des tiufels kraft,
          der künic wider di zwelf sprach:
          ‘mîn abgot hât guoten gemach
          für all diu ich hân gesehen,
          des muoz ich von der wârheit jehen.
          nû trahtet, lieber meister mîn,
          ob ez müg ân schaden sîn,
          umb einen wunderlîchen sit,
          der im var ân schanden mit,
          daz chein abgot tuo;
          daz trahtet spât und fruo.
          dar umb wil ich iuch rîchen,
          daz wizzet sicherlîchen.’
                                                                         [nach oben]
           

          [18229-18258]

          Dô ieslîch meister dâ erhôrt
          des küniges red und sîniu wort,
          do gedâht er ân widerstrît
          einer wunderlîchen hôchzît.
          si hiezen bereiten zwelf tisch,
          dar ûf hüener unde visch
          und dar zuo manig frömd spîs,
          sprach under in ein man grîs.
          ‘heizt die spîs sieden und brâten,
          sô mac daz abgot uns berâten.’
          si wârn vrô und wol gemuot.
          si hiezen in den palast guot
          die tisch setzen alsô rîch.
          daz sag ich iu sicherlîch,
          die tisch wârn von gold
          geworht, als der künic wold;
          diu tischgestell alsam,
          wan ez dem rîchen künig zam.
          ez wârn die tisch mit flîz
          gedecket schôn mit pfellen wîz:
          di wârn mit lîsten gezieret,
          mit gold, mit gestein gefurrieret.
          also wârn verdaht die tische.
          hüener, hasen, vische,
          rephüener gesoten und gebrâten,
          dâ mit wârn die tisch berâten.
          semel wîz sam diu sunne
          lâgen ûf dem tisch ze wunne,
          dar zuo met unde wîn
          muost ûf dem tisch sîn.
                                                                         [nach oben]
           

          [18259-18296]

          Dô ez allez wart bereit,
          dô trahten si mit kündicheit,
          wie si den künic betrugen
          und im daz guot ab erlugen.
          si funden einen kluogen sin:
          ein luoc under dem palast hin
          hiezens graben sicherlîch;
          do betrugen si den künic rîch.
          si gruoben ein luoc unz an ein eck.
          einen stein als drî weck
          nâmen si in dem eck ûz.
          daz meil merkt nieman umb ein grûz;
          alsô kündic was ir lîp,
          wan ez maht man noch wîp
          daz luoc niht erkiesen
          noch in ir kunst verliesen.
          des wârn si dô âne swær.
          di zwelf meister êrbær
          begunden daz wol helen
          und ûz dem palast stelen
          die spîs alle bî der naht,
          als si vor heten gedâht,
          hüener, wîn und vische.
          si sazten ûf die tische
          diu vaz alsô lære,
          dâ von si hêten swære.
          si sprâchen dem künig zuo
          beidiu spât unde fruo,
          in wær daz wol bekant,
          daz abgot næm ez in die hant
          und æz ez sicherlîche.
          dô sprach der künic rîche:
          ‘daz hân ich gehœret nie.
          wol mich daz ich den palast ie
          gezieret mit dem abgot!’
          ez was zwâr der zwelfer spot,
          die in betrugen ze der zît
          in dem palast wît.
                                                                         [nach oben]
           

          [18297-18342]

          Dô sprach der künic unverzeit:
          ‘ich muoz besehen die wârheit,
          daz si mich iht betriegen
          noch daz abgot an liegen.
          zwar ez muoz mir sîn bekant.
          ich wil selp mit mîner hant
          sperren den palast und pflegen,
          mîn insigel dar an legen,
          sô mac man mich betriegen niht;
          der zwelfer wârheit man dâ siht.’
          nieman west dô daz luoc,
          dâ man di spîs ûz truoc
          unde dâ man gap her für.
          der künic huot selp der tür.
          dô er zuo dem slozze sach,
          wider sich selb er dô sprach:
          ‘ich sich selp die wârheit.
          swem ez sî liep oder leit,
          mîn abgot ist genâden vol,
          daz weiz ich von der wârheit wol.’
          zuo dem tisch nam er goum.
          er sprach: ‘ez ist niht ein troum.
          slaht mir die grôzen sumber!
          ist ieman dâ sô tumber,
          der zuo mîner hôchzît niht
          kümt, ich sag waz im geschiht:
          zwâr er muoz mir lân den lîp.
          dar kom man unde wîp
          und dar zuo kleiniu kint!’
          er sprach: ‘alliu diu mir sint
          hie zwâr undertân,
          diu süllen zuo der siulen gân
          und süllen dâ ir opfer legen,
          wellen si mîns abgots pflegen.
          swer des selben niht entuot,
          der muoz sehen sîn eigen bluot
          wærlîch mit grôzer nôt,
          er muoz hie ligen tôt
          in Babyloni, daz ist wâr.’
          dar kom geriten manic schar
          und sümlîch gegangen.
          swelich niht wolt hangen,
          der muost sîn opfer schôn
          legen zuo der guldînn krôn,
          dâ daz abgot inne saz;
          ze êren tet man im daz.
                                                                         [nach oben]
           

          [18343-18372]

          Dar nâch der künic an der zît
          hiez sagen in diu lant wît,
          swer guot von im wolt enpfâhen,
          der solt zuo sînem abgot gâhen.
          dô kom geriten und gegân
          ûz frômden landen manic man
          in sînen palast guot;
          des wart der künic wol gemuot.
          er gap in edliu kleider guot,
          des wurden si mit freuden fruot.
          mit spîs hiez er ir pflegen
          er macht dâ mangen swertdegen
          dem abgot ze êren,
          sîn lop dar inne mêren.
          daz wart geseit in ein lant
          einem hôhen künig bekant,
          daz was geheizen Persyâ,
          zwâr dem rîchen künig dâ:
          der selb künic hiez Cyrus,
          die pfaffen nennent in alsus.
          er hêt vernomen daz mær,
          daz in Babyloni wær
          ein abgot, dem dient manic schar,
          daz hiet ein künic hiez Balthasar
          gemachet sicherlîche;
          ez was unmâzen rîche.
          er sprach: ‘ich muoz dar,
          muoz sehen des küniges schar,
          ob sîn abgot müg sîn pflegen
          und sîn hüeten vor den slegen.’
                                                                         [nach oben]
           

          [18373-18410]

          Dô wart niht lenger gespart,
          er hiez rüefen hervart
          unde huop sich alsô schôn
          hin ze Babylôn
          und reit zuo dem palast,
          daz dâ schôn was verglast.
          dâ vant er mit sinne
          den rîchen künic inne,
          wan er hêt schôn hôchzît
          in dem palast wît.
          zuo im dranc her Zirus.
          er sprach: ‘ich muoz hie alsus
          iuren abgot êren,
          sîn lop wil ich mêren.
          ich wil daz rîchest opfer legen
          und wil des abgots selber pflegen.’
          mit im dranc manic schar.
          er sprach: ‘got weiz, her Balthasar,
          iur houbt wil ich opfern hie.’
          bî dem hâr er in vie
          und sluoc im ab alsô schôn
          den kopf mit der krôn,
          daz er fuor sam ein schîb
          dâ von sînem lîb.
          er hiez balde gâhen,
          die liut alle vâhen,
          und zerfüert Babiloni gar,
          daz sagt uns daz buoch zwâr.
          die siul hiez er zerbrechen;
          daz abgot wolt niht sprechen.
          die tiufel fuoren iren wec
          über strâz und über stec.
          Cyrus der künic rîch
          der fuor gewalticlîch
          ze Persyâ in daz lant.
          dâ wart manigem dô bekant,
          daz er Babylonja zwâr
          bræch und zerstœret gar.
                                                                         [nach oben]
           

          [18411-18436]

          Er hêt ein wunderlîchen sit,
          der volget im ze allen zîten mit:
          swan er hêt ein schœn wîp,
          diu im liep was sam der lîp
          und diu ein kint bî im truoc,
          daz im liep was genuoc,
          dô wânt er ân widerstrît,
          ez möht ze dheiner zît
          zuo ir komen dhein man tougenlîch,
          der mit ir wurd freudenrîch:
          ich mein zuo dem bettespil.
          ich muoz hœrn, ich red ze vil,
          wan ieslîch wîp unde man
          der red sich wol kan verstân.
          swie liep im kund ein wîp sîn,
          diu dâ hêt sô liehten schîn,
          diu bî im ein kint truoc,
          der wart er vînt genuoc
          und hiez sie tœten an der stet.
          mit sînem schaffer er daz ret,
          daz er sie füeret balde
          und sie tœtet in dem walde.
          daz tet der schaffær zehant.
          mit michelm jâmer er sie bant
          und tôt sie an der stunt;
          der jâmer wart ir kunt.
                                                                         [nach oben]
           

          [18437-18474]

          Ze einen zîten daz geschach,
          daz er zuo dem schaffer sprach:
          ‘tœtt ditz wîbelîn,
          ez mac bî mir niht lenger sîn,
          si hât ein kint bî mir getragen.’
          dô wart ein jæmerlîchez klagen
          von allem hofgesinde;
          daz klagt daz wîp geswinde,
          wan si was schœn und tugenthaft
          und hêt an tugent sölich kraft,
          daz si sie klagten sêre.
          doch muost der schaffær durch sîn êre
          die frouwen gegen wald füeren
          an seilen und an snüeren.
          im was der walt aller kunt.
          mit im sô lief ein jagehunt.
          er sprach: ‘frou wol getân,
          ir müezt mir iuwer leben lân.’
          si sprach: ‘schaffer lieber, nu sprich,
          waz hân getân ich,
          dar umb ich hie gib den lîp?’
          sô sprach daz tugentlîch wîp.
          ‘ez ist mînes herren sit,
          der volgt im ze allen zîten mit;
          doch welt ir mir genædic wesen,
          ich wil iu helfen genesen.’
          si sprach: ‘schaffær hêre,
          tuot an mir iur êre.’
          zehant vie er den hunt
          und sneit im ûz sînem munt
          die zungen sicherlîche.
          er sprach: ‘küniginne rîche,
          sitzt dâ her in den boum.
          ich wil iuwer nemen goum
          mit trinken und mit spîse,’
          alsô sprach der grîse.
          die zungen truoc er dem herren hin,
          daz dûht in ein schœn gewin.
                                                                         [nach oben]
           

          [18475-18504]

          Dar nâch stuont ez unlanc,
          unz den künic diu minn twanc.
          er hiez im gewinnen ein wîbelîn.
          der schaffer sprach: ‘daz sol sîn.’
          dô wîset er zuo sînem lîp
          frîlîch daz êrer wîp.
          des morgens dô ez tagte,
          den herren er dô frâgte,
          wie im geviel des wîbes lîp.
          er sprach: ‘si tuot reht als daz wîp,
          daz dû hâst ertœtet mir.
          wær si niht tôt, ich swüer des schier,
          daz si diu selb wære.’
          dô seit er im daz mære.
          er sprach: ‘swie ez mir süll ergân,
          ich muoz hie in schulden stân.
          ez ist reht daz selb wîp
          und ir flætiger lîp,
          die ir mich hiezet tœten
          mit angsten und mit nœten.’
          dô sprach der herr an der stat:
          ‘mich nieman sô wol gehandelt hât
          sô dû; des muost dû haben êr.
          ich wil sie haben immer mêr.
          si hât ein reineclîchen muot,
          ich wil sie haben in mîner huot.
          ich wânt des ûf di triu mîn,
          swie schœn ein wîp möht gesîn,
          trüeg si ein kint, si wær enwiht:
          nû sich ich wol, des ist niht.’
                                                                         [nach oben]
           

          [18505-18520]

          Ez hêt ouch der schaffær
          der küniginn geringt ir swær
          an der selben zît.
          er wîst si in ein kemnât wît –
          daz muost geschehen bî der naht,
          als er im vor hêt gedâht –
          und hiez ir bat dâ machen
          mit seltsænen sachen;
          mit wurzen und mit krût
          hiez er ir strîchen ir hût,
          daz si dô wart minniclîch getân,
          dô si gên bett solt gân,
          dâ der künic an lac.
          des gewan si lieben tac,
          wan si im liep was âne wân,
          als ich iu vor gesaget hân.
                                                                         [nach oben]
           

          [18521-18546]

          Der künic hêt einen sit
          dâ er sich leit den liuten mit:
          swann im ein guot scherær
          solt scheren âne alle swær,
          dem künig Cyrus,
          sô hiez er in tœten sus,
          sô er den bart hêt geschorn –
          wan er hêt dick gesworn,
          ez möht nieman die mær
          wizzen, von wiu ez wær,
          daz er hiez mit nœten
          di scherer alle tœten –:
          des muost er ungeschorn sîn.
          er sprach zuo sînem schaffer: ‘dû bist mîn,
          ich wil des niht enbern,
          dû muost mir mînen bart schern.’
          daz was dem schaffære
          ein vil leidez mære.
          er sprach: ‘herr, ich kan sîn niht.
          swaz halt mir dar umb geschiht,
          daz muoz ich allez lîden:
          daz schern wil ich vermîden.’
          dô hiez der künic gâhen,
          den schaffær vâhen.
          er sprach : ‘dû unsælic man,
          dû muost mich tuon des bartes ân.’
                                                                         [nach oben]
           

          [18547-18574]

          Der schaffer dô gevangen lac
          biz an den dritten tac.
          dô gie diu frou schanden lær
          hin für den karkær.
          ‘schaffer, bist dû dar inne?’
          sô sprach diu küniginne.
          er sprach: ‘liebiu frou mîn,
          nû tuo mir dîn hilfe schîn
          und gedenket dar an,
          daz ich iuch ernert hân,
          küniginne rîche;
          ich dienstes iu niht entswîche.
          ringet mir mîn swære
          und frâgt den künic der mære,
          wâ von daz an im müg sîn –
          des bit ich – durch den willen mîn –,
          daz ir mir ervart,
          wâ von er umb sînen bart
          hab den tôt ûz erkorn,
          sô im ein man hab geschorn,
          daz er in dann mit nœten
          zehant heizt tœten.
          daz ervart mir, liebiu frou mîn,
          iur eigen wil ich immer sîn.’
          zehant gelobt im diu frouwe daz.
          si sprach: ‘gehab dich dester baz!
          mir muoz ez sicherlîche
          sagen der künic rîche.’
                                                                         [nach oben]
           

          [18575-18600]

          Des nahtes dô si ze bett gie,
          mit armen si in umbevie.
          si sprach: ‘edel künic hêr,
          woldest dû niht zürnen sêr,
          ich wold dich biten einer bet,’
          alsô si gegen dem künig ret.
          dô sprach der künic: ‘frou mîn,
          lâz mich hœrn die bet dîn,
          ich sag dir lieb und smerzen,
          swaz ich weiz in dem herzen,’
          diu frou zühticlîchen sprach:
          ‘ich west gern den ungemach,
          den dû hâst umb den bart dîn,
          daz dû vînt muost sîn
          der dir den bart ab schirt,
          daz dîn zorn unsælic wirt.
          dâ von west ich gern die mær,
          von welhen sachen daz wær.’
          der künic sprach: ‘daz wil ich dir sagen,
          wan ich mac dir sîn niht verdagen:
          swenn man mir in halben geschirt,
          daz er dann niht verbirt,
          er heiz mich umb kêren.’
          zehant begund [si] mit êren[,]
          diu frou gegen im lachen,
          dem künig freude machen.
                                                                         [nach oben]
           

          [18601-18632]

          Des morgens dô ez tagte,
          diu frou dem schaffer sagte,
          als ir der künic hêt geseit.
          si sprach: ‘lâ dir niht wesen leit:
          schir morgen sicherlîche
          dem edeln künic rîche.
          dîn triu wil ich dir gelten.
          ich vergizz des selten,
          daz ich von dir hân mînen lîp,’
          sô sprach daz tugenthaft wîp.
          zehant der schaffær vrô wart.
          si sprach: ‘sô dû im den bart
          einhalp hâst geschorn,
          sô lâ dir niht sîn sô zorn,
          daz dû in mit êren
          heizest in hin umb kêren.
          dû solt, schaffer wol geborn,
          sprechen: ‘iu ist einhalp geschorn,’
          und hab dîn hend für dich.
          di red schôn in zühten sprich,
          sô mac dir gewerren niht,
          wan diu sæld hât mit dir pfliht.’
          des danct der schaffær sêre
          der frouwen alsô hêre,
          wan er des morgens tet
          als diu frou hêt geret.
          dô daz der künic von im ersach,
          gegen dem schaffer er dô sprach:
          ‘dâ ist diu frou schuldic an,
          ez west ân sie nieman.
          si hât ernert dînen lîp,
          daz vil tugenthaft wîp.’
                                                                         [nach oben]
           

          [18633-18644]

          Dar nâch lebt er mangen tac,
          als ich für wâr gesprechen mac.
          mit urliug und mit strît
          fuor er nâhen unde wît
          mangen tac unde jâr;
          sîn herz was zornvar.
          dar nâch Cyrus offenbâr
          in Babyloni, daz ist wâr,
          saz ze geriht hêrlîchen,
          er riht dem arm, dem rîchen.
          daz wart mangem bekant,
          daz man guot geriht bî im vant.
                                                                         [nach oben]
           

          [18645-18682]

          Ze den zîten was ein man,
          als ich von im gelesen hân,
          er was Joachym genant;
          für einen frumen man erkant
          was er ze der selben zît.
          ein hûs michel unde wît
          hêt er und ein gertelîn,
          daz stiez an daz hûs sîn.
          er hêt ouch ein schœn wîp,
          zühtic und rein was ir lîp,
          diu was genant Sussannâ.
          ez was ouch in dem hûs dâ
          stæt der herren teidinc;
          doch hêt ein altman sîn gerinc
          geleit an die frouwen guot,
          dâ von truoc er ir holden muot.
          eines tages sich ergienc
          zwâr daz grôz burcteidinc.
          dô was ouch der juden sit,
          dâ si ir ê behielten mit:
          swâ geschach under in ein huor,
          ir ieslîcher dar umb swuor,
          er wurf ûf ez einen stein.
          si jâhen, ez wær unrein,
          ez wær wîp oder man;
          swer überhügen began,
          daz wær dem andern unrein;
          dâ von ir ieslîchz einen stein
          warf ûf daz selb hin,
          daz was ir will und ir sin.
          si hêten zwên man dar zuo
          gesazt spât unde fruo,
          daz si des selben jâhen,
          swâ si den huor sâhen
          oder swâ ez in wart geseit,
          daz dem huorer von im leit
          geschæch an der selben zît,
          wan si truogen gên im nît.
                                                                         [nach oben]
           

          [18683-18720]

          Nû lâz wir die red stân
          und grîfen zuo der frouwen an,
          diu dâ Sussannâ hiez.
          ir reincheit des niht enliez,
          si bereitet sich bî der zît,
          daz si in iren boumgarten wît
          gienc zuo einem ursprinc.
          vil rein was der frouwen dinc.
          si twuoc ir hende, ir antlütz,
          daz was ir zuo der reincheit nütz.
          daz hêt der altman ersehen
          unde kunt daz von ir spehen,
          daz si des morgens tougenlîch
          gienc in den garten wunniclîch,
          wan si hêt des guoten sit,
          der volget ir ze allen zîten mit,
          daz si ein gie
          und nieman mit ir lie.
          der altman begund umb sie werben;
          vor leid wolt er sterben,
          sô er umb ir minne ret,
          daz si des gegen im niht entet.
          er gedâht in sînem muote:
          ich muoz ir legen huote,
          sô si in den boumgarten gêt,
          und als si dar inne stêt,
          sô muoz ich sie behuoren.
          an ein ander si des swuoren,
          die des rehten pflâgen –
          die begund des niht betrâgen –:
          ‘dô si des morgens zît
          gie in den boumgarten wît,
          sô süll wir reht werden enein,
          daz under uns zwein.
          einer lig bî ir schôn
          und er dem andern des lôn
          mit einer semlîchen tât;’
          alsô was ir beider rât.
                                                                         [nach oben]
           

          [18721-18746]

          Eines morgens kom diu frou gegân
          in den garten wol getân.
          si gie schôn alsô balt
          zuo dem brunnen, der was kalt.
          dô wârn die alten man
          über des garten zûn gegân
          und warten der schœnen frouwen dâ
          und kômen gegangen zuo ir iesâ.
          der ein sprach: ‘frou wolgetân,
          ir sült mich geniezen lân,
          daz ich iu bin mit triuwen holt
          und ir mir lieber dann golt.
          ich muoz hiut bî iu ligen hie,
          oder ich sag iu, wie
          iurem schœnen lîb geschiht.
          zwâr des lâz ich niht,
          ich sag vor dem teidinc,
          daz zwâr ein jüngelinc
          bî iu hie sî gewesen;
          zwâr sô mügt ir niht genesen.’
          di frou zühticlîchen sprach:
          ‘und sol ich lîden ungemach
          vor disem teidinc
          umb unschuldigiu dinc,
          sô wil ich doch got jehen,
          daz ez umb unschuld ist geschehen.’
                                                                         [nach oben]
           

          [18747-18780]

          Dô der altman dâ erhôrt
          der genæmen frouwen wort,
          dô griffen si sie beid an.
          diu frou rüefen began.
          si ruoften michel mêr.
          doch was der frouwen herzensêr
          grôz, und begund sich roufen.
          dô kom daz volc geloufen
          unde sprâchen: ‘frou, ir tobt!
          iuwer unzuht nieman lobt.’
          diu frou sprach bermclîche:
          ‘ich klag iu allen gelîche,
          daz die zwên altman
          wolden iren willen mit mir hân.’
          di alten jâhen: ‘wir sagen iu reht:
          ez was zuo ir ein schœner kneht
          komen ûf dise heide;
          daz understuond wir beide,
          daz ir will niht ergie.’
          die frouwen man dô vie.
          alsô seit uns daz getiht,
          daz man sie fuort für geriht.
          die alten frâgt man mære,
          wie der froun geschehen wære.
          dô jâhen si ûf ir eit,
          ez wær diu reht wârheit,
          ez wær ein junger man
          von ir ûz dem garten gegân,
          der wær bî ir gelegen;
          ez wær ein junger swertdegen.
          dô ruoften die liut alle
          mit einem grôzen schalle:
          ‘man sol sie füeren für die stat
          und sol sie versteinen drât.’
                                                                         [nach oben]
           

          [18781-18818]

          Dô fuort man sie drât
          her ûz für die stat;
          dâ lief daz volc allez nâch.
          ein brûner roc was ir dach,
          dar ûz sô lûht si als diu sunn;
          ir reincheit was gotes wunn.
          dô truoc man ein kindelîn
          gên der frouwen liehten schîn,
          daz hêt dannoch niht geret,
          dâ von got ein zeichen tet.
          ez sprach: ‘ir sült mir sagen snel’ – –
          ez was genant Daniel
          und wart ein wîssag sicherlîch;
          daz wolt got von himelrîch,
          daz er dô wart bekant,
          daz man in wîssagen nant,
          wan er die wârheit seit
          swem ez wær liep oder leit.
          dô er die frouwen êrst sach,
          er frâgt, waz ir wær ungemach.
          daz seit man im reht.
          er sprach: ‘man tuot ir unreht.
          daz bewaer ich swie ich sol,
          wan si ist aller tugent vol.’
          dô wundert die liut gemein,
          daz daz kindel alsô klein
          in die wârheit hêt geseit
          und die lug gar verdeit.
          dar nâch sprach daz kindelîn:
          ‘ir herrn, welt ir mir volgent sîn,
          sô füert die frouwen wider in,
          zwâr daz ist an iu ein sin.
          ich lâz iuch sehen wunder.
          heizet mir die man besunder
          legen, ich lâz iuch nemen war,
          daz si lugenlîchen gar
          die frouwen habent an geseit,
          wan ez ist lug und niht wârheit.’
                                                                         [nach oben]
           

          [18819-18848]

          Dô legt man si besunder.
          er sprach: ‘nû hœret wunder!
          heizet mir einen für mich gân!’
          daz wart vil schier getân.
          er sprach: ‘wâ schuof der jüngelinc
          mit der frouwen sîniu dinc?’
          er sprach: ‘under einem klêboum.’
          er sprach: ‘ez ist dir ein troum.
          heiz mir den andern her gân.’
          er sprach: ‘waz hât diu frou getân,
          daz sag bî dîner wârheit.’
          er sprach: ‘daz sî dir geseit
          vor disen liuten lût:
          si was eines jungen brût.
          under einem pflûmboum,
          dâ nam ich ir beider goum.’
          dô sprach Daniel daz kint:
          ‘seht, wie si an den lugen sint!
          nû sol an disen zwein ergân,
          daz si erliten solt hân,
          des sint si wærlîch wol wert.
          der frouwen lîp niht bôsheit gert,
          wan si ist ein reinez wîp,
          si hêt einen tugenthaften lîp.’
          dô wart her Joachim vrô,
          und lobten got von himel dô
          sîner êren manicvalt;
          si wart bî im in freuden alt.
          zehant wurdens beide
          versteinet ûf der heide.
                                                                         [nach oben]
           

          [18849-18868]

          Dar nâch sag ich iu besunder,
          an im geschach ein wunder
          von einer küniginne,
          diu hêt wîs sinne
          unde was ân mâzen frum.
          in einem land Amazonum
          dar inne was diu frouwe zwâr,
          die liut dienten ir vil gar.
          mit herzen und mit sinne
          was si dâ küniginne.
          Zirus wolt si vertriben hân,
          daz wart der künigin kunt getân.
          dô leit si sich an widerstrît
          gegen im an daz velt wît
          mit vil degenlîcher wer;
          si hêt dâ ein grôzez her.
          Zirus hêt gegen ir brâht
          manic schœn ros verdaht
          und hêt ouch dâ ein grôz her;
          ez was nâhen bî dem mer.
                                                                         [nach oben]
           

          [18869-18890]

          Des morgens dô ez tagte,
          der frouwen man dô sagte,
          daz Cyrus wær mit sînem her
          gestapft gên ir an daz mer.
          diu frou gegen im kêrte,
          als sie ir frümcheit lêrte.
          dâ wart vil degenlîch gestriten
          nâch ritterlîchen siten.
          diu küniginne den sic gewan.
          Cyrus flôch von dan;
          doch was ein ritter unverzeit,
          der selb den künic Cyrus jeit.
          daz sach diu künigin wol getân.
          si sprach: ‘her ritter lobesam,
          lâ dir in niht entrinnen;’
          also sprach diu küniginne:
          ‘ich wil dir lîhen unde geben.
          slach in, dû junger swertdegen!
          waz dir êren hie geschiht!
          lâz in von dir niht!
          dar umb wil ich dich rîchen,
          daz wizz sicherlîchen.’
                                                                         [nach oben]
           

          [18891-18922]

          Dô der jünglinc erhôrt
          der werden küniginne wort,
          dô sprach er gên dem künig sus:
          ‘got weiz, her Cyrus,
          ir müezt mir lâzen iuwern lîp.
          mich hât daz tugenthaft wîp
          gemant an mîn werdicheit,
          daz mir daz wær von herzen leit,
          ob ir mir solt entrinnen.’
          er gap im sour minne
          mit dem kolben an den nac,
          daz er nimmer mêr den tac
          gesach. do viel er zuo der erde nider.
          ein wort sprach er niht sider,
          wan er leit grôz nôt.
          er lac ûf der wal tôt
          und hêt verlorn lîp und lant.
          den helm er im ab bant.
          daz houbt er im ab sluoc,
          für die frouwen er ez truoc.
          er sprach: ‘liebiu frou mîn,
          ir mügt nû wol ân angst sîn.
          seht! hie ist her Cyrus!
          erslagen hân ich in alsus.’
          dô wart diu frou vrô,
          daz ir wol was gelungen dô.
          die sînen wurden gevangen,
          ez was in übel ergangen.
          sumlîch wurden erslagen.
          waz sol ich mêr dâ von sagen?
          vil lützel kom ir von dan,
          er was sælic der dann entran.
                                                                         [nach oben]
           

          [18923-18944]

          Dar nâch rîchset alsus
          ein künic, hiez Darius,
          mit hôhen êren iesâ
          in dem land ze Persiâ.
          der hêt ouch gerîchsent sus
          mit dem künig Cirus.
          Alexander het dô vernomen,
          wie Cirus ze velt wær komen
          gegen der küniginne guot
          und wie man dâ in bluot wuot
          an der selben zît;
          daz geschach von dem strît.
          daz hôrt er dô sagen,
          daz Cirus wær erslagen,
          und daz die sînen gevangen wâren
          bî den selben jâren;
          sümlîch wurden erslagen:
          daz hôrt Alexander sagen.
          dar nâch schuof der gewær
          her Alexander,
          daz der künic Darius
          wart von im erslagen sus.
                                                                         [nach oben]
           

          [18945-18976]

          Dar nâch rîchsen began
          ein vil gewaltiger man,
          der was genant Alexander,
          vil wunders begie er.
          Macedonia hiez sîn lant,
          dar inne er herr was genant;
          diutsch sô heizt ez Kriechen.
          er macht dô mangen siechen.
          er stiftet Alexandri[n]am,
          nâch im gewan si den nam.
          gewaltiger künic nie wart gesehen
          als er dô was, des muoz ich jehen.
          er zerfuort Cyrum die stat,
          wan in des sîn wille bat,
          Persiâ und Porrum
          und den künic Ethiopum:
          daz betwanc er allez gelîch,
          enhalb meres alliu rîch.
          er was kec unde frum,
          daz er den künic Darium
          sluoc gar ân widerstrît.
          er betwanc manigen künic sît;
          den êrsten Darjum mein ich niht.
          ez was ein wunderlîch geschiht,
          daz er den andern dô sluoc,
          wan in sîn will dar zuo truoc.
          er betwanc ouch gelîche
          alliu künicrîche
          unz an daz paradîs.
          er wær junc oder grîs,
          er muost im wesen undertân,
          swer sîn leben wolt hân.
                                                                         [nach oben]
           

          [18977-18996]

          Ich sag daz vil sicherlîch,
          daz durch des herren künicrîch
          ein wazzer ran und ein pfloum,
          des nam der herr wol goum.
          er frâgt die liut der mære,
          von wannen der pflûm wære
          gerunnen, der dâ sô lûter vlôz.
          des frâgens in dô niht verdrôz:
          er sprach: ‘möht ieman die mær
          wizzen, von wannen er wær
          gerunnen und geflozzen,
          der müest des haben genozzen!’
          si jâhen: ‘von dem paradîs.’
          er sprach: ‘wær ieman alsô wîs,
          dem sîn sin dar zuo töht,
          daz ich ez gesehen möht?’
          dô seit man im, ez wær wâr,
          ez möht nieman komen dar.
          er sprach: ‘wil sîn mîn abgot ruochen,
          sô wil ich ez versuochen.’
                                                                         [nach oben]
           

          [18997-19030]

          Zehant hiez er bereit sîn
          zwei hundert schef und galîn,
          diu di spîs solden tragen.
          ez muosten recken unde zagen
          sich berihten zwâr
          wes sie lebten fünf jâr;
          daz wart ûf diu schef getragen.
          waz sol ich mâr dâ von sagen?
          daz her wart geteilt mit heil
          reht endriu an diu seil.
          daz dritteil muost diu schef ziehen,
          des mohten si niht enphliehen,
          er wær swarz oder wîz.
          alsô zugen si mit flîz
          als lang unz si vernâmen,
          daz si zuo dem pardîs kâmen.
          dâ sâhen si ein venster stân.
          dar inne sâhen si einen man
          vil tugentlîchen sitzen.
          er sach daz wol mit witzen.
          dô in die zieher sâhen,
          von dem kiel begundens gâhen.
          dô si ersâhen den alten man,
          zuo im begunden si schôn gân
          und frâgten in der mære,
          waz sîn gewerft wære.
          er sprach: ‘daz sol ich niht sagen,
          mîn meister heizt mich ez verdagen,
          der dâ beschuof daz paradîs,’
          alsô sprach gên in der grîs.
          daz wart dem künig kunt getân.
          er gedâht: möht ich daz pardîs hân,
          sô hiet ich alliu künicrîch
          und alliu herzoctuom gelîch.
                                                                         [nach oben]
           

          [19031-19056]

          Dô wart niht lenger gespart,
          er hiez rüefen hervart
          an daz paradîs,
          er wolt ez hân gewunnen lîs.
          dô daz her ze samen quam,
          einen boten gar âne scham
          hiez der künic für sich komen.
          der bot sîn red hêt vernomen.
          er sprach: ‘bot, nû îl drâte,
          ê ez werd ze spâte.
          besich, wer daz paradîse
          pfleg, in welher wîse
          er daz paradîs hab.
          sag im, ich helf im zuo dem grab,
          well er mir niht sîn undertân
          mit allem [dem] sô erz ie gewan.’
          dâ mit der bot kom an daz tor.
          dâ was ein man gesezzen vor,
          der hêt sinne gar mit flîz.
          er was als ein tûbe wîz,
          wann er was ein alt man,
          als ich von im gelesen hân.
          ez hêt ouch manic ros
          gezogen velt unde mos
          kocken unde grôz kiel,
          daz in daz ziehen misseviel.
                                                                         [nach oben]
           

          [19057-19110]

          Nû lâzen wir die red stân
          und grîfen den alten man an,
          der in dem pardîsvenster saz
          und sîner züht niht vergaz.
          dô er den boten ane sach,
          vil zühticlîch er wider in sprach:
          ‘sag mir, werder bot, schier,
          wer hât dich her gesant zuo mir?’
          der bot sprach: ‘daz hât getân
          der gar gewaltig man,
          der künic Alexander.
          er giht, im sî unmâzen swær,
          daz im allez ertrîch
          niht undertân sî gelîch.
          dâ von wil er daz paradîs
          zerrütten ân strît vil lîs.’
          dô sprach der wundergrîs man:
          ‘ez mac wærlîch sô niht ergân.
          swie gewaltic er sî über diu lant,
          doch ist got der heilant
          gewaltiger vil dan er sî.
          daz wunder solt dû sehen dâ bî
          an disem stein, den ich hie hân;
          ich sag dir, waz er wunders kan:
          nû nim den stein in die hant
          und tuo dem künig sîn kraft bekant.
          heiz in legen ûf ein wâg
          und sprich, daz es in niht betrâg,
          er leg dar ûf, swaz er well,
          gegen des steines kraftgevell,
          daz widerwigt diser stein,
          ez sî grôz oder klein.’
          wie der stein sî gevar,
          daz wil ich iu sagen gar,
          und des steines gestalt,
          diu was dô vil manicvalt.
          diu red ist âne lougen:
          reht als des menschen ougen
          was sîn varb und sîn gestalt.
          dâ mit sô reit der kneht balt
          von dem alten man her.
          er sprach: ‘ich tuon dir bekant mêr:
          sag im daz wortzeichen guot,
          daz er mit her und mit muot
          daz paradîs niht gewinnen mac
          unz an den jungisten tac.
          daz siht er an dem stein wol,
          daz niht dâ gegen wegen sol,
          wan in niht widerwegen mac.
          daz ist dem künig ein slac.
          ez ist ein zeichen sô gelîch,
          swie gewaltic er sî und swie rîch,
          daz er wider got niht enmac
          geweren einen ganzen tac.’
                                                                         [nach oben]