JANS DER ENIKEL, Weltchronik.
    Seite 16: Trojanerkrieg IV

    Nach der Ausgabe von Philipp Strauch.
    Digitalisiert von Angus Graham.
    Seite erstellt von Graeme Dunphy.

    Seite  enthält die Abschnitte:

       
         
           
          [16051-16088]
          [16089-16114]
          [16115-16156]
          [16157-16184]
          [16185-16218]
          [16219-16254]
          [16255-16310]
          [16311-16326]
          [16327-16362]
          [16363-16400]
          [16401-16414]
          [16415-16434]
          [16435-16496]
          [16497-16524]
          [16525-16562]
          [16563-16588]
          [16589-16628]
          [16629-16640]
          [16641-16672]
          [16673-16696]
          [16697-16712]
          [16713-16752]
          [16753-16768]
          [16769-16798]
          [16799-16820]
          [16821-16870]
          [16871-16884]
          [16885-16898]
          [16899-16906]
          [16907-16932]
          [16933-16978]
          [16979-17020]
          [17021-17058]
           
           
           
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          [16051-16088]

          Dâ mit er dannen stapfte,
          diu frou im nâch kapfte;
          vil mangen zaher si dô liez.
          dem abgot si dô wol gehiez,
          si wolt ez immer êren
          und nimmer von im kêren,
          daz ez behüet irn lieben man.
          mit im zogt frümclîchen dan
          ze Troyen für daz bürgtor
          Priamus und Hector
          und fünf tûsent ritter guot,
          di all wâren schôn behuot.
          dô si dâ für die stat riten,
          dô wart niht lenger vermiten,
          die frouwen giengen nâch ir spor
          hôch ûf daz bürgtor.
          dâ sâhen si Troyær
          haben mit vil grôzer swær.
          dô sach ouch Menalaus
          di schśnen küniginn alsus
          sitzen ûf dem bürgtor zwâr,
          des nâmen sîniu ougen war.
          zehant er frides gerte,
          des frides man in gewerte.
          des wart er herzenlîchen vrô.
          zuo dem turn reit er dô,
          dâ diu frou ûf saz;
          mit zühten redet er daz:
          er sprach: ‘ich wil mit zühten gern,
          einer red sült ir mich gewern.’
          si sprach: ‘herr, nû sprich,
          red hie mit zühten wider mich,
          daz ez hśr hie disiu küniginn,
          diu dâ sitzt an diser zinn;’
          alsô sprach Helenâ:
          ‘diu küniginn sitzt aldâ,
          diu dâ Thetis ist genant,
          vil wît ir tugent ist erkant.’
                                                                         [nach oben]
           

          [16089-16114]

          Gekrśnet si beid sâzen,
          doch lûht âne mâzen
          diu küniginn Helenâ:
          reht als man hiet ein spiegel dâ
          in des turnes vensterlîn
          gesetzet, [reht] alsô was ir schîn.
          zuo den freuden was vil nütz.
          ir vil liehtez antlütz
          gap sô grôzen liehten schîn,
          daz ez niht vinster moht sîn;
          swer in der vinster gienc,
          ir liehter schîn die all vienc,
          die mit ir kurz wîl solden gân.
          er ist zwâr ein sælic man,
          swer mit irr schśn wonen sol,
          wan si tuot in den ougen wol.
          schśner wîp wart nie geborn,
          si was an schśn ûz erkorn:
          ir ougen in dem houbt ân wân
          lûhten als der trimontân.
          si was ouch minniclîch gestalt,
          si was ze junc noch ze alt;
          an ir was niht vergezzen,
          ze wunsch was si gemezzen.
          ir lîp kund nimmer schśner sîn,
          ir munt bran als ein rubîn.
                                                                         [nach oben]
           

          [16115-16156]

          Dô der künic ir schśn ersach,
          vil zühticlîch er wider sie sprach:
          ‘sag mir, wie kümt daz, frou mîn,
          daz dû bræch di triu dîn
          an mir? nû was dir wol bekant,
          daz dir dienet liut und lant
          und dar zuo allez daz ich hân,
          daz was dir allez undertân.
          diu krôn, di hiut dîn houbt treit,
          diu wart dir von mir bereit.
          dir dienten all mîn man
          und wârn dir dienstes undertân.
          dar zuo hiet dû in der schar
          zwei hundert frouwen, daz ist wâr,
          die tâten swes dîn herz gert,
          des wurd dû schôn von in gewert;
          swelhiu des under in niht entet,
          diu muost dir rûmen dâ ze stet
          beidiu stet unde lant,
          wan swer dînen muot erkant,
          der muost dînes willen vârn
          allez bî den selben jârn.
          mir ist daz wol erkant,
          dû hietest vergolten ein lant
          mit guot, des ich niht enwest,
          die friunt und die gest.
          ich hiez ouch dîn an aller stat
          hüeten, swâ dîn fuoz trat,
          daz weder grôz noch klein stein
          ruorten an die füeze deîn.
          ich hiez bewarn, daz dhein loup
          noch von molten dhein stoup
          dir dîn ougen niht ruorten
          noch an dînen lîp iht fuorten.
          swaz lind was und klâr,
          daz hiez ich allez dar
          dînem lîb gewinnen:
          dannoch füer dû von mir hinnen.
          dâ von west ich gern die mær,
          von wem mir leid geschehen wær,
          daz dû mit Paris füer von dan,
          wan ich sîn niht gedient hân.’
                                                                         [nach oben]
           

          [16157-16184]

          Diu frou zühticlîchen sprach:
          ‘dû schüef dir selb ungemach,
          daz ich bin gevarn dan.
          in mînen muot ich nie gewan
          den muot und die sinne,
          daz ich mit im wolt von hinne,
          unz diu frou frou Venus
          mir gap gedanc, den muot alsus,
          daz ich mit mînen sinnen
          in begund von herzen minnen.
          daz tet ich dir schôn bekant,
          dô Paris mir wart gesant,
          dô ich ob mînem tisch saz;
          vil selten ich der rede vergaz:
          ich bat dich durch dîn êre
          von herzen alsô sêre,
          daz dû Paris hiezst varn,
          du gewunnest schier bî dînen jârn
          von im grôzen smerzen
          an lîb und an herzen.
          ich kund dir in erleiden niht,
          dâ von ist disiu geschiht
          komen von der minne.
          Venus diu götinne,
          diu brâht mich ûf die vart,
          daz mir sîn ze muot wart.
          für wâr ich dir daz sagen kan,
          si schuof, daz ich fuor mit im dan.’
                                                                         [nach oben]
           

          [16185-16218]

          Dô der künic erhôrt
          der küniginne wort,
          dô begund er wider sie jehen:
          ‘gedenk, ob dir sî iht geschehen
          lieb von den schulden mîn,
          des lâ mich geniezent sîn.
          gedenk, wie ich dich gezogen hân,
          daz nie dhein wîp ir man
          sô lieplîch hât gezogen,
          daz ist wâr und niht gelogen.
          dû wær sô klein dô ich dich nam,
          daz dû vor kintheit hiet niht scham,
          wan ich dich an dem arm truoc.
          ich gap dir alles des genuoc
          swes dîn lîp, dîn herz gert
          des wurd dû alles gewert;
          dînes willen gert ich ze aller stunt.
          sît dû mir alrêrst wurd kunt,
          sô brach ich dînen willen nie.
          dîn gebot ich nie übergie.
          des hân ich sêr engolten.
          ich hân dich nie gescholten
          noch nie argez gesprochen;
          ich zôch dich fünfzehen wochen
          als ein henn ein hüenelîn.
          wil dû dar umb mîn vînt sîn?
          des hân ich doch gedienet niht.
          din wengel, diu man dâ siht,
          diu sint von mînen schulden klâr;
          dîn hâr als die sîden var
          des hiez ich hüeten ze aller stunt.
          ô wê dîn rôsenvarber munt!
          sol ich den mîden sunder wân,
          swie ich sîn doch niht gedient hân?’
                                                                         [nach oben]
           

          [16219-16254]

          Der künic aber zuo ir seit:
          ‘frou, sag mir die wârheit,
          ob ich die stat gewinne,
          wil dû mit mir von hinne
          oder wil dû bî Paris bestân?’
          si sprach: ‘geloub mir sunder wân,
          daz ûf disem ertrîch
          diser lieb nie wart gelîch
          die ich zuo Paris hân.
          frou nie liebern man gewan
          wan mir Paris ist ze aller stunt.
          daz sîn vinger wurd wunt:
          ich liez dich künic ê tśten
          mit angsten und mit nśten.’
          er sprach: ‘sol ich für ein wârheit
          gelouben daz dû mir hâst geseit,
          sô muost dû lîden von mir swær.’
          si sprach: ‘var hin, dû trugnær!’
          doch wolt er lenger bî ir sîn.
          si sprach: ‘sag ûf di triu dîn,
          wer mac sîn der frum man,
          der Achilles wâpen an
          hât, des nimt mich wunder;
          er habt al dort besunder.’
          der künic sprach: ‘wes vrâgst dû des?
          ez ist zwar Achilles.’
          ‘nein er! wan in hât Hector
          ertśtt vor dem bürgtor,
          alsô hât man mir geseit
          für die ganzen wârheit.’
          si sprach: ‘gip mir hiut ein lêhen
          und lâz mich Achillem sehen,
          wie sîn lîp sî gestalt,
          ob er sî junc oder alt.’
          er sprach: ‘künigin, daz sol sîn,
          wan er ist der gesell mîn.’
                                                                         [nach oben]
           

          [16255-16310]

          Zehant er winct Achillem dar,
          des nâmen di ritter all war.
          dô er hin zuo stapft
          er wart vil an gekapft
          von den Troyæren.
          zehant seit daz mære,
          daz Achilles noch lebt,
          der nâch ganzen êren strebt.
          den helm er dô ab bant.
          den frouwen wart er dô bekant;
          di lobten dâ sîn manheit.
          dâ mit er von der frouwen reit,
          er und Menalaus.
          dâ mit huop sich der strît sus.
          si scharten sich ritterlîch
          unde reht tugentlîch,
          als in beidenthalben gezam.
          Achilles in die hant nam
          ein vil grôzez vellesper;
          im was nâch ritterschaft ger.
          gên im macht sich Hector,
          daz geschach ze Troy vor dem tor.
          diu ors triben si mit den sporn,
          si wârn zwên recken wol geborn.
          dô si diu sper zerbrâchen,
          ir schilt begunden krachen;
          zwei andriu nâmen si in die hant:
          alrêrst wart ein tjost gerant,
          daz man sölichez nie vernam.
          si riten, als in wol gezam,
          daz di scheft zerbrâsten gar;
          des nâmen di ritter all war.
          si riten ritterlîch ze samen,
          daz schilt unde sper benamen
          zerstuben als ein lindenblat;
          daz geschach ze Troyen vor der stat.
          ze dem dritten mâl man in gewan
          zwei sper fuorten si dâ dan
          alsô frümclîchen
          und alsô ritterlîchen,
          daz nie dhein tjost sô wart getân.
          man seit von herzog Iran
          und von hern Dietrîch:
          des vehtens was dem niht gelîch,
          daz dise zwên man
          vor Troy heten getân.
          ze dem vierden mâl man in gewan
          zwei sper, si drabten ûf den plân;
          zesamen was in beiden ger.
          Achilles stach sîn sper
          durch Hectorn dâ ze stunt,
          daz im der tôt wart kunt.
          dô daz gesâhen die Troyær,
          dô fluhen si mit swær
          all gegen dem bürgtor.
          Hector lac tôter hie vor.
                                                                         [nach oben]
           

          [16311-16326]

          Paris der jung degen
          begund den strît dannoch wegen.
          vor Troyen ûf dem velt
          gap er mit slegen grôzen gelt,
          daz manic Kriech starp ze stunt
          und wart eislîchen wunt.
          ein Kriech in bî dem zoum vie,
          vil dick er ûf sîn leben gie
          und sluoc in, daz er kûm genas.
          ein stolzer ritter bî im was;
          swie der selb niht wær gewesen,
          Paris wær niht genesen.
          der vie den Kriechen alsô guot
          zwâr bî sînem îsenhuot
          und fuort in in die grôzen stat
          gevangen, als in sîn will bat.
                                                                         [nach oben]
           

          [16327-16362]

          Priamus und Paris
          wârn des beid gewis,
          si müesten dâ bî Hector
          tôt belîben hie vor.
          do di küniginne ersâhen ir nôt;
          vor leid wârn si nâhen tôt.
          dô sprach diu frou Helenâ:
          ‘ôwê! Paris, waz schafst dû dâ?
          wes fliuhest dû niht her in die stat?
          mîn herz dhein ruo hât,
          die wîl umb dich ist der schal.
          ich wil in den turn ze tal
          vallen, wan des gêt mich nôt.
          war zuo sol ich, swann dû bist tôt?’
          dô sprach diu frou Thetis:
          ‘mîns tôdes muoz ich sîn gewis
          unde lîst dû tôt alsus,
          vil lieber herr Priamus.’
          alsô gie klag wider klag.
          ‘vernemet reht, waz ich iu sag,’
          sprach diu frou Helenâ,
          ‘zwiu sol mîn krôn stên aldâ?’
          die krôn si mit der hant vie;
          der wurf in den turn gie,
          daz ez vast dô erhal
          unde wart ein grôzer schal.
          dâ mit der stat burgær
          sâhen vil leider mær:
          dâ mit kom Paris drât
          und Priamus ouch in die stat.
          waz sol ich mêr dâ von sagen?
          ez wurden recken unde zagen
          dâ erslagen genuoc,
          di man in di stat truoc.
          ouch wart dâ Kriechen ein michel teil
          erslagen, daz was ir unheil.
                                                                         [nach oben]
           

          [16363-16400]

          Dô Paris zuo der frouwen reit,
          dô lief diu frou gemeit
          ab dem turn her ze tal
          vil trûriclîch und âne schal.
          wider Paris si dô sprach:
          ‘mir ist vil leit dîn ungemach.’
          Paris ab dem ross saz,
          sîner züht er niht vergaz.
          den helm si im ab bant,
          Helenâ mit ir wîzen hant.
          dâ sach si an der selben stunt,
          daz Paris was eislîchen wunt;
          daz bluot im über diu ougen ran.
          dô sprach diu frou wol getân:
          ‘ôwê mîner grôzen nôt!
          Paris, dû wil ligen tôt
          mir under den armen mîn.’
          er sprach: ‘dû solt ân angst sîn.
          ich mac, frou, der wunden genesen,
          wil mir mîn abgot genædic wesen.’
          diu frou entwâpent in zehant;
          nâch einem arzât si dô sant.
          den helm hiez si für sich tragen,
          der was mit kolben wol durchslagen;
          der ar der ob dem helm swebt,
          der da was geworht als ob er lebt,
          der was zerslagen zehant,
          daz man nindert dhein klô vant.
          Paris sprach: ‘wer weiz für wâr,
          wâ mîn bruoder sî Hector?’
          dô seit man im an der stunt,
          daz er ouch wære wunt.
          dar nâch kom der arzt gegân
          hin für sîn bett stân
          und heilt in, daz er wart gesunt,
          reht als er nindert wære wunt.
          daz geschach in vier wochen,
          als ich vor hân gesprochen.
                                                                         [nach oben]
           

          [16401-16414]

          Dar nâch dô er gesunt wart,
          dô wart niht lenger gespart,
          er frâgt nâch dem bruoder sîn.
          er sprach: ‘wâ ist der bruoder mîn?’
          dô muost man im die wârheit sagen,
          niht lenger moht man daz verdagen,
          man sagt im daz mære,
          daz er tôt wære,
          von Achilles gewalt
          hiet er den tôt manicvalt
          von sînen handen genomen.
          er sprach: ‘er sol niht hin komen.
          zwâr ich wil in rechen
          und in ze tôt stechen.’
                                                                         [nach oben]
           

          [16415-16434]

          Zehant sant er einen man,
          der im mit spech was undertân;
          der was geheizen Helyas,
          wan er ein guoter speher was.
          er sprach: ‘als lieb ich dir sî,
          ervar, ob iht hie nâhen bî
          sî Achilles der degen;
          dar umb wil ich dir geben
          zwâr vil rôtez golt
          und wil dir wesen holt.’
          des antwurt im Helyas:
          ‘jâ wæn ich daz nieman baz
          besech dann mîn lîp.
          ez sî man oder wîp,
          ich vind dir in als ich sol;
          diu miet gevellt mir sô wol.’
          zehant er im ein bouc bôt,
          der was von gold rôt,
          wan er ûf der wâg wac
          rôtes goldes fünf marc.
                                                                         [nach oben]
           

          [16435-16496]

          Zehant gienc er âne wer
          her ûz zuo der Kriechen her
          und was dâ wol siben tag
          zwâr nâch des buoches sag,
          daz er gesach die gelegenheit –
          daz wart Achillen dar nâch leit –,
          wan er sach, daz Achilles
          niht wolt entwesen des,
          er wolt fruo und spât gên,
          vil stæt wolt er dâ bestên
          in dem bethûs, daz ist wâr.
          er sach, daz er kniet dar
          für daz abgot und viel nider;
          daz muost in geriuwen sider.
          er bat umb Dyadamiâ,
          daz ir sîn abgot pflæg iesâ
          dort in jener welt.
          er schuof dem abgot schśnen gelt
          vil frümeclîch ze miet,
          daz ez di froun schôn hiet
          und ir pflæg nach heidenischen siten;
          des begund er sîn abgot biten,
          wan im der künic hêt geseit,
          daz si wær tôt, daz was im leit.
          dô daz diu spech hêt vernomen,
          vil schier was er hin wider komen
          und sagt daz selb Paris.
          er sprach: ‘sô bin ich gewis,
          er muoz morgen an dem tag
          sterben, daz hât der wîssag
          * * *
          er sprach: ‘Paris, sag mir diu mær.
          waz ist dînes herzen ger?’
          er sprach: ‘daz wil ich dir sagen
          und wil dir sîn niht verdagen:
          mir sagt ein spehær guot,
          des sich sêr freut mîn muot,
          daz ich Achillem vinde stân,
          er well fruo in sîn bethûs gân;
          da getrou ich in inn schouwen,
          des wil mîn lîp sich frouwen:
          er muoz mir lân sîn leben.’
          der wîssag sprach: ‘dû solt mir geben
          ein lêhen und hśr mich enzît,
          ê dû gêst mit im ze strît,
          wan ich sag dir für wâr,
          daz im still noch offenbâr
          nieman an gesigen mac,
          wan im schadet dhein slac:
          sîn leben im in der versen lît –
          des warn dich, Paris, des ist zît –,
          in dem rehten fuoz sîn,
          daz hab ûf di triu mîn.’
          dô Paris erhôrt
          des wîssagen wort,
          dô sprach er: ‘lieber wîssag,
          dû weist niht mîn klag,
          wie ich zerbrist nâch Hectorn,
          den ich hân hie verlorn;
          der wont mir stæt in dem muot,
          daz kumt Achillen niht ze guot.
          sîn tôt mir grôzen smerzen gît.
          ich muoz in rechen, des ist zît.’
                                                                         [nach oben]
           

          [16497-16524]

          Des morgens ê ez tagen began,
          dô gie der wunderküen man,
          Paris, her ûz mit sînem bogen,
          der was des lîbes unbetrogen.
          dâ mit er sleich als ein mûs,
          er barc sich in daz bethûs
          hinder einen pfîlær;
          dâ stuont er mit swær
          und wartet dâ, ich weiz wol wes.
          vil schier kom Achilles
          und kniet für daz abgot nider –
          zwâr daz gerou in sider –,
          wan er venigen began.
          dô daz ersach der werde man,
          Paris, als ich hân vernomen,
          wie schier was er zuo im komen!
          mit sînem bogen gie er her für.
          ê daz Achilles daz erkür,
          do schôz Paris einen strâl guot;
          des wart er vil wol gemuot,
          wan sîn Achilles niht genôz:
          di strâlen er in di fersen schôz,
          daz er den tôt al dâ genam
          und er nimêr ze strît quam.
          dô daz den Kriechen wart geseit,
          dô was in ân mâzen leit.
          dâ mit gie Paris in die stat,
          als in dô sîn will bat.
                                                                         [nach oben]
           

          [16525-16562]

          Dô wart dem künig gesagt mær,
          daz Achilles wær
          erschozzen in dem bethûs guot.
          dô wart trûric des küniges muot
          und der Kriechen über al;
          ir klagen daz wart âne zal.
          der künic trûriclîchen sprach,
          dô er Achillem tôten sach:
          ‘hie lît der aller werdest man,
          den al diu werlt geleisten kan.
          er was ein degen, daz ist wâr,
          ein helt des lîbes offenbâr.
          sleg und schüzz im niht entet,
          er was ein helt ze aller stet.
          ich mac mich des niht genemen an,
          daz ich und all mîn man
          dheinen tiurern hiet.
          sît mich sîn got beriet,
          was mîn herz freuden vol.
          ich weiz daz sicherlîchen wol,
          daz wir niht lenger hie bestân,
          sît wir in verlorn hân;
          wir süllen trahten ander dinc.’
          dâ klagt in manic jüngelinc
          unde manic grîser man:
          ‘sît wir in verlorn hân,
          sô süll wir rûmen daz wal.
          ditz ist ein jæmerlîcher val
          allen Kriechen, di hie sint;
          sîn mügen engelten unsriu kint,
          diu von uns werdent geborn.’
          in was leid unde zorn. –
          also frślîch wârn di in der stat,
          den daz mær gesaget wart:
          si hiezen slahen sumber.
          ir keiner was sô tumber
          noch sô alt âne wân,
          er muost an den reien gân.
                                                                         [nach oben]
           

          [16563-16588]

          Dar nâch her Menalaus
          traht, wie er die stat sus
          gewunn mit sîner wîsheit
          unde daz er Troyern leit
          tæt durch die küniginne,
          diu mit Paris was von hinne.
          dâ mit er sant drâte
          nâch sînem næhsten râte;
          die begunden mit im trahten,
          wie si daz gemachten,
          daz si kśmen mit ir her
          in die stat âne wer.
          dô sprach ein wîser Kriech,
          der was gesunt und niht siech:
          ‘wir süln ze herberg gân,
          und sol under uns ein ieslîch man
          trahten hin bî der naht,
          ein ieslîcher niunslaht,
          und süln daz legen morgen für
          dem künig; swer dann erkür
          daz best, dem süll wir volgen [dâ] ze stet,’
          alsô er gegen in allen ret.
          daz dûht si dô wol getân.
          ze herberg gie ein ieslîch man
          und traht her unde hin,
          ein ieslîcher schôn nâch sînem sin.
                                                                         [nach oben]
           

          [16589-16628]

          Des morgens dô ez tagte,
          ir ieslîcher dô sagte
          daz in daz best diuht getân.
          dô kom in für der alt man
          und hôrt si all besunder.
          er sprach: ‘hśrt niuwe wunder,
          wie ich hînt betraht hân!’
          für den künic begund er stân.
          er sprach: ‘wir süln mit sachen
          driu grôziu ros machen,
          diu süllen wesen êrîn:
          ez sol in ieslîchem sîn
          fünf hundert vil hêr.
          dannoch wil ich iuch lêren mêr,
          als mir ein wîp hât kunt getân,’
          alsô sprach der alt man.
          daz selb wîp hiez Avenant,
          den list si von ir selber vant
          von den rossen besunder,
          des nam di Kriechen wunder.
          ‘si hât mich gelêret mêr’ –
          des wundert di Kriechen sêr,
          daz man von des wîbes rât
          solt gewinnen die stat –:
          ‘daz wîp lêrt mich disen sin
          und jach, ez wær ein guot gewin,
          swann diu ros wurden bereit,
          daz man mit grôzer wîsheit
          schütt golt âne zal
          in diu houbt über al
          und geb eim garzûn guotes vil,
          swer ez dar umb nemen wil,
          daz er sich binden lâze
          ûf diser stillen strâze.
          daz gewant muoz er lân;
          nimêr sol er gewandes hân
          wan ein tuoch für di scham sîn,
          daz sol wesen lînîn.
          er sol gerouft sîn vil wol;
          dar umb man im lônen sol.’
                                                                         [nach oben]
           

          [16629-16640]

          Daz hôrt ein man hiez Sinôn.
          er sprach: ‘wil man mir geben lôn,
          ich wil mich lâzen roufen.
          wil man mir kleider koufen,
          ich wil niht erwinden,
          ich wil mich lâzen binden,
          die hend hinder den ruck mîn:
          ez sol mit miet guot sîn.’
          zehant wart im wol gelobt.
          er sprach: ‘mîn lîp tobt,
          ob ich niht næm di miete.
          wie gern ich sie hiete!’
                                                                         [nach oben]
           

          [16641-16672]

          Dar nâch wurden diu ros
          bereitt bî dem mos,
          ieslîchz ûf vier êrîn schîben,
          daz man si moht getrîben.
          daz golt wart in ir houbt getân,
          in ieslîchz fünf hundert man
          wârn dar inn schôn bereit.
          zwên rüefer ruoften, als man seit,
          under dem her über al
          ruoften si mit grôzem schal:
          ‘wol ûf! wir süln von hinnen varn,
          swer sich vor slegen well bewarn
          und vor grôzen nśten.
          swer sich well lâzen tśten,
          der belîb hie an der stat,
          des lîbes wirt hie niemer rât.’
          dô daz her daz vernam,
          mit grôzem schall ez ûf kam,
          ieslîcher worht dâ heldes werc;
          si zogten all über den berc.
          ir ieslîcher zunt sîn hütt an.
          dâ flôch vil manic frum man
          über den berc in daz holz.
          dâ leit sich manic reck stolz,
          und ruoten dâ mit sorgen
          die naht biz an den morgen.
          dô wart gebunden Sinôn
          zuo den rossen umb sîn lôn,
          daz man im dâ hêt gelobt.
          manic knappe, kneht tobt:
          si rouften Sinôn alsô gar,
          daz er aller wart bluotvar.
                                                                         [nach oben]
           

          [16673-16696]

          Dô giengen si ze râte,
          die Troyer vil drâte,
          wie si ez an geviengen,
          si riten oder giengen,
          die wârheit solden spehen
          und die wârheit ane sehen.
          dô sprach ez ein Troyære:
          ‘welt ir ervarn die mære,
          sô heizet rîten vil drât
          einen boten, ê ez werd ze spât,
          der wol besech diu wunder,
          ir manicvalt besunder.
          dar nâch kunt ir iuch verstân.’
          ein bot wart gesant dan
          ze reht under der Kriechen her;
          die wârn geflohen âne wer.
          dô der bot hin ûf reit,
          dô sach er mit sicherheit,
          daz die Kriechen wâren alle
          geflohen dann mit schalle.
          nieman er vant wan Sinôn,
          der was gerouft umb daz lôn.
          er vant in gebunden;
          von roufen hêt er wunden.
                                                                         [nach oben]
           

          [16697-16712]

          Dô der bot Sinôn ersach,
          zuo der stat was im gâch,
          unde sagt den Troyær,
          daz nîeman an der wal wær
          wan ein man hiez Sinôn,
          der wær dâ gebunden schôn.
          er sprach: ‘ich sag iu sicherlîch,
          driu ros wârn ân mâzen rîch;
          da ist ein man zuo gebunden,
          der hât stark wunden.’
          dô der künic daz vernam,
          er sprach: ‘daz wær uns ein scham,
          solt wir diu ros niht füeren dan,
          diu si dâ liezen ûf dem plân;
          ez wær ein grôziu zagheit
          und wær ein schand, daz wær uns leit.’
                                                                         [nach oben]
           

          [16713-16752]

          Dô man des küniges red vernam,
          daz er ez hêt für ein scham,
          dô wart sêr gedrungen
          von alten und von jungen
          her ûz daz dem bürgtor.
          dâ reit vil manic helt vor
          unde manic frum man
          ze füezen für die stat kam.
          si giengen, si riten an der stunt,
          unz in diu ros wurden kunt.
          si funden ouch dâ sitzen
          Sinôn mit grôzen unwitzen,
          wan im der tôt nâhen was;
          wunder was, daz er genas!
          und hietens gewest sîn trugheit,
          zwâr ez wær im worden leit.
          ir einer vor dem andern sprach,
          dô er in sô gebunden sach:
          ‘sag an, dû vil arm man,
          wer hât dir ditz leit getân?’
          er sprach: ‘daz hât manic Kriech;
          si habent mich hie gemachet siech.
          erlśset mir, herr, mîniu bant.
          ich tuon iu wunder hie bekant:
          in disen rossen besunder
          ist vil michel wunder.’
          zehant man in dô trôste,
          sîniu bant man im lôste.
          dô sprach Sinôn der lürznær:
          ‘geloub mir, herr, der mær:
          in den rossen ist goldes vil,
          als ich iu bescheiden wil;
          zwâr ich hân ez an gesehen,
          dâ von muoz ich der wârheit jehen.
          dô ich daz wunder dô gesach,
          ein michel teil gên mir verjach,
          ich wær ein spehære;
          dar umb hân ich die swære
          an mînem lîb erliten,
          ich hiet ez anders wol vermiten.’
                                                                         [nach oben]
           

          [16753-16768]

          Dô sprach ein Troyære:
          ‘ich wil sîn wâriu mære
          besehen an disen stunden,
          den list hân ich funden.’
          einen spiez nam er in die hant,
          in daz êrîn ros er rant
          und stach in daz selb ros,
          daz dâ stuont ûf dem mos,
          den spiez vil gar unz an die hant;
          vil goldes wart in dâ bekant.
          dô er ûz zôch den spiez,
          daz golt dâ niht enliez,
          ez rir von dem ross her.
          ‘ich sich die wârheit’ sprach er;
          ‘daz uns der lürzer hât geseit,
          daz ist diu ganz wârheit.’
                                                                         [nach oben]
           

          [16769-16798]

          Zehant tet er ez dô bekant
          dem künig, der hiez zehant
          wol hundert ros bringen dar
          und îsnîn keten, daz ist wâr,
          die hiez er machen an diu ros;
          dâ mit fuort man si ûz dem mos.
          ze Troyen für die grôzen stat
          vil frślîch man si füeren bat.
          dâ was daz bürgtor niht sô wît,
          daz man diu ros ze dheiner zît
          dar in bringen mohte,
          als iren êren tohte.
          ein frou daz an der zinnen sach.
          ûz grôzem wîstuom si dô sprach:
          ‘ir lât in die veste
          wærlîch fremd geste.’
          der red ahten si klein.
          dô gie Priamus alein
          und hiez die mûr lâzen nider,
          daz selb gerou in sider.
          er sprach: ‘daz tor ist niht sô wît,
          daz man diu ros ze dheiner zît
          müg in die stat bringen;
          dâ von sô süll wir ringen,
          daz man di mûr zerbreche
          dâ wider nieman spreche.’
          nâch sînen worten daz geschach.
          die mûr man dô ligen sach
          unde fuort diu ros dar in,
          daz dûht di Troyær gewin.
                                                                         [nach oben]
           

          [16799-16820]

          Dô die ritter
          vernâmen diu mær,
          die in den rossen wârn,
          do begunden si her ûz varn
          und wurfen fiur an drât,
          daz Troy diu grôz stat
          zwâr alliu verbran.
          dô ruoft manic frum man:
          ‘hie Kriechen, hie Kriechen!
          wir machen mangen siechen!
          die ê gesunt wâren,
          die sech wir all varen
          in fiurîner wæte
          reht sam di goltdræte.’
          alsô begunden si jehen:
          ‘den Troyern sol hie leit geschehen!
          dô daz her Priamus vernam,
          vil drât er in sîn harnasch quam
          mit manigem helt, als er solt,
          wan si wârn im ân mâzen holt.
          er drabt gegen dem bürgtor,
          Paris nâch ûf sînem spor.
                                                                         [nach oben]
           

          [16821-16870]

          Dô wârn di Kriechen komen,
          als ich hân vernomen.
          si riten in den gazzen schôn.
          der künic Menalaus mit der krôn,
          der reit in ze allen zîten mit
          schôn nâch der Kriechen sit.
          dô di Troyer sâhen,
          di Kriechen zuo in gâhen,
          dô sprach der künic Priamus:
          ‘wir müezen hie strîten sus,
          lieber Paris, sun mîn;
          dû solt des gewis sîn,
          daz ich muoz ersterben
          oder den ruom erwerben.’
          er nam ein sper in die hant,
          er rant da er Menalaum vant.
          dô Menalaus daz ersach,
          gegen den Kriechen er dô sprach:
          ‘dort vert her her Priamus!
          umb unser leben vert er sus;
          hie in dîser stat muoz ez ergân.’
          er stapft gegen im ûf den plân,
          und triben zesamen beide;
          da geschach in beiden leide.
          mit einem tjost kômens zesamen,
          daz schilt unde sper benamen
          zerbrâsten als ein fûlez bast.
          si vâhten daz der helm glast,
          enzunt sich als ez wær ein schoup;
          di funken stuben als ein loup.
          doch sluoc der künic Menalaus
          den künic Priamus alsus,
          daz er den tôt von im nam;
          des habt Paris in bśser scham,
          und was im leit unde zorn,
          daz er den vater hêt verlorn.
          zehant treip er daz ors sus
          ûf den künic Menalaus
          und twanc in mit grôzer nôt,
          daz er muost ligen tôt.
          er sprach: ‘ir müezt gewis sîn,
          ir müezt gelten den vater mîn.’
          er hêt in dâ gerochen,
          den künic ze tôd erstochen:
          daz was der Kriechen swære
          und in ein leidez mære.
          si beschutten in zehant.
          si sprâchen: ‘stüend an iu ein lant,
          jâ liez wir iuch niht genesen!’
          dâ muost er tôt vor in wesen.
                                                                         [nach oben]
           

          [16871-16884]

          Waz sol ich mêr dâ von sagen?
          ir wart ân mâzen vil erslagen;
          der Kriechen und der Troyær
          der sturben vil mit swær.
          Paris dâ ouch ein ende nam.
          ich weiz niht, wer dannen kam,
          wan daz dâ stuont ûf dem turn
          ein frou unde sach den sturm.
          dô si den sturm ane sach,
          ûz grôzem leid si dô sprach,
          wan si mit grozem schal
          fluocht den Kriechen über al –
          si sprach: ‘wê gescheh der krinne,
          dâ von Troy brinne!’
                                                                         [nach oben]
           

          [16885-16898]

          Dô die Troyære
          von Troyen mit swære
          kômen, wan si zerfüert wart,
          dô ûf der selben fluhtvart
          kom einer der hiez Anthenor
          geflohen den vînden vor
          in ein lant daz hiez Italiâ
          und stift stet und bürg dâ.
          er stiftet ein grôz stat,
          als si hiut in Walhen stât,
          und ist geheizen Mantou.
          er stiftet ouch Pazzou,
          diu dâ in der Beier lant
          bî der Tuonou ist bekant.
                                                                         [nach oben]
           

          [16899-16906]

          Eneas der vil wert man
          fuor ouch gegen Rôm dan,
          wan im was misselungen;
          von den Troyern was er entrunnen.
          des muost er ein Rśmær
          werden. di andern Troyær
          teilten sich ûz in diu lant,
          den dâ ir tôt niht was bekant.
                                                                         [nach oben]
           

          [16907-16932]

          Dô Troy gewunnen wart
          von der Kriechen hervart,
          dô kêrt ein Troyære
          ouch mit grôzer swære
          von Troyen er kûm entran;
          er fuor lesterlîchen dan.
          er was geheizen Francô.
          der selb fuor zuo dem Rîn dô,
          mit im Troyer ein michel teil.
          si gewunnen dâ ein grôz heil:
          si betwungen diu lant umb den Rîn
          und wolden dâ herren sîn.
          von in wart der nam bekant:
          Franken wurden si genant;
          daz geschach dâ von daz Francô
          des landes herr wart dô,
          dâ von si Franken wurden genant,
          als si noch hiut sint bekant.
          si bouten daz lant sicherlîch,
          dar inn si wurden freudenrîch.
          doch hât weder wîp noch man
          mir zwâr niht kunt getân,
          wie ez ergieng Helenâ:
          ob si verbrunn in Troyâ
          oder ob si wurd gefüeret dan,
          für wâr ich daz niht wizzen kan.

          Ditz ist daz vierd alter: von Davides zîten biz her nâch ebraischem reht vier hundert jâr und vier und sibenzic jâr.
                                                                         [nach oben]
           
           

          [16933-16978]

          Nû sag ich iu von einem man,
          der nâch Troyen rîchsen began
          in Babiloni, daz ist wâr.
          er was ouch ein herr gar
          über Babiloni di grôzen stat.
          er hêt ouch sie gestiftet drât
          und gie gekrśnet dar inne;
          sîn witz und sîn sinne
          rieten im vil schône,
          daz er dâ truoc die krône.
          Nabuchodonosor sîn nam hiez,
          an gewalt er nieman für sich liez.
          er was ein gewaltic man,
          als ich von im gehśret hân.
          er hêt starken, rîchen solt,
          beidiu silber unde golt
          hêt er gemeine.
          von edelm gesteine
          hêt er vil guot trinkvaz rîch.
          er reit vil gewalticlîch
          und betwanc under sich diu lant,
          der herr mit ellenthafter hant.
          eines nahtes dô der herr slief,
          ein troum im in sîn herz lief,
          wie er sæch ein bild stân;
          daz bild kom für in gegân.
          in dûht mit grôzer swære,
          wie des bildes houbt wære
          gar klâr als ez solde:
          von lûterm golde
          was daz houbt mit grôzem schîn.
          in dûht, wie arm und bûch sîn
          wær lûter silber gar.
          des nam er in dem troum war.
          von der gürtel ûf diu knie
          was ez, dô ez für in gie,
          zwâr allez êrîn;
          ir sült des gewis sîn,
          von dem knie hin ze tal
          was ez îsnîn über al.
          alsô was ez gemachet.
          sîn lîp vor forhten krachet,
          daz er ez in dem troum sach.
          sîn herz alsô gên im jach:
          ‘herr, waz ist ditz dinc?
          ez ist ein eislîch jungelinc.’
                                                                         [nach oben]
           

          [16979-17020]

          Dô der troum ein ende nam –
          wie sêr der künic dô erkam! –
          und er dâ von entwachte,
          sîn lîp vor angst krachte.
          dâ von sô sant er drâte
          nâch sînem næhsten râte,
          nâch frumen und nâch bśsen.
          den troum bat er im zerlśsen,
          disen engstlîchen troum.
          di wîsen nâmen all goum
          wie si den troum erlśsten gar.
          ir dheiner was sô wîser zwâr,
          der in kund zerlśsen;
          di biderben noch di bśsen
          kunden der wârheit niht gesagen,
          dâ von si muosten still dagen,
          swie witzic si dô wâren.
          die wol bî sehzic jâren
          wârn, di muosten komen dar,
          etlîcher hêt wol hundert jâr, –
          wan ir was vil komen an di tür.
          den troum leit er in allen für.
          da was under in nie dhein man,
          der sich torst genemen an,
          der disen troum tiutet ze reht.
          weder herr noch der kneht
          mahten sich daz genemen an,
          wie der troum solt ergân,
          wan der künic hêt zwâr
          des troumes vergezzen gar,
          des moht er niht bediuten
          den troum sînen liuten.
          er wart zorn und missevar.
          er sprach ûz grôzem zorn gar
          zuo sînem hofgesinde:
          ‘bindet mir die alten swinde
          und slacht in diu houbt ab!’
          dô kom ritter unde knab
          unde viengen di alten zehant;
          vil eislîch man si bant
          und enthoubt si all an der stat,
          des wolt der künic niht haben rât.
                                                                         [nach oben]
           

          [17021-17058]

          Dar nâch hiez er gâhen
          die alten alle vâhen
          unde leit in für den troum.
          dheiner maht des nemen goum,
          daz er maht bescheiden
          den troum dem gewaltigen heiden.
          si jâhen alle gelîche,
          arm unde rîche:
          ‘herr, gip uns lôn,
          sagt uns iuwern troum schôn,
          sô müg wir iu bediuten wol
          den troum, als er ergên sol,
          des well wir uns vermezzen.’
          er sprach: ‘ich hân vergezzen
          des troumes sicherlîche.’
          er sprach: ‘ich mach in rîche
          der mir den troum erlegen sol
          den mach ich aller freuden vol,
          wan ich gib im guotes alsô vil,
          daz er freude unde spil
          gewinnet an der selben zeît,
          der mir den troum erleit.’
          dô sprach ein alter heiden:
          ‘wer mac dir in bescheiden?
          ich wæn, daz nieman lebentic sî
          oder wandels sô frî,
          der dir in erlegen kunne,
          dû wellest im dann gunnen,
          daz er den troum hśr von dir.’
          der künic sprach: ‘wær mîn vier,
          ich kund in niht gemezzen,
          wan ich hân sîn vergezzen.’
          der alt heiden aber sprach:
          ‘herr, swelhen ungemach
          wir süln von dînen handen doln,
          des mügen wir uns niht verholn,
          wan in der werlt wart nie dhein man,
          der sich des möht genemen an.
                                                                         [nach oben]