JANS DER ENIKEL, Weltchronik.
    Seite 13: Rehoboam, Hiob, Trojanerkrieg

    Nach der Ausgabe von Philipp Strauch.
    Digitalisiert von Angus Graham.
    Seite erstellt von Graeme Dunphy.

    Seite  enthält die Abschnitte:
    [13011-13020]
    [13021-13052]
    [13053-13070]
    [13071-13102]
    [13103-13138]
    [13139-13156]
    [13157-13164]
    [13165-13172]
    [13173-13222]
    [13223-13244]
    [13245-13260]
    [13261-13282]
    [13283-13310]
    [13311-13340]
    [13341-13368]
    [13369-13378]
    [13379-13386]
    [13387-13410]
    [13411-13428]
    [13429-13456]
    [13457-13466]
    [13467-13488]
    [13489-13494]
    [13495-13506]
    [13507-13550]
    [13551-13568]
    [13569-13602]
    [13603-13618]
    [13619-13638]
    [13639-13650]
    [13651-13662]
    [13663-13676]
    [13677-13690]
    [13691-13716]
    [13717-13754]
    [13755-13786]
    [13787-13806]
    [13807-13834]
    [13835-13862]
    [13863-13874]
    [13875-13894]
    [13895-13932]
    [13933-13944]
    [13945-13984]
    [13985-14016]
     
     
     
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          [13011-13020]

          Dô hiez der künic tuoch breiten
          und ouch den tisch bereiten;
          daz wart getân vil schône.
          der künic mit der krône
          hiez ir aller schôn pflegen,
          der frouwen und der swertdegen.
          man gap in allen genuoc.
          hei waz man riht für si truoc!
          von trinken und von spîse
          heten si ein paradîse.
                                                                         [nach oben]
           

          [13021-13052]

          Dô was ouch ze den zîten zwâr
          Sampsôn gewahsen sîn hâr,
          dâ sîn sterk inn lac.
          der kom dar ûf den selben tac,
          wan ez im vor hêt geseit
          ein knapp vil gemeit.
          swie er von der frouwen wær blint,
          doch hêt in dar gewîst ein kint
          zuo dem palast, dâ si az
          und in grôzen freuden saz.
          do her Sampsôn daz seitenspil
          vernam, des dâ was sô vil,
          er sprach zuo dem knehte:
          ‘nû wîs mich rehte
          dâ der künic sitz schôn
          und diu künigin mit ir krôn.’
          daz hôrt ein man, der gie dâ für;
          der jach: ‘ich iuch wol füer
          dâ si sitzent schône
          in dem palast mit ir krône.
          si sitzent niht aleine.
          des küniges gesleht gemeine
          sitzent all bî im schône,
          dâ si mit ir krône
          sitzent an dem tische.
          hasel, hüener und vische
          habent si en widerstrît.
          ez wart nie dhein hôchzît
          mit êrn alsô bereitet wol.
          die kuchen die sint alle vol:
          swer die spîs suochet,
          dem gît man swes er geruochet.’
                                                                         [nach oben]
           

          [13053-13070]

          Dô daz erhôrt her Sampsôn,
          er gedâht: ich muoz in die krôn
          zerfüeren und ir hôchzît.
          ‘nû wîs mich dar, des ist zît,’
          sprach er zuo sînem kneht;
          ‘brinc mich zuo der siulen reht,
          diu mitten under dem palast stât.
          nû île und wîs mich dar drât!’
          der kneht in bî dem mantel vie,
          den wec er zuo der siulen gie;
          die siul gap er im in die hant.
          ‘nû fliuch mich,’ sprach der wîgant,
          ‘daz dir [iht] des palastes stein
          iht zerslach houbt und bein.
          vil verr solt dû von mir gâhen.
          lâz dir mîn rede iht versmâhen:
          tuost dû sîn niht, sô muost dû sterben
          und under dem palast verderben.’
                                                                         [nach oben]
           

          [13071-13102]

          Zehant der kneht von dannen schiet,
          als im her Sampsôn riet.
          dô des her Sampsôn innen wart,
          dô wart niht lenger gespart,
          er schütt die siul alein,
          daz der öbrist stein
          zuo dem nideristen viel.
          dem künig, der frouwen manic schiel
          wart von ir lîb geslagen.
          waz sol ich nû mêr sagen?
          wan daz ir einz dô niht genas.
          Sampsôn ouch dâ tôt was.
          doch wil ich niht verdagen,
          ê daz sich huop des tôdes klagen,
          dô Sampsôn alrêrst begreif
          die siul und die umbesweif,
          daz der rîch palast
          seic, der dâ was verglast,
          dô begund diu frou jehen:
          ‘ei waz wil uns hie geschehen!
          der palast der wil sîgen.’
          der heiden sprach: ‘wir süllen nîgen
          unserm abgot alsô guot,
          daz er uns hab in sîner huot.
          er wil uns zeigen an dirre stat,
          daz er êr und sterk hât.
          daz schînet an dem zittern wol,
          daz er ist aller êren vol.’
          mit diser rede sô seic ze tal
          der palast aller über al,
          als ich iu gesagt hân,
          daz dâ genas nieman.
                                                                         [nach oben]
           

          [13103-13138]

          Nû merket all gelîche,
          ob ie dhein künic rîche
          wurde an schśner gâb vil –
          dar nâch ich nieman frâgen wil –,
          also Daviten von gotes schulden was.
          er was wol geêret baz
          dann ieman der in der werlt lebt.
          ist ieman der dâ wider strebt,
          dem wil ich ez bediuten wol,
          die Davites gâb, als ich sol.
          drî sün gap er im zuo êren,
          dâ von sich maht wol mêren
          sîn heil, sîn gelück ze aller frist.
          der ein was der sterkist,
          der ûf daz ertrîch ie getrat;
          des nam ich nenne an diser stat:
          er was geheizen Sampsôn.
          der ander der hiez Salomôn:
          der was sô wîs ze aller zît,
          daz er hêt von den fürsten nît,
          daz im nieman moht widerstân;
          dâ von moht er wol êr hân.
          sîn dritter sun hiez Absalôn,
          der möht mit êren wol ein krôn
          getragen über die werlt gar;
          er was sô schśn, daz ist wâr,
          daz nie ûf daz ertrîch
          komen was sîn gelîch.
          dâ von nieman frâgen sol,
          wan dis gâb was êren vol.
          nû merket, ûf disem ertrîch
          wart diser gâb niht gelîch,
          als ich iu vor gesagt hân,
          swie ieslîchez end muost hân,
          dâ von Daviten leit geschach,
          und leit dâ von ungemach.
                                                                         [nach oben]
           

          [13139-13156]

          Dô Davit wart ein alter man,
          als ich vor mir gehśrt hân,
          daz er sô alt, sô kranc was,
          als ich an dem buoch las
          daz sîn lîp was sô kranc getân,
          daz er zwô juncfroun muost hân
          aller nehticlîchen,
          die den künic rîchen
          wermeten alsô schône;
          si muosten dâ ze lône
          einiu in sîner schôz ligen,
          die ander hêt er unverswigen
          gelegt an den ruck sîn,
          daz si im wirme tæten schîn,
          er müest anders tôt sîn;
          und hieten in niht diu megedîn
          gewermet ze aller stunt,
          der tôt wær im worden kunt.
                                                                         [nach oben]
           

          [13157-13164]

          Künic Davit rîchsent gar
          in Jerusalêm vierzic jâr
          und sîn sun Salomôn
          rîchset ouch dâ schôn
          ze Jerusalêm vierzic jâr.
          nû hân ich iu gesaget gar
          von Daviten und sînem sun guot,
          die wâren ân mâzen fruot.
                                                                         [nach oben]
           

          [13165-13172]

          Nâch Salomônes zîten
          wart in Jerusalêm wîten
          erkant ein künic hiez Roboam,
          wan in Salomônes scham
          gewan bî einem schśnen wîp;
          der rîchset mit sînem lîp
          ze Jerusalêm sibenzehen jâr,
          daz sagt uns daz buoch für wâr.

          [13173-13222]

          Für wâr ich iu gesagen kan,
          ze den zîten was ein guot man,
          der was geheizen Job der guot,
          der hêt got in sînem muot
          ze allen zîten, swâ er was.
          der selb lebt und genas:
          aht und ahzic jâr wart im gezalt.
          dô er wart alsô alt,
          dô sprach got von himelrîch,
          man funde nindert sînen gelîch,
          der alsô guot wær alsam er.
          daz müet den tiufel hart sêr,
          daz er was sô reht guot
          und daz in got hêt in sîner huot
          und in sînem heiligen segen.
          der tiufel sprach: ‘wolst dû mir geben
          gewalt über den selben man,
          wie schier ich in hiet brâht her dan
          nâch allen dem willen mîn
          und daz er liez die guottæt sîn!
          also wolt ich in betriegen,
          wan ich kan wol liegen.’
          zehant sprach got der reine:
          ‘nû hab dir gemeine
          den gewalt über den guoten Job,
          ob er zerbrechen well sîn lop
          und sîn guottæte,
          die er an im stæte
          hât gehabt sîn tag.
          zerbricht er daz, ez wirt sîn klag
          und sînes lîbes ungemach.’
          der tiufel dô wider got sprach:
          ‘er kan niht sîn sô stæt
          gegen dir mit sîner guottaet,
          ich bring in ûz dem lob sîn,
          sît ich sol sîn gewaltic sîn.’
          zehant er sich sîn underwant.
          do er schiet von dem heilant,
          dô sprach der heilant rîch:
          ‘ich erloub dir sicherlîch,
          vil bśser tiufel Sathan,
          über allez daz Job ie gewan
          ân alein über sîn sêl,
          der pfligt sant Michêl.
          sînen lîp solt dû niht tśten.
          welst dû in haben in nśten –
          daz urloup wil ich geben dir –,
          sô vinst dû an dem mann schier,
          ob er mir ist von herzen holt
          und ich im lieber dann golt.’
                                                                         [nach oben]
           

          [13223-13244]

          Der vâlant dô verswant,
          des mannes er sich underwant:
          beidiu rinder unde swîn
          muosten dâ vor im tôt sîn;
          daz schuof zwâr her Sathan
          ze leid dem getriuwen man.
          der herter kom geloufen,
          der begund sich selber roufen.
          er sprach: ‘lieber herr mîn,
          schâf, rinder und ouch swîn
          sint mir ze veld in grôzer nôt
          ûf der wisen all tôt!’
          dô Job des herters red vernam,
          er sprach: ‘dîn leid und dîn scham
          solt dû lâzen varen.
          got gap uns bî unsern jâren
          sîn genâd hart schôn,
          des sag ich im grôzen lôn
          und lob sîner gotheit,
          mîn dienst sol im doch sîn bereit.
          als er dô wolt, alsô ist im geschehen,
          des muoz ich von der wârheit jehen.’
                                                                         [nach oben]
           

          [13245-13260]

          Dô der herter von im gie,
          der tievel des dannoch niht enlie,
          er sant daz mort in sîn ros,
          daz si vielen in daz mos
          und den tôt dâ nâmen.
          er schuof daz in allen samen
          von im wê geschach.
          sîn kneht gie für in unde sprach:
          ‘herr, dû hâst diu ros verlorn!
          daz ist wærlîch gotes zorn.’
          alsô sprach Job der guot man:
          ‘daz süll wir allez varn lân,
          wan got der uns geben hât,
          der gît uns an der selben stat
          vich und ros, swenn er wil,
          wan er hât gewaltes vil.’

          [13261-13282]

          Dô der leidic Sathan
          sach an disem guotem man,
          daz er niht wolt scheiden
          von got: ‘ich muoz dir leiden
          dîniu vil liebiu kint.
          sît mich niht vich, ros und rint
          frumt an disem guotem man,
          sô müezen diu kint den tôt hân
          und verliesen ouch den lîp;
          ich lâz niht leben dann sîn wîp.’
          zehant daz ouch von im geschach.
          Job gesach den ungemach:
          dô sprach er: ‘herr von himelrîch,
          nu enweiz ich nindert dînen gelîch:
          dû gæb mir wîp unde kint,
          vich, ros unde rint:
          daz hâst dû in dînn gewalt genomen.
          von dînen genâden wilich niht komen,
          wan swer dîn genâd suochet
          und dîner gâb ruochet,
          dem gît dîn gotheit, swenn si wil,
          freud, êren und genâden vil.’
                                                                         [nach oben]
           

          [13283-13310]

          Dô der leidic Sathan
          gesach an disem guoten man,
          daz er an got wolt dingen
          und nâch sînen hulden ringen,
          dô muost der guot man hân verlorn
          wîn, weizen unde korn.
          dannoch wolt der guot man
          der gotheit niht ab gestân.
          dô daz ersach der Sathan,
          dô gie er zuo dem guoten man.
          er sprach: ‘wil dû dich an mich
          lâzen, ich wil êren dich
          unde wil dir wider lân
          allez, daz ich dir genomen hân.
          ich wil dir sîn vil gereht:
          vich, ros unde kneht
          wil ich dir wider gewinnen;
          ich wil mit mînen sinnen
          dir helfen schśner kindelîn,
          wil dû mir undertænic sîn.’
          dô sprach ez der guot man:
          ‘allez daz ich gesehen hân,
          daz næm ich dar umb niht,
          daz ich mit dir hiet pfliht.’
          der tievel dô ûz zorn sprach:
          ‘sô muost dû lîden ungemach
          von mir mit grôzen nśten vil.’
          Job sprach: ‘daz ist als got wil.’
                                                                         [nach oben]
           

          [13311-13340]

          Zehant schuof dô der Sathan,
          daz Job leides vil gewan.
          er wart sô arm, daz ist wâr,
          daz er sînen lîp gar
          niht gedecken moht mit sîner wât.
          er gie an ein frömde stat.
          er vant ein stiegen, diu was hôch;
          einen mist er dar under zôch
          und leit sich dar în an der zît.
          smerzen grôz, michel und wît
          hêt er an sînem lîb genuoc:
          vil blâtern er an im truoc;
          ûz sînem lîb kruchen über al
          maden vil âne zal.
          der hunger têt im grôz nôt,
          daz im vil nâhen was der tôt.
          er leitz vil dulticlîchen
          und ruoft got an, den rîchen;
          er sprach: ‘reiner, süezer got,
          sît ich von dînem gebot
          hân gehabt an ditz zil
          guotes und genâden vil,
          wâ von solt ich den willen dîn
          zerbrechen, lieber herr mîn,
          daz ich niht übel solt lîden?
          ich wil dîn bot niht mîden.
          dû wellest dich dann erbarmen
          über mînen lîp vil armen,
          sô lîd ichz vil gedulticlîch.
          herr, gip mir wan dîn himelrîch.’
                                                                         [nach oben]
           

          [13341-13368]

          Dô der leidic Sathan
          niht vant an dem guoten man
          wan triu unde rehticheit,
          dô wart im ân mâzen leit,
          daz er disem guotem man
          mit lugen niht gesiget an.
          sîn wîp daz allez ane sach,
          daz er sölhen ungemach
          leit sô dulticlîchen
          durch got den vil rîchen.
          si sprach: ‘des bist dû wol wert.
          dû wær ie der genâden gert
          ze himel an die gotheit,
          dâ von sô wirt mir nimmer leit
          swaz dir wirrt an dînem lîp.
          mit jâmer dû vertrîp
          beidiu naht unde tac.
          für wâr ich daz sprechen mac:
          daz dû dîn guottæte
          behieltest sô stæte,
          daz muoz mich immer riuwen;
          mîn kumber wil sich niuwen.’
          der guot Job sprach zehant:
          ‘wærlîch mir ist daz wol erkant,
          wil mir got helfent sîn,
          daz ich überwint den schaden mîn:
          von got mich nieman bringen mac
          unz an den lesten tac.’
                                                                         [nach oben]
           

          [13369-13378]

          Dô aber der leidic Sathan
          die red erhôrt von dem man,
          er sprach zuo got dem rîchen:
          ‘sich mac niht gelîchen,
          herr, zuo disem guoten man;
          er wil dir wesen undertân.
          des muoz ich von im scheiden,
          ich kan im niht erleiden
          rehticheit und guottæt;
          er wil an dir belîben stæt.’

          [13379-13386]

          Dô daz allez geschach,
          dannoch leit er ungemach.
          hie merket, wie alt Job was,
          dô in der leid Sathanas
          sô grôz pîn leget an:
          von vier und ahzic jârn was er ein man.
          dar nâch macht in got künic zehant,
          als ich an disem buoch vant.
                                                                         [nach oben]
           

          [13387-13410]

          Dâ mit der vâlant von im schiet.
          got den guoten Job beriet,
          daz er gesunt wart und frisch
          sam in dem wazzer der visch
          und im die swer zergiengen
          und die blâtern die an im hiengen.
          dar nâch wart im an der stunt
          von got mêr genâden kunt:
          er gap im kint und ander guot,
          des wart er dô wolgemuot,
          und gap im ander genâden vil.
          freud, wunn unde spil
          gap er im an den kinden;
          sîn kumber muost verswinden.
          sîn armuot nam ein ende.
          dô ract er ûf sîn hende
          und danct der götlîchen êr.
          zehant gap im got selber mêr
          zwir sô manic schâf und swîn,
          fünfstunt mêr rinder unde wîn.
          er gap im guotes alsô vil,
          daz er hêt wunn unde spil
          an lîb, an guot reht als ein man,
          der nie herzensêr gewan.
                                                                         [nach oben]
           

          [13411-13428]

          Dô daz Job ersach,
          er sprach: ‘den grôzen ungemach
          hât mir got verkêret.
          nû merket, swer got êret,
          der gewinnet êren vil,
          ich mein, der im getrouwen wil;
          daz ist an mir worden schîn:
          schâf, rinder unde swîn,
          ros, kint unde wîp
          hân ich von im und den lîp.’
          dô er daz allez wider hêt,
          als an dem buoch geschriben stêt,
          dô ract er die hend gegen got;
          er sprach: ‘din heilic gebot
          und dîn heiliger gewalt,
          der schînet an mir manicvalt.
          dâ von sol alliu werlt leben
          billîch nâch dînen hulden streben.’
                                                                         [nach oben]
           

          [13429-13456]

          Sîn lop gên got wart manicvalt.
          er wart alsô mit freuden alt,
          alsô daz sîn lîp nie
          gegen got dhein unbild begie.
          sîn munt, sîn zung wart nie sô snel,
          noch sîn ougen noch sîn kel
          gegen got nie sprach wan löblîch,
          dâ von wart nie sîn gelîch.
          sîn arm, sîn hend, sîn ruck, sîn bein
          strebet allez hin gemein
          gegen got ze aller stunden;
          die sæld hêt er funden.
          dar nâch in kurzen zîten
          wolt got niht lenger bîten,
          er wolt sîn lop dâ mêren,
          wan er im gap ze êren
          und ouch der werlt lôn:
          er hiez in wîhen schôn
          mit dem öl nâch küniges reht.
          er was von reht gotes kneht,
          wan er von gold ein krôn truoc,
          diu was edel und rîch genuoc.
          dô hêt in got ergetzet wol,
          wan er was ganzer freuden vol.
          Job der lebt für wâr
          hundert und vierzic jâr;
          dô nam in got in sîn huld
          und vergap im sîn schuld.
                                                                         [nach oben]
           

          [13457-13466]

          Dar nâch wart ein künic hêr,
          vil wunders sô begienc er,
          der was geheizen Honorius;
          vil wunders begie er sus.
          er vant den êrsten pfluoc zwâr
          und sazt di êrsten ohsen dar
          an den pfluoc, daz si in zugen;
          di ohsen zugen sam si flugen.
          nie dhein pfluoc was ê gesehen,
          des muoz ich wol von schulden jehen.

          [13467-13488]

          Dar nâch ein künic rîchsen began,
          der was ein ernsthafter man,
          er was geheizen Danaus.
          er gewan bî sînem wîb sus
          fünfzic töhter die wârn guot;
          des was der künic wolgemuot.
          der het einen bruoder, der was balt,
          dem gap got sün manicvalt,
          der wârn fünfzic, als man seit,
          dâ von den knehten geschach leit.
          Egyptus was er genant,
          den frumen was er wol bekant;
          des muost sîn leben swinden
          von sînes bruoder kinden,
          wan si wurden übel megedîn,
          daz wart an ir neven schîn.
          di fünfzic megde zwâr
          tôten di fünfzic kneht gar,
          daz ir dheiner genas,
          wan einer der vil sælic was.
          di andern muosten tôt ligen,
          wan si mahten niht gesigen.
                                                                         [nach oben]
           

          [13489-13494]

          Dar nâch wil ich iu mêr sagen,
          ein künic vant den êrsten wagen.
          der selb Frictonius hiez,
          der den êrsten wagen gên liez
          und in brâht ûf vier schîben
          und liez in für sich trîben.
                                                                         [nach oben]
           

          [13495-13506]

          Dar nâch wart ein man,
          der ein stat stiften began –
          ez wart ein grôz stat,
          als in dô sîn will bat –,
          der was geheizen Troyus,
          di pfaffen nennent in alsus;
          dâ von ir nam Troyâ hiez,
          den namen er der stat liez.
          si wart sô grôz und sô wît,
          daz man sider noch sît
          ein grśzer stat nie gesach;
          dar inn sô hêt er sînn gemach.
                                                                         [nach oben]
           

          [13507-13550]

          Nû wil ich iuch wizzen lân,
          wer nâch Troyus rîchsen began
          in Troyen der vil grôzen stat,
          als in sîn will, sîn herz bat:
          der was geheizen Priamus,
          daz buoch nennet in alsus.
          ein schśn wîp hiez Eckubâ,
          diu was kiusch und rein dâ.
          eines nahtes dô diu frou entslief,
          ein troum ir in ir herz lief,
          wie ein flamm fiurîn
          brunne, diu gæb liehten schîn
          enmitten ûz ir herzen;
          dâ von leit si vil smerzen.
          si dûht, wie daz fiur heiz
          brunn einen wîten kreiz
          umb di stat, diu Troy hiez.
          daz fiur nieman ûz liez
          wan mit grôzer arbeit.
          der troum der froun was leit;
          do si von dem slâf entwachte,
          ir herz vor leide erkrachte.
          si wart trûric und unfrô.
          zuo ir juncfroun gie si dô
          und sagt in die mære,
          wie ir getroumt wære.
          do sprach under in ein altez wîp:
          ‘sam mir mîn sêl und mîn lîp,
          ich bediut iu disen troum wol,
          als er ze reht ergên sol:
          daz bediutet, daz ir tragt ein kint,
          dem stat und liut beidiu sint
          vil genzlîch undertân.
          ez wirt ein sæliger man.
          ez wirt Troy die stat zwâr
          von im alsô zerfüeret gar,
          daz si nimmer mêre
          komen mac an ir êre.’
          diu red der froun was ungemach.
          ûz grôzem zorn si dô sprach:
          ‘ich gesag dir nimmer mêr
          mînen troum, wan ich forht sêr,
          du hâst mîner êrn niht gedâht
          weder bî tag noch bî naht.’
                                                                         [nach oben]
           

          [13551-13568]

          Dar nâch stuont ez unlanger,
          unz si eines kinds wart swanger;
          daz truoc si nâch frouwen reht.
          des si genas, daz was ein kneht.
          der frouwen wart ez alsô liep.
          si sprach: ‘und solt ich als ein diep
          dir die spîs zuo tragen,
          daz wolt ich nimmer dir versagen;’
          daz sprach diu frou Eckubâ.
          dem künig wart ez gesagt dâ,
          der troum von dem kindelîn.
          er sprach: ‘des sol niht sîn,
          daz kint von hinnen muoz wærlîch,’
          alsô sprach der künic rîch.
          der red diu frou niht enwest.
          si hiez der friunt und der gest
          pflegen alsô frümclîch,
          wan si was alliu freudenrîch.
                                                                         [nach oben]
           

          [13569-13602]

          Alzehant der künc sant
          wîten ûz in sîn lant
          nâch einem kündigen wîp.
          er sprach: ‘hüet bî dînem lîp
          swes ich hie verjech dir,
          daz dû ez indert von mir
          verjehest, als liep dir sî dîn lîp!’
          dô sprach daz kündic wîp:
          ‘ez kan sô engstlîch niht gesîn,
          ich behabt ez in dem herzen mîn,
          daz ez von mir nieman sagen sol,
          wan ich erkenn dînen muot wol.’
          er sprach: ‘sô wil ich dir verjehen,
          dû solt mir hart spehen
          wann diu küniginne
          entslâfen sî mit sinne
          sô solt dû ir daz kint steln
          und solt ez alsô wol verheln,
          daz sîn ieman werd gewar
          weder still noch offenbar.
          dar umb gib ich dir golt sô starc,
          völliclîch zehen marc.’
          zehant dô si die miet vernam,
          si huop sich dar ân alle scham
          in die kemnât, dâ si lac
          beidiu naht unde tac,
          wan si ez wol kund verhelen;
          daz kint begund si stelen.
          swie gar si ez hêt in irr huot,
          daz kint entslief der frouwen guot
          an irr brust, als ich hśr sagen.
          vil lîs begund si ez tragen
          von der frouwen kemnât
          bî der zît, des nahtes spât.
                                                                         [nach oben]
           

          [13603-13618]

          Dâ mit diu frou entwachte;
          ir lîp vor leid erkrachte,
          dô si daz kint niht envant.
          si begund zehant
          winden ir hend sêre.
          si sprach: ‘ich wil nimmer mêre
          mîn hôhez abgot êren;
          mîn herz wil sich kêren
          von sînem lob ze aller zît;
          mîn hant im nimmer mêr gît.
          mîn herz muoz im vînt sîn,
          sît ich daz lieb kint mîn
          hân vor dieben niht verspart;
          mîn abgot solt ez hân bewart.
          ich hân nû leit und ungemach,’
          diu küniginn alsô verjach.
                                                                         [nach oben]
           

          [13619-13638]

          Dô der künic wart gewar,
          daz daz kint tougen gar
          der küniginn wart verstoln,
          dô wart ez von im gar verholn.
          er sprach mit grôzer swære:
          ‘daz kint ein wildenære
          ziehen sol, sam mir mîn lîp!
          trag ez, vil kündigez wîp,
          und kêr dar zuo dînen list,
          wa der wildenær gesezzen ist;
          dem trag ez alsô drâte
          und tuo nâch mînem râte.
          der wildnær heizet Dardanus.
          sag im mîn botschaft alsus,
          daz er daz kint ziech tougenlîch;’
          und alsô sprach der künic rîch:
          ‘oder ez gêt im an den lîp.’
          dô truoc daz kündic wîp
          daz kint dem wildenære;
          daz zôch er dô mit swære.
                                                                         [nach oben]
           

          [13639-13650]

          Diu frou klagt für sich dar
          beidiu still und offenbar;
          ir lîp wart aller swære.
          daz kint eim wildenære
          wart gegeben an der stat,
          als der künic den boten bat.
          si sprach: ‘sumerwunn mîn,
          wie muoz ich nû gescheiden sîn
          von dir als ein armez wîp!
          ich hân einn unsæligen lîp,
          daz ich dich ie getragen hân,
          des muoz mîn herz zergân.’
                                                                         [nach oben]
           

          [13651-13662]

          Der wildenær Dardanus
          der zôch daz kint alsus:
          ân ammen und ân wîbes brust
          zôch er ez nâch des lîbes glust,
          wan erz ein hinden sougen lie,
          die næhsten di er dâ gevie.
          daz sag ich iu sunder wân,
          daz wilt im was gar undertân.
          er vie daz kindel bî der hant.
          ein hinden er zuo im bant
          und habt daz kint an ir brust,
          daz souc nâch sîns lîbs gelust.
                                                                         [nach oben]
           

          [13663-13676]

          Daz kint zôch er alsô zart,
          unz ez zehen jâr alt wart;
          der frümcheit was ez gar gewis.
          er hiez ez nennen Paris.
          daz kint dûht den wildnær rein.
          er lêrt ez werfen den stein
          und snell springen, daz was reht;
          er wart zwâr ein frumer kneht,
          schirmen mit dem bucklær
          lêrt er in und sleg swær.
          er lêrt in ziehen stark bogen.
          daz ich iu sag, dâst niht gelogen,
          wan ich ez hân für die wârheit,
          alsô hât man mir vor geseit.
                                                                         [nach oben]
           

          [13677-13690]

          Do daz kint ahzehen jâr alt wart,
          dô wart niht lenger gespart,
          ez fuort der wildenære
          Parisen âne swære
          ûf sînes vater hof zwâr;
          dâ wart er frum und kec gar.
          der künic was dar an blint,
          wan er erkant niht sîn kint.
          der muoter was er unerkant;
          si wânt, er wær von Egyptenlant.
          daz was niht ein wunder,
          daz Paris niht besunder
          erkant vater und muoter sîn;
          des muost er lîden swæren pîn.
                                                                         [nach oben]
           

          [13691-13716]

          Der künic hêt dannoch einen sun,
          dem hiez er kunt tuon,
          daz ein man wær komen dar
          vil degenlîch und offenbar,
          der kund sich wol gerehten;
          mit bucklæren vehten
          kund er vil ân widerstrît.
          des hêt der ander bruoder nît;
          der selb was Hector genant,
          in Troyen was er wol bekant.
          dô Hector die mære
          vernam, daz Paris wære
          ûf den hof gegangen mit wer,
          er sprach: ‘und wær sîn ein her,
          die slüeg ich gar ân widerstrît.’
          der künic sprach: ‘sun, des wær zît;
          dû kanst zwâr vehtens vil,
          vor nieman ich daz helen wil.
          dû muost dich gerehten,
          wan dû mit im muost vehten,
          und muost im schôn gesigen an.’
          Paris sprach: ‘des sol niht ergân.
          ich wer mich als ein helt guot,
          wan ich bin frô und wolgemuot.
          swer gegen mir tritt in den kreiz,
          den mach ich ân fiur heiz.’
                                                                         [nach oben]
           

          [13717-13754]

          Hector wart bereitt schôn.
          diu künigin saz dâ mit irr krôn;
          si wolt den kampf âne wân
          von in beiden sehen an.
          dannoch west si niht die mær,
          daz Paris ir kint wær.
          der kampf wart in beiden hert;
          Hector hêt ein starkz gevert.
          gegen dem bruoder er dô gie.
          Paris sprach: ‘dû hâst mich hie!
          dû limmest vast als ein ber!
          nû hüet, daz dîn houbt iht swer
          von mînen slegen und daz bein:
          ich schaff, daz dû dar an klein
          maht gestên noch getreten;
          und wærn dir beid ze samen geweten
          in einer dicken blahen ort,
          ich bæt dich hie unde dort,
          daz dû liest dîn freislîch varn.
          dû maht dich vor mir niht bewarn,
          ich geb dir stark sleg genuoc;
          dû dunkest dich gên mir sô kluoc,
          daz dich nieman müg bestân.’
          ze samen begunden si dô gân
          und vâhten als di held guot;
          ze vehten stuont ir beider muot.
          ir ietweder dem andern niht vertruoc;
          doch was Paris alsô kluoc,
          daz er im gap ein slac swær,
          Hectorn under dem bucklær,
          daz er der sleg gar vergaz
          und nider in den rinc saz.
          dô wart der küniginne leit;
          der künic ouch vil tiur kleit
          irs lieben kindes ungemach.
          alrêrst der wildnær in verjach,
          daz Paris wær ir beider kint;
          da von entsleif in der zorn sint.
                                                                         [nach oben]
           

          [13755-13786]

          Dô si erhôrten die mære,
          daz Paris ir kint wære,
          ûf spranc diu küniginne guot;
          si gewan einn frślîchen muot.
          si trat zuo Parisen lîs –:
          ‘kint mîn, kleider unde spîs,
          silber, gestein unde golt
          solt dû haben von mir ze solt
          und allez daz ich ie gewan.
          wol mich, daz ich gesehen hân
          dînen lîp alsô gesunt!
          und ist daz dîn bruoder wunt
          ist worden von den schulden dîn,
          daz sol er lân ân zorn sîn,
          wan er dir was unerkant.
          er solt billîch elliu lant
          komen zuo dir, ob nôt geschiht;
          ûf sînen schaden sol er niht
          ahten gên dir zuo dheiner stunt.’
          si kust Parisen an sînen munt
          und wîst in mit ir an der stat
          zuo sînem bruoder, wan er sîn bat.
          si sprach: ‘Hector, kint mîn,
          dînen zorn solt dû lâzen sîn
          gegen dînem bruoder an diser stat,
          sît in unser abgot hât
          gesant her zuo uns sicherlîch,
          des solt dû wesen freudenrîch.’
          der vater kom dar gegân,
          da er sînen sun sach vor im stân,
          und macht si ze friunt an der stat,
          wan in des sîn herz bat.
                                                                         [nach oben]
           

          [13787-13806]

          Dar nâch stuont ez unlangiu zît,
          unz drî götinn ein hôchzît
          gelobten ze samen in Troyâ;
          welich diu schśnst wær dâ
          in der stat ze der hôchzît,
          des wart under in ein strît.
          diu ein götinn hiez Pallas,
          diu dâ vil schśn under in was;
          diu ander hiez Junô,
          diu was irr schśn unmâzen vrô;
          diu dritt Venus was genant,
          der schśn was dâ bekant.
          zwâr die drî götinne
          hêten witz und sinne
          und hêten dâ mangen strît
          ze der selben hôchzît.
          Paris wart dar zuo gebeten;
          dâ sach er tanzen unde treten
          unde maniger hand spîl.
          ieglîchiu lobt ir schśn vil.
                                                                         [nach oben]
           

          [13807-13834]

          Daz vernam Discordiâ –:
          ‘daz ich bin niht gebeten dâ
          ze der hôchzît, daz ist mir leit.’
          si machte mit ir kündicheit
          einen apfel, der was liste rîch.
          si gedâht: ich muoz [in] wærlîch
          in iren strît gemêren
          sît si mich niht mit êren
          wolden zuo irr hochzît biten
          sô wil ich in mit guoten siten
          einen apfel machen,
          des manger dâ muoz lachen.
          der apfel der wart schier bereit.
          si streich an sich ir bestiu kleit
          und gie ûf den palast guot.
          si leit dar zuo allen iren muot,
          daz sie nieman dâ erkant,
          unz si in den apfel sant
          mit ir schśnen hande blanc.
          dar an sô leit si ir gedanc.
          der apfel der was guldîn;
          dar an sô muost geschriben sîn:
          swer disen apfel nemen sol,
          diu ist immer freuden vol
          und ist diu schśnst under in;
          des hab nieman dheinen sin,
          daz ieman in der werlt sî
          grśzer tugent und schśn bî.
                                                                         [nach oben]
           

          [13835-13862]

          Den apfel warf si an der stat,
          als si dâ ir will bat.
          den apfel den begreif Parîs.
          er sprach: ‘ist nieman alsô wîs,
          der dise geschrift gelesen kan?
          weder hât in wîp oder man
          her ab geworfen alsô schôn?
          er mac wol wesen der êren krôn.’
          dô diu geschrift gelesen wart,
          dô wart niht lenger gespart,
          ieslîchiu wolt den apfel hân –
          alsô maht ez niht ergân –
          und wolt den andern sagen mat.
          ze jungst wurden si ze rât,
          swem Paris gæb den apfel guot,
          daz diu wær schśn und wol gemuot.
          dô Paris dô erhôrt
          ir bet und ir wort,
          er sprach: ‘wolt ir ez an mich lân,
          iuren kriec wil ich understân.’
          dô lobten si im stæte,
          daz ez ir ieslîch[iu] gern tæte,
          daz si dar umb niht hieten swær.
          swelhiu under in diu schśnst wær,
          der solt der apfel billîch sîn.
          ‘daz stêt daz den triuwen mîn.’
          alsô sprach her Paris,
          der in ze dienst was vil gewis.
                                                                         [nach oben]
           

          [13863-13874]

          Dô daz erhôrt frou Pallas,
          diu âne mâzen schśn was,
          si sprach: ‘gip mir den apfel guot.
          ich wil mit herzen und mit muot
          dich alsô witzic machen,
          daz dir mit dheinen sachen
          nieman an gesigen mac.
          dû wirst mit witzen manigen slac
          geben der dir widerstât.
          dû wirst ouch geben mangen rât
          allen liuten âne zil,
          dâ von gewinst dû êren vil.’

          [13875-13894]

          Die red erhôrt Junô:
          ‘ez sol ergên niht alsô,
          als dîn will dar an stât.
          Paris sol nâch mînem rât
          disen apfel geben mir.
          ich schaffe, daz er schier
          wirt rihter über alliu künicrîch,
          daz sol er mir sicherlîch
          gelouben; ich gib im rîchen solt,
          edel gestein und rôtez golt,
          gimme unde silbers vil,
          sô wirt frô sîns herzen spil,
          daz er muoz immer freude hân.
          Paris, dû solt ez an mich lân,
          vil edler lîp und küniges kint.
          alle die dîn genôzen sint,
          die mügen dir niht gelîchen
          an hort, an tugent sicherlîchen,
          dâ von sô solt dû sicherlîch
          mir geben disen apfel rîch.’
                                                                         [nach oben]
           

          [13895-13932]

          Venus sprach: ‘daz wær mir leit
          mîn schśner lîp [ist] wol bekleit,
          der ist ze prîs wol gestalt.
          swer mit mir sol werden alt,
          der hât der werlde lop vil gar,
          wan ich bin minniclîch gevar.
          sich, Paris, an mînn rôten munt!
          mir sol der apfel werden kunt.
          sich, Paris, mînen gedræten lîp!
          ich bin ze wunsch ein schśn wîp.
          nû sich mir in diu ougen mîn,
          wie reht lieht si mügen gesîn!
          nû sich an füez, an hende mîn,
          wie blanc, wie schśn si sîn!
          mîn wengel sint rôsenvar.
          sich an mîn lieht, valbez hâr!
          nû schou di blanken kel mîn!
          der apfel ist ze reht mîn.
          dar umb sô wil ich dir geben,
          daz nie dhein man bî sînem leben
          nie dhein schśner wîp gewan,
          wirt mir der apfel undertân.
          sag mir, lieber friunt guot,
          zuo welher froun stê dir der muot;
          diu mac mir niht entrinnen,
          ich well dir sie gewinnen.
          si treit niht sô hôhe krôn,
          si müeze dir werden ze lôn;
          daz hab ûf di triu mîn,
          des solt dû vil gewis sîn.
          ich bin genant diu Minne,
          Venus diu götinne.
          dâ von sich mit den ougen dîn,
          welhiu under uns müg schśner sîn;
          der selben solt dû wærlîch
          geben disen apfel rîch,
          doch getrouwe ich den genâden dîn,
          der apfel der süll werden mîn.’
                                                                         [nach oben]
           

          [13933-13944]

          Dô Paris an der selben zît
          erhôrt von in disen strît,
          er sprach: ‘frou frou Pallas,
          sô schśnez nie gesehen was
          als iuwer lîp, des muoz ich jehen;
          doch sô wil ich rehte spehen,
          welher ich den apfel sülle geben:
          diu ist diu schśnst ân widerstreben.
          welt ir ez lâzen âne zorn,
          swelher ich den apfel hab erkorn,
          daz ez die ander âne nît
          lâzen beide âne strît?’
                                                                         [nach oben]
           

          [13945-13984]

          Dô lobten si im alle stæt,
          daz ez ir ieslîchiu tæt.
          er sprach: ‘Pallas, frou mîn,
          dîn wîstuom möht niht grśzer sîn!
          hiet ich in von dîner reinen tugent
          und von dîner werden jugent,
          sô hiet ich, frou frou Junô,
          von dir, daz ich müest immer vrô
          wesen unz an mînen tôt,
          guotes vil und golt vil rôt,
          daz ich immer mêre
          hiet freud unde êre;
          sô hiet ich, frou frou Venus,
          von iu minne und prîs alsus,
          daz ich di schśnsten küniginne
          solt hie mit freuden minnen.
          daz wær mir ein grôzer solt,
          daz mir diu schśnst frou wær holt,
          diu under den küniginnen
          wær, und hiet ir minne.
          nû lâz ich hie an iu drî,
          welher der grśst lôn sî.
          ich weiz wol, daz diu minne
          ist für golt und für sinne
          und gesiget an dem wîstuom;
          er hât ouch werltlîchen ruom
          swer hôher minne pflegen sol
          der ist immer freuden vol
          und ist ouch immer wol gemuot.
          dâ von wil ich den apfel guot
          geben der süezen Minne,
          froun Venus der götinne.’
          zehant er ir den apfel bôt,
          der was von gold alsô rôt,
          als ir ê habt gelesen;
          frou Venus muost diu schśnst wesen.
          er kniet für si schône.
          ‘Venus, der êren krône,
          der apfel der ist billîch dîn.
          dû muost hie diu schśnst sîn.’
                                                                         [nach oben]
           

          [13985-14016]

          Dô dise zwô erhôrten daz,
          ir liehten ougen wurden naz.
          daz erhôrt Discordiâ.
          si sprach: ‘ich hân mit listen dâ
          der zweier herz betrüebet;
          alsô hân ichz geüebet.’
          dô sprach frou Venus: ‘lieber man,
          dû hâst mir êren vil getân,
          die wil ich widerdienen sô,
          daz dû muost wærlîch werden vrô.
          ich wil dir füegen ein edel wîp,
          der so schśn ist aller ir lîp;
          daz in der werlt nieman
          schśner wîp nie gewan.
          diu küniginn von Kriechen lant
          diu muoz dir werden erkant
          und niur dir werden undertân;
          dû bist ein tugenthafter man.’
          zehant si im ein zouber tet.
          si sprach: ‘gên swem dir dîn muot stêt,
          diu muoz dir werden âne nît.
          nû var gên Kriechen, des ist zît,
          und nim die frouwen hie ze stunt;
          dû muost ir wærlîch werden kunt
          und ir minne alsô rein,
          und wær si under einem stein.’
          wie oft si im des swuor!
          zehant er dô gên Kriechen fuor
          und wart dâ hofgesinde.
          dem künig dient er swinde
          und der küniginne guot;
          des wart si frô und hôchgemuot.
           

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