JANS DER ENIKEL, Weltchronik.
    Seite 11: David III
    Nach der Ausgabe von Philipp Strauch.
    Digitalisiert von Angus Graham.
    Seite erstellt von Graeme Dunphy.

    Seite  enthält die Abschnitte:
    [11069-11088]
    [11089-11102]
    [11103-11130]
    [11131-11152]
    [11153-11174]
    [11175-11204]
    [11205-11224]
    [11225-11248]
    [11249-11266]
    [11267-11284]
    [11285-11316]
    [11317-11368]
    [11369-11396]
    [11397-11410]
    [11411-11442]
    [11443-11474]
    [11475-11500]
    [11501-11524]
    [11525-11542]
    [11543-11562]
    [11563-11588]
    [11589-11614]
    [11615-11638]
    [11639-11672]
    [11673-11702]
    [11703-11740]
    [11741-11766]
    [11767-11802]
    [11803-11828]
    [11829-11862]
    [11863-11880]
    [11881-11900]
    [11901-11928]
    [11929-11942]
    [11943-11962]
    [11963-11980]
    [11981-12004]
    [12005-12030]
    [12031-12066]
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          [11069-11088]

          Zehant er boten mit sant,
          den berc und tal wârn bekant.
          er sprach: ‘ich sag iu für wâr,
          disem kneht sült ir geben gar;
          dâ sol iur dheiner wider streben,
          ir sült imz gar mit voll geben.
          seht ir den hôhen boum dort stân?
          dâ sült ir in hâhen an.’
          er sprach: ‘vil lieber herr mîn,
          lât mich ân daz betenbrôt sîn.
          ich gevoder ez nimmer mêr.’
          Davit sprach: ‘mîns herzen sêr
          ist nû an mir ergangen;
          dû muost, ob got wil, hangen.’
          ûf den berc fuort man in schôn
          und hienc in dâ, daz was sîn lôn,
          an einen boum zwâr,
          der was hôch an mâzen gar.
          dâ hienc man in mit grôzer nôt;
          alsô gewan er sîn betenbrôt.
                                                                          [nach oben]
           
           

          [11089-11102]

          Ich sage iu, daz etlîch pfaffen
          sprechent, ez wær im niht beschaffen,
          daz er wurde erhangen;
          ez wær im anders ergangen:
          Davit hiez in mit swerten slahen
          unde hiez des balde gâhen.
          doch hôrt ich liut sagen dâ bî,
          daz er für wâr erhangen sî.
          welhez under disen zwein wâr
          sî, des kan ich iu niht gar
          hie alzehant bescheiden,
          dâ von muoz ez mir leiden.
          nû lâz wir sîn got pflegen,
          der læt dhein guot under wegen.
                                                                          [nach oben]
           
           

          [11103-11130]

          An den selben zîten
          begund Davit dannen rîten
          zuo dem heidenischen man.
          die arken sach er vor im stân.
          dô er die arken dô ersach,
          wider den heiden er dô sprach:
          ‘lieber herr, dû solt mir
          die arc geben schier,
          diu gehśrt di juden an.’
          der künic sprach: ‘daz sî getân.’
          des was er herzenlîchen vrô;
          di arc fuort er mit im dô
          und nam urloup dâ zehant.
          dem heiden er danct unde mant
          in an die dienst sîn.
          er sprach: ‘lieber herr mîn,
          ir habt mich gehabt schôn,
          mîn dienst sol wesen iuwer lôn;
          swann mir iuwer bot seit,
          sô wil ich iu sîn bereit.’
          von den heiden er dô schiet,
          sîn reis ze Jerusalêm geriet.
          dâ wart er enpfangen schôn
          und wart im an der stunt diu krôn
          ûf sîn houbt gesetzet.
          mit êrn wart er geletzet,
          wan im diu wîch wart dâ von kunt
          zwâr an der andern stunt.
                                                                          [nach oben]
           
           

          [11131-11152]

          Dar nâch Davit gewaltic wart.
          er betwanc mit sîner hervart
          beidiu bürg unde lant
          muosten warten sîner hant.
          er rîchset ze Jerusalêm zwâr
          völliclîch wol vierzic jâr.
          Davit minnet got sêr,
          des gewan er michel êr.
          er sant dâ man prophêten west,
          di nâch got wârn di best;
          der kômen vil an ein stat.
          zuo in kom er geriten drât.
          er sprach: ‘ir herrn, ich wolt gern
          got mit guoten dingen êrn,
          alsô daz er mich hiet in huot.
          ein bethûs schśn unde guot
          wolt ich im gern machen
          mit seltsænen sachen,
          und wolt ez schôn nennen,
          daz man ez möht erkennen.
          der tempel sô wirt ez genant,
          über al die werlt wol erkant.’
                                                                          [nach oben]
           
           

          [11153-11174]

          Dô di prophêten erhôrten daz
          und er zuo in gesezzen was,
          si sprâchen: ‘waz ir zuo êren
          tuot got dem vil hêren,
          des mac er iu gedanken wol,
          wan er ist genâden vol.’
          dô wart niht lenger gespart,
          der tempel ûz gemezzen wart.
          manigen mûrermeister guot
          brâht man dar mit schśner huot.
          dô wart ein gruntfeste
          gemachet dâ, diu beste,
          diu ie wart oder sît.
          der tempel wart alsô wît,
          daz ich iu niht gesagen kan.
          man sach dâ manigen meister gân,
          die di mûrære
          lêrten âne swære,
          unz daz diu gruntfeste,
          diu stark und diu beste,
          über die erd gebouwen wart.
          die mûrer wurden Daviten zart.
                                                                          [nach oben]
           
           

          [11175-11204]

          Davit hêt ouch manic wîp,
          diu mint er mit sîn eines lîp.
          welt ir hśren der selben zal,
          wie vil ir wâren über al?
          ir wârn sechzic unde mêr,
          diu all wârn des küniges hêr.
          er hêt ouch friundinn genuoc,
          der ieslîchiu bî im truoc.
          er hêt ouch herzogen, dienstman,
          die im wârn undertân.
          under den ein diener was,
          der was geheizen Urias;
          der hêt ein vil schśn wîp,
          diu was schśn über al ir lîp.
          ir hals was gedræt schôn,
          unde solt got nemen lôn,
          er hiet verdient ze solt
          mêr dann aller Kriechen golt.
          dô Davit daz wîp ersach,
          wider sich selben er sprach:
          ‘ich hân nie schśner wîp gesehen,
          des muoz ich von schulden jehen.
          sam mir sêl unde lîp,
          si muoz werden mîn wîp!’
          er warp umb sie biz an di zeît,
          daz si in zuo ir leit.
          dô wart si im unmâzen liep.
          si sleich zuo im als ein diep,
          sô er sie haben wolde
          und kurzwîln mit ir solde.
                                                                          [nach oben]
           
           

          [11205-11224]

          Dar nâch verdrôz in zwâr.
          er sprach: ‘daz ich niht offenbâr
          mit ir minn haben sol,
          daz tuot mir wê und niht wol.’
          eines listes er gedâht,
          der den herren Urjam brâht
          von sînem leben schier.
          er sprach: ‘gewinnet mir
          einen brief, vil lieber schrîbær,
          der Urie werde swær.
          schrîp dem herzogen hôchgeborn,
          daz er niht verdien mînen zorn;
          swer im disen brief trag
          und im mîn botschaft sag,
          den schaff an den êrsten strît,
          daz man in slach bî der zît;
          als lieb im mîn huld sî,
          schaff in den vînden nâhen bî,
          daz er niht lebentic kom von dan,
          oder er muoz mînen zorn hân.’
                                                                          [nach oben]
           
           

          [11225-11248]

          Dô der brief geschriben wart,
          Urias huop sich an die vart
          dâ er den herzogen vant;
          den brief tet er im bekant.
          dô er den brief dô gelas,
          dô sprach er: ‘friunt Urias,
          dû solt bî uns belîben hie.’
          mit armen er in umbevie.
          er sprach: ‘dû bist ze rehter zît
          her komen zuo disem strît,
          der morgen fruo sol ergân.
          dû bist des lîbes gar ein man,
          die vînt kanst dû wol rüeren.
          den vanen solt dû füeren
          ze strît, als er dir wol stât:
          daz ist mîn bet und mîn rât,
          sît dich got hât zuo mir gesant.
          dû wærest wol herr über ein lant
          zwâr mit dîner frümcheit.
          der sturmvan ist dir bereit.
          sô der strît dann end hât,
          so enbiut ich an der selben stat
          Davit an den stunden,
          als ich an dem brief hân funden.’
                                                                          [nach oben]
           
           

          [11249-11266]

          Dô di red hêt vernomen
          Urias sprach: ‘ich bin niht komen,
          daz ich iht well strîten;
          ich wil zuo Davit rîten.
          als im mîn botschaft wirt bekant,
          sô kum ich dir her wider zehant.’
          dô sprach der herzoc wolgetân:
          ‘ez sol zwâr alsô niht ergân;
          dû muost uns helfen vor der stat,
          wan ez Davit geboten hât.’
          des morgens riten si an den strît.
          dû muost Urjas an der zît
          rîten in die grôzen nôt
          und muost dâ kiesen den tôt,
          wan im half nieman dannen.
          er verbôt sînen mannen,
          daz im dâ nieman solt gestân;
          dâ von muost er daz leben lân.
                                                                          [nach oben]
           
           

          [11267-11284]

          Dô er dâ ertśtt wart,
          der herzoc sant ûf der vart
          einen boten, der reit über lant.
          er sprach: ‘tuo Daviten bekant,
          daz Urias hab den tôt
          erliten mit grôzer nôt,
          als er mir enboten hât.’
          Davit nam an der selben stat
          in daz hûs ze frouwen Bersabê.
          im wart sît noch ê
          nie sô liep dhein wîp;
          si was schśn über al ir lîp.
          dô im diu botschaft wart geseit,
          Urie tôt was im niht leit;
          daz er verlorn hêt den lîp,
          daz geschach alz durch sîn wîp,
          daz si Davit wolt alein
          und nieman mit im gemein.
                                                                          [nach oben]
           
           

          [11285-11316]

          Dar nâch tet im der wîssag kunt,
          wan got sprach durch sînen munt –
          der wîssag hiez Natân –:
          ‘Davit, dû hast vil übel getân,
          daz Urjas hât verlorn den lîp
          durch Bersabê daz schśn wîp.
          dar umb dir got enboten hât
          umb dîn grôz missetât,
          daz dû den tempel mermelîn
          lâzest dar an dîn bouwen sîn,
          wan er umb dîn missetât
          wil dînes tempels haben rât.
          er ist vil zornic gegen dir,
          daz solt dû wol gelouben mir.’
          dô wart Daviten herzen leit.
          dô im der wîssag geseit
          von got dis botschaft guot,
          des wart trûric sîn muot.
          er gedâht: ich hân übel getân,
          daz ich den man ertśtt hân.
          dar umb ich dulde gotes zorn,
          ich fürht, mîn sêl sî verlorn.
          zehant macht er daz gebet sus
          ‘Miserere mei deus’:
          den salm macht er schône
          unserm herren ze lône.
          den salter er mit wirdicheit
          den juden und der kristenheit
          macht [er] ze gebet gegen got;
          diu frümcheit lêrt in daz gebot,
          als wir hiut von im hân;
          er wart ein vil heilic man.
                                                                          [nach oben]
           
           

          [11317-11368]

          Bî Bersabê gewan er schôn
          den wîsen künic Salomôn.
          ein ander frou bî im truoc
          einen andern, der was starc genuoc,
          als ich die liut hśr jehen,
          ez sî wâr und sî geschehen:
          ez was der starc Sampsôn
          und der schśn Absalôn
          und Salomôn der wîse
          wârn all drî mit prîse
          Davites sün zwâr
          und wârn im liep ân mâzen gar.
          sô jehent sümlîch pfaffen,
          ez wurd sô niht geschaffen,
          ez wær Sampsôn niht sîn kint;
          des muoz ich sîn an sinnen blint,
          wan ich dâ von die wârheit
          niht wizzen kan – daz ist mir leit –,
          ob er sîn sun sî gewesen.
          des hân ich von im niht gelesen.
          sô jehent etlîch liute,
          sîn muoter wurde ze briute
          neben einem mann [der] hiez Danyê.
          waz sol ich dâ von sagen mê?
          sümlîch jehent ân nît,
          er sî Davites sun ân strît.
          nu enweiz ich waz ich sagen sol,
          wan got weiz alliu dinc wol;
          der sol diser ding pflegen,
          wan er læt kein guot under wegen.
          doch wil ich an dem gelouben wesen,
          daz man von im hab gelesen,
          daz er Davites kint wær.
          dâ von wil ich âne swær
          von im daz mærel tihten
          und an daz buoch rihten.
          sît mir diu menig gestêt schôn,
          daz der starc Sampsôn
          sî des küniges Davites sun,
          sô wil ich iu kunt tuon,
          waz im wunders ist geschehen;
          des wil ich an dem buoch verjehen.
          Davites sun her Sampsôn
          der truoc wol der êren krôn,
          wan er manic tugent begie,
          dâ von diu êr in umbevie.
          hern Davites drittez wîp
          diu hêt einen schśnen lîp;
          diu was ân mâzen guot,
          ir êr hêt si in grôzer huot.
          diu truoc bî im schôn
          den schśnen Absalôn.
                                                                          [nach oben]
           
           

          [11369-11396]

          Nû besehet ob ieman leb,
          dem got drî sô schśn gâb geb,
          als er Daviten hât getân.
          er was gên got ein sælic man,
          daz er im gap schśner sün drî;
          merket ob daz niht ein gâb sî!
          mit sinnen ich daz merken kan:
          den schśnsten den ie wîp gewan,
          den gap er hern Davit;
          dâ was er wol gewert mit.
          dar zuo gap er im schôn
          den starken Sampsôn.
          der dritt was wîs unde karc,
          den nam er für tûsent marc;
          der wart genant dâ schôn
          der wîs künic Salomôn.
          daz was der schśnsten gâb ein,
          diu ûf daz ertrîch ie erschein.
          got hêt an in grôz wîsheit
          zwâr für alle werlt geleit.
          sô wîs wart sîn sin,
          daz er ze Jerusalêm in
          niht komen moht zuo dem bürgtor.
          er sprach: ‘ich muoz stên hie vor,
          oder man brech mir bî der zît
          daz bürgtor, di mûr wît.
          für wâr ich iu daz sagen kan,
          mîn sin [der] rüert bêdenthalben an.’
                                                                          [nach oben]
           
           

          [11397-11410]

          Diu dritt gâb was guot,
          da von Davit wart hôchgemuot,
          daz er im gap schôn
          den schśnen Absalôn,
          den schśnsten den ie muoter getruoc;
          diu gâb was wunniclîch genuoc.
          sîn schśn zôch für die werlt hin,
          er was der liebst under in.
          dem vater was er liep genuoc.
          er sprach: ‘diu muoter diu dich truoc,
          diu müez immer sælic sîn!
          sît mir wart kunt dîn liehter schîn,
          kund ich nie werden trûricvar;
          dû bist schśn ân mâzen gar.’
                                                                          [nach oben]
           
           

          [11411-11442]

          Daz kint wuohs, biz im wart gezalt,
          er wær ahzehen jâr alt.
          was daz niht ein wunder,
          daz diser kneht besunder
          was schśner dann ie man lebt?
          ist ieman der dâ wider strebt,
          der frâg die korônik, daz buoch hêr,
          dar an ist sîn geschriben mêr.
          sîn hâr was guldîn dræt,
          etlîch frou dâ mit næt.
          diu im kom sô nâhen gegân,
          daz si in sach vor ir stân,
          diu hêt wunn und êren vil.
          die red ich dâ mit enden wil,
          wan nieman loben sol die man
          an schśn, daz ist missetân.
          man sol loben ir frümcheit
          und ouch ir werde manheit.
          der wîb schśn man loben sol
          und ir tugent, daz stêt in wol.
          doch kan mîn zung niht verdagen,
          si müez ein teil von im sagen
          mit frouwen und mit megde gunst.
          got selber hêt sîn rein kunst
          geleit vil schôn an sînen lîp;
          wann in ersach ein schśn wîp,
          diu muost im holdez herze tragen.
          daz buoch hśr ich von im sagen,
          so si ersach sînen schśnen lîp,
          si sprach: ‘wol mich sælic wîp,
          daz ich dînen schśnen lîp sol sehen!
          nû kan mir nimmer missgeschehen!’
                                                                          [nach oben]
           
           

          [11443-11474]

          Dô Absalôn der schśn man
          sich versinnen began,
          daz er solt guot und wirde hân,
          do begund er rîten unde gân
          zuo sînen mannen, daz was reht.
          er sprach: ‘ir ritter und ir kneht,
          ir sült daz wizzen gar für vol,
          ich bedarf guotes alsô wol
          als Davit der vater mîn,
          des sült ir mir helfent sîn,
          daz ich besitz daz künicrîch;
          zwâr ich mach in all rîch.’
          ein alter ritter dô widersprach:
          ‘ir welt iu pruoven ungemach,
          welt ir wider den herren mîn
          iuch setzen, des ensol niht sîn;
          und wirt sîn der künic gewar,
          ir verliest sîn huld gar
          und müezt sîn von im gescheiden.’
          er sprach: ‘ich wolt ê bî den heiden
          wesen, ê daz ich im liez
          daz künicrîch, daz er mich verstiez,
          wan ich muoz haben êr.
          her ritter, ich wil iuwer lêr
          volgen niht an dirre stunt;
          iur untriu ist mir worden kunt.’
          ein jünglinc sprach zehant:
          ‘herr, bürg unde lant
          sült ir haben, daz ist reht.
          ich bin zwâr iuwer kneht,
          dâ von ich iu wol guotes gan:
          iur êr sült ir nieman lân.’
                                                                          [nach oben]
           
           

          [11475-11500]

          Daviten wart diu red geseit,
          daz was im ân mâzen leit.
          er sprach: ‘wil mich der sun mîn
          bî mînem rîch niht lâzen sîn,
          sô wil ich im erzeigen,
          daz er ist mîn eigen.’
          dar nâch hiez er gâhen,
          sînen schśnen sun vâhen.
          er sprach: ‘ir sült rehte,
          beide ritter und knehte,
          alle balde gâhen,
          mir Absalônen vâhen.
          den wilich in einen turn setzen
          und an freuden letzen,
          sô mac er dann wol verstân,
          daz er wider mich hât getân.’
          mit zühten ein alter ritter sprach:
          ‘ir welt iu prüeven ungemach
          unde herzensêr ân nôt.
          iur herz lît vor sêr tôt,
          seht ir in trûric vor iu stân;
          ez sol alsô niht ergân.
          ir sült nâch im senden,
          ob er sîn well erwenden,
          sîner grôzen kintheit;
          ez ist im lîht nû worden leit.’
                                                                          [nach oben]
           
           

          [11501-11524]
          Der künic Davit sprach
          ûz trûren und ungemach:
          ‘dû rætest mir, ritter, reht.’
          er sprach zuo sînem kneht:
          ‘kneht, ich gib dir guot lôn.
          rît balde und sag Absalôn,
          daz er bald kom zuo mir.
          ich welle sînen willen schier
          mit freuden gar volenden,
          sînen kumber wil ich wenden.’
          der bot reit zehant
          da er Absalôn vant.
          er sprach: ‘dir enbiutet sicherlîch
          Davit der edel künic rîch
          sînen veterlîchen gruoz.
          er enwîcht dir nimmer fuoz
          veterlîcher triuwen.
          ez sol dich nimmer riuwen,
          daz du dich wil von im scheiden
          und rîten zuo den heiden.
          juncherr, habt einn vesten muot,
          rîtet zuo dem vater guot!
          der mac dînen kumber wenden
          und ouch dîn trûren enden.’
                                                                          [nach oben]
           
           

          [11525-11542]

          Absalôn der jung man
          sprach: ‘rît bald von mir dan!
          dû bist ein trugenær.
          dâ von sô ist mir swær
          dîn botschaft und dîn rîten.
          dû solt niht lenger bîten,
          oder ich heiz dich vâhen,
          an einen galgen hâhen.’
          dô der bot erhôrt
          sîniu zornigiu wort,
          dô îlt er bald von dan.
          er gie für Daviten stân.
          er sprach: ‘vil lieber herr mîn,
          lâ dir niht leit noch zorn sîn
          diu botschaft, die ich sagen mac.
          mir was vil nâhen ein leider tac
          von dînem schśnen sun ergân:
          er wolt mich erhangen hân.’
                                                                          [nach oben]
           
           

          [11543-11562]

          Dô Davit hêt vernomen,
          daz im diu botschaft was komen,
          daz er sich wider setzen wolt
          und zuo im niht kom als er solt,
          er sprach: ‘wâ nû all mîn man?
          ritter und swaz ich knappen hân,
          die süllen balde gâhen,
          mir Absalônen vâhen.
          swer in gevangen bringet mir,
          dem gib ich bereites goldes schier
          zweinzic marc rôtes golt,
          daz sol wesen sîn solt.’
          dô si den solt vernâmen,
          wie schier si all quâmen
          in irem harnasch! daz was reht.
          beidiu ritter und ouch kneht
          begunden all gâhen,
          Absalônen vâhen.
          ir ieslîcher hiet gern daz golt
          verdient und den werden solt.
                                                                          [nach oben]
           
           

          [11563-11588]

          Si leiten sich dô in ein huot
          für ein grôz stat guot;
          dâ lac manger knapp stolz.
          bî in was ein grôz holz;
          da was Absalôn în geriten.
          si begunden sîn mit guoten siten
          vârn, warten all gelîch,
          beide arm unde rîch.
          si santen schier ein bötelîn,
          daz ir speher solt sîn;
          daz kom zuo in fruo und niht spât.
          ‘wartet! er kumt iu drât,’
          sprach diu spech dâ zehant.
          vil schier kom er zuo gerant.
          der êrst der in dô ane sach,
          der rant zuo im unde sprach:
          ‘juncherr, ir sült niht gâhen,
          lât iuch mit êren vâhen.’
          ‘nein ich zwâr!’ sprach er,
          ‘er sî dirr oder der,
          der mich mit strît an grîfen wil,
          vor nieman ich die red hil,
          er muoz mir lân daz leben mîn,
          des sol er gar gewis sîn.’
          von in was im unmâzen gâch,
          si jagten all hinden nâch.
                                                                          [nach oben]
           
           

          [11589-11614]

          Dô kêrt er einen wilden wec
          ab der strâz an einen stec,
          der was eng und niht wît
          dô huop sich an der selben zît
          ein wintgestśz daz was grôz.
          sîn hâr im von dem houbt schôz
          und wæet verr von im hin dan.
          sîn hâr was wunniclîch getân
          und was lanc nâch heiden sit.
          ein ast begreif in dâ mit,
          wan sich daz hâr dar umb swanc;
          daz was schśn unde lanc.
          ez zuct in ûz dem satel schier.
          dâ wârn rescher knappen vier
          im vil nâhen komen,
          als ich dick hân vernomen,
          daz er an dem ast hienc,
          dâ von ez im niht wol ergienc,
          wan der im aller næhst reit,
          der selb kneht des niht vermeit,
          er stæch daz sper biz an die hant
          durch in, daz ez vil gar verswant.
          ez geschach doch ân sîn schulde gar,
          wan er daz ros enmoht zwâr
          niht wider werfen an der zît,
          wan der stec was niht sô wît.
                                                                          [nach oben]
           
           

          [11615-11638]

          Dô der kneht daz ersach,
          ze fliehen was im dô gâch.
          er reit mit trûrigem muot.
          er gedâht: lieber herr guot,
          diu schuld ist unverdient mîn.
          ich wolt mich trenken in dem Rîn,
          ê daz ich ez gern hiet getân.
          ich bin ein unsælic man.
          die andern die dâ nâch im riten,
          von den wart niht vermiten,
          si weinten umb in sêre;
          ir klag was dannoch mêre.
          si sprâchen: ‘uns ist daz bekant,
          daz der herr, Davit genant,
          sich ertśtet umb daz kint.
          all di liut di nû sint,
          die gewunnen lieber kint nie.’
          den tôten einer dô gevie
          und leit in ûf ein pfert schôn.
          er sprach: ‘schśner Absalôn,
          wie gebârt dîn vater, der herr mîn?
          sô er ersiht den tôt dîn,
          sô fürht ich sîn vil grôz nôt,
          er lige zehant vor leide tôt.’
                                                                          [nach oben]
           
           

          [11639-11672]

          Si fuorten in mit leide dan
          da si funden iren herren stân.
          der herr frâgt si mære,
          wâ Absalôn wære,
          ob er wær gevangen.
          dô sprach: ‘ez ist ergangen’
          ein knapp der sich des ûz nam.
          er sprach: ‘in trûren und in scham
          stên ich durch den sun dîn,
          da von muoz mîn herz trûric sîn.
          urteil mir an disem tac,
          herr mîn: daz nieman mac
          understên, wie sol daz sîn?
          die urteil lâz hiut wesen mîn,
          wie ez süll dar umb ergân.’
          er sprach: ‘daz sol man lâzen stân
          und sol ez allez lâzen varn,
          wan got kan alliu dinc bewarn,
          als sîn genâd gegen uns stât.’
          der kneht sprach: ‘daz ist mîn rât,
          ob ich dir sag iht leider mær,
          daz sol dir, herr, niht wesen swær,
          wan dû di urteil hâst getân,
          dâ von solt dû ez varn lân.
          ich sag dir, lieber herr mîn,
          ein mær, daz niht bśser möht sîn,
          daz dû, herr, solt lâzen varn,
          wan got muoz alliu dinc bewarn,
          als dû die urteil selb hâst getân.
          gedenk, daz dû ein biderb man
          bist unde künic rîch,
          dar an gedenk dû sicherlîch.
          dîn herz sol niht haben nôt:
          dîn sun Absalôn ist tôt.’
                                                                          [nach oben]
           
           

          [11673-11702]

          Dô er den tôt dâ vernam,
          man gesach nie einen man
          werden alsô tôtvar;
          sîn varb wart im erblichen gar.
          sîn hend begunden im sîgen,
          sîn houbt begund er nîgen
          ze tal gegen den füezen sîn.
          der kneht sprach: ‘lieber herr mîn,
          tuot dis starc klag hin!’
          zehant wart er ân sin,
          wan er en unmehten viel.
          sîn herz in trûren wiel
          und lac gar unversunnen.
          der kneht lief zuo einem brunnen
          und brâht ein becher wazzers vol.
          er sprach: ‘ich erkenn sîn herz wol,
          daz er lîdet grôz nôt
          umb disen jæmerlîchen tôt.’
          mit wazzer labt er in zehant.
          er sprach: ‘mîn stolzer wîgant,
          sich dînen starken muot an,
          lâ dînen lîp niht zergân!
          got der dich beschaffen hât,
          der mac dir an der selben stat
          einen als schśnen sun geben.
          verderb niht dîn selbes leben
          umb ditz kint; gedenk dar an,
          daz sînen lîp nieman
          verderbt, er sî vor got verlorn
          und muoz dulden gotes zorn.’
                                                                          [nach oben]
           
           

          [11703-11740]

          Dô Davit in der unmaht
          nâch des knehtes red gedâht,
          er blict in jæmerlîchen an.
          diu unmaht im dô an gewan,
          daz er niht wol gereden moht,
          als doch sînen êren toht.
          des muost er reden lîse.
          er sprach: ‘daz paradîse
          und allez daz himelisch lôn
          hiet ich niht für Absalôn
          genomen hie an diser zît;
          sîn tôt mir micheln jâmer gît.’
          er sprach: ‘ôwê kint mîn,
          sol ich von dir gescheiden sîn,
          daz bringt mir swær und ungemach.
          ô wê, daz ich ie gesach
          dînen schśnen lîp!
          dich êret manic schśn wîp
          durch di schśn diu an dir lac.
          für wâr ich gesprechen mac,
          daz nie sô schśnez wart geborn.
          ôwê, wie hân ich dich verlorn!
          Michol diu lieb muoter dîn
          zôch dich als ir kindelîn,
          daz dû nie dhein hâr
          von dînem houbt, daz ist wâr,
          verlure, si hiet ez schôn;
          daz tet si mir und dir ze lôn.
          dîn hâr was goltdræte;
          vil manic frou næte
          dâ mit borten an der ram
          und manic kleinôt wolgetân.
          swer ouch dîn antlütz ersach,
          der hêt dheinen ungemach,
          wan ez hêt engelisch gestalt;
          sîn schśn was manicvalt.
          des müezen mir gestân
          beidiu wîp unde man.’
                                                                          [nach oben]
           
           

          [11741-11766]

          Ûz grôzem jâmer er dô sprach,
          sô er den tôten sun an sach:
          ‘wær ieman der mir möht geben,
          daz ich verdurb an mînem leben,
          daz dû, liebez kint mîn,
          möhtest noch bî leben sîn,
          dar umb wolt ich mit nśten
          mich selben lâzen tśten.
          ôwê!’ sprach er aber dô,
          ‘mîn herz mac nimmer werden vrô
          zwâr biz an die lesten zeît,
          daz man mich tôten zuo dir leit.
          ôwê sumerwunne,
          daz mir dîn got niht gunne!
          dîn ougen wârn liehtgevar.
          swâ der ein wîp wart gewar
          und dich mit ougen ane sach,
          sô verswant ir ungemach.
          schśn wârn diu wengel dîn.
          dîn munt gap sô rôten schîn,
          daz ich sîn niht gesagen mac.’
          er tet mangen grôzen slac
          mit der hant dem herzen sîn.
          er sprach: ‘vil liebez kint mîn,
          und vörht ich niht mîner sêl nôt,
          ich tæt mir selber den tôt.’
                                                                          [nach oben]
           
           

          [11767-11802]

          Sîn ritter giengen ze ræten,
          wie si dem tôten tæten,
          daz si Davit behielten dâ mit
          und bestatten in nâch der juden sit.
          der künic wart des gewar.
          dô brach er ûz sîn hâr
          und gie dâ er den tôten vant.
          vil schier er sich sîn underwant
          und kust den schśnen tôt
          an sîn mündlîn rôt.
          mit armen er in umbevie.
          ir gesâht an einem manne nie
          alsô jæmerlîch klagen;
          er hêt sich selben nâch erslagen.
          ein alter ritter daz ersach.
          wider Davit er dô sprach:
          ‘zwiu sol dis grôz nôt?
          welt ir vor leid ligen tôt?’
          als er daz wort volgesprach,
          Daviten man dâ ligen sach
          vor leid reht als einen man,
          der nie dhein leben gewan.
          dô man daz an dem künig sach,
          der alt ritter aber sprach:
          ‘tuot den tôten von im hin dan
          und bestatet in als einen man,
          der von künig sî geborn.
          enruocht, tuo ez dem künig zorn;
          ez wirt im her nâch lieb zwâr.
          er verderbt sich ân mâzen gar.’
          zehant wart der tôt man
          getragen von dem künig dan,
          und leiten in nâch juden reht.
          beide ritter unde kneht
          klagten in vil sêre
          durch des küniges êre.
                                                                          [nach oben]
           
           

          [11803-11828]

          Dô Absalôn bestatt wart,
          der Davit was gewesen zart,
          nâch juden reht als ein man,
          dem grôz êr was undertân,
          dar nâch Davit bekomen was,
          wan er vor leide kûm gênas,
          er sprach: ‘ich sich wol, daz nieman
          dhein herzenliep gehaben kan,
          dâ sî herzenleit bî;
          und liezen mich gedenk frî,
          sô möht mîn herz riuwen hân,
          des ez sust niht gehaben kan.
          swie grôz sî mîns herzen slac:
          daz nieman widertuon mac,
          daz sol man lâzen varn.
          got mac mir bî mînen jârn
          einen sun gegeben, ob er wil,
          mit dem ich mac gewinnen vil
          freude unde wunne,
          der mir liuhtet sam diu sunne.’
          daz erhôrt der alt ritter dô.
          ‘wolt ir sô reden, sô wær ich frô,
          und liezet von dem herzen
          iur leit und iuren smerzen
          und gedæhtet dar an,
          got hât als vil als er ie gewan.’
                                                                          [nach oben]
           
           

          [11829-11862]

          Nû lâz wir die red stân.
          wir süln daz buoch heben an,
          dô Bersabê bî Davit was,
          als ich an dem buoch las;
          ich mein di schoenen, Urjas wîp,
          dar umb Urjas gap den lîp.
          diu wart Daviten alsô zart,
          als dick von im gelesen wart,
          daz er sie mint für alliu wîp
          durch iren minniclîchen lîp.
          er hêt sie ein jâr und niht langer,
          eines kindes wart si swanger,
          daz was in der gebær,
          sam ez Absalôn wær
          an schśn und an frümcheit,
          daz ez der vater unverzeit
          sach mit den ougen an.
          er sprach: ‘ich dir wol guotes gan.
          ich hân von got wunniclîchen lôn,
          er hât mich ergetzt Absalôn
          an dir, des wil ich [immer] sagen danc
          über kurz und über lanc
          got dem vil reinen trehtîn,
          sîn diener wil ich immer sîn.’
          dâ mit kom er von im gegân.
          einen engel vant er vor im stân,
          der sprach: ‘ich sag dir daz für wâr
          alsô reht offenbâr,
          ez lebt niht siben tag dîn kint,
          wan dîn sünde niht ensint
          gebuozet, die dû hâst getân
          an Urjas dem getriuwen man,
          wan ditz kint hât getragen
          des wîp, der durch sie ist erslagen.’
                                                                          [nach oben]
           
           

          [11863-11880]

          Davit wart an mâzen leit,
          sîn nôt er vil tiur kleit.
          ein lînen tuoch er dô bant
          umb sîn houbt zehant
          und viel nider ûf den estrîch
          kriuzling und bât klegelîch
          die almehtigen gotheit,
          wan im was ân mâzen leit.
          dô daz ersâhen sîn ritter,
          si sprâchen: ‘mînes herren swær
          ist grôz umb daz kint,
          wan got wil ez machen blint.’
          zehant leit ez grôz nôt
          und lac vor den rittern tôt.
          die ritter zehant begunden jehen:
          ‘swer disen tôt hât gesehen,
          der sol in verswîgen gar,
          daz sîn mîn herr iht werde gewar.’
                                                                          [nach oben]
           
           

          [11881-11900]

          Dô man den tôt nider leit,
          daz was umb vesperzeît,
          dannoch lac der künic rîch
          allez ûf dem estrîch
          ungetrunken und ungezzen.
          sîn herz hêt nâhen frezzen
          diu leitwend umb daz lieb kint.
          all die künig die nû sint,
          di liten nie sô grôz nôt.
          dô er erhôrt des kindes tôt,
          er ruoft den rittern allen dar.
          er sprach: ‘ir sagt mir für wâr
          von mînes lieben kindes nôt!
          ich hôrt iuch sagen, ez wær tôt.’
          der alt ritter aber sprach:
          ‘lât varn iuwern ungemach,
          ez wurd iu doch ân uns geseit.
          tuot furder iuwer herzenleit,
          iuwer klag und iuwer nôt.
          iur schśnez kint daz ist tôt.’
                                                                          [nach oben]
           
           

          [11901-11928]

          Dô hiez der künic springen,
          im schśniu kleider bringen.
          zwên armboug guldîn
          die streich er an den lîp sîn,
          die bouge beid und daz gewant.
          er sprach: ‘mir ist daz wol bekant,
          daz ditz klein kindelîn
          nieman mac lebentic mâchent sîn.’
          er hiez im geben sîn krône
          und sazt di ûf schône.
          dô bâten in sîn ritter
          in bescheiden ditz mær.
          si sprâchen: ‘lieber herr mîn,
          von welhen sachen mac daz sîn,
          daz ir von freuden strebt,
          di wîl daz kint lebt,
          und iu daz trûren ist zergân,
          sît daz kint hât sîn leben lân,
          daz iu sô liep ist gewesen?
          ir hiett doch gern sîn genesen
          gesehen, daz wizz wir all wol;
          dâ von uns all wundern sol,
          daz iuwer freud was zergân –
          des wundert hie vil manigen man –;
          und nû daz kint ist tôt gesehen,
          sagt uns, von wiu ist daz geschehen,
          daz ir nû sît vil freudenrîch?
          des wundert uns gemeineclîch.’
                                                                          [nach oben]
           
           

          [11929-11942]

          Der künic sprach: ‘daz wil ich iu sagen
          und wil iu sîn niht verdagen.
          die wîl daz kint sîn leben hêt
          und in gotes handen stêt,
          dô bat ich got, daz er schier
          daz kint gesunt liez werden mir,
          und hêt dar zuo guoten trôst,
          daz ez von siechtuom wurde erlôst.
          nû ist daz kindel tôt gesehen,
          nû kan sîn wærlîch niht geschehen:
          nû muoz ich mich gehaben wol;
          daz nieman widertuon sol,
          daz sol man allez lâzen varn.
          got der rîch müez uns bewarn!’
                                                                          [nach oben]
           
           

          [11943-11962]

          Dar nâch truoc frou Bersabê
          einen sun, daz man sît noch ê
          dheinen wîsern vernam;
          der lebt lang und ân scham.
          dô er zuo einem mann wart,
          dô wart niht lenger gespart,
          ez muosten jung und grîse
          wundern sîner wîse,
          daz ein sô junger man
          sölhen wîstuom ie gewan.
          dar nâch in sîn herz schôn
          bat, daz er fuor in Geôn.
          dâ vant er einen priester stân,
          der im guot und êren gan,
          der was genant Sadoch,
          gotes priester was er doch.
          dâ stuont ein wîssag bî;
          wie des nam genant sî,
          daz wil ich iuch wizzen lân:
          er was geheizen Natân.
                                                                          [nach oben]
           
           

          [11963-11980]

          Die beide wurden des enein
          vil schôn zwischen in zwein,
          daz si den wîsen Salomôn
          wolden wîhen dâ vil schôn.
          si sprâchen: ‘dû bist des wol wert,
          daz wir dir zepter, krôn und swert
          wîhen und dich begiezen;
          daz öl sol ûf dich vliezen.
          dâ mit wirst dû gewîhet schôn
          under küniclîcher krôn.’
          er sprach: ‘waz gotes will sî,
          daz sol mir williclîch wesen bî.’
          dô wart er gewîht dâ ze reht
          und gewan dâ mangen kneht,
          die im dienten schôn.
          daz geschach allez in Geôn.
          daz volc freut sich gemein,
          daz Salomôn enpfie di wîch rein.
                                                                          [nach oben]
           
           

          [11981-12004]

          Salomôn vil sinnrîch wart.
          ze Jerusalêm huop er ein vart,
          wan si sîn ze herren gerten,
          als si ir wîsheit lêrte.
          dô er zuo der stat quam
          und ez daz volc vernam,
          do enpfiengen si in gemeineclîch,
          beidiu arm unde rîch.
          daz bürgtor sach er offen stân.
          er sprach: ‘wâ sol ich în gân?’
          si sprâchen: ‘herr, zem bürgtor.’
          er sprach: ‘ich muoz stên hie vor.
          daz tor ist niht sô wît,
          daz ich müg ze dheiner zît
          vor grôzem wîstuom dar în gegên;
          ich muoz zwâr hie vor stên.
          mîn wîstuom mac niht bî mir in,
          wan ich hân bî mir grôzen sin.
          daz ist mir baz dann iu bekant,
          er stśzt sich an des tores want.
          dâ von welt ir, daz ich hin in
          kom, sô legt dar zuo den sin,
          daz ir daz tor machet wît
          und tuot daz schier, ez ist zît.’
                                                                          [nach oben]
           
           

          [12005-12030]

          Dô di burgær heten vernomen,
          daz er niht in di stat moht komen,
          dô wurden si ze râte,
          daz si santen drâte
          nâch brechern und nâch mûrær.
          si sprâchen: ‘ringet unser swær!
          lât uns nider daz bürgtor
          oder unser herr belîbt dâ vor.
          brecht ez wol zehen klâfter wît,
          sô kumt er an der selben zît
          her în zuo uns, daz wizz wir wol;
          niht fürbaz ich iuch manen sol.’
          dô wart niht lenger gespart,
          diu mûr dâ gebrochen wart
          nider ûf die erde.
          dô reit der künic werde
          ze Jerusalêm in die stat,
          als in dô diu gemein bat,
          junc unde alt.
          sîn lop wart manicvalt
          von den frouwen jungen.
          dâ wart umb in gedrungen,
          daz [nie] dhein künic ze dheiner vart
          nie schôner enpfangen wart.
          der künic Salomôn zwâr
          rîchset dâ wol vierzic jâr.
                                                                          [nach oben]
           

          [12031-12066]

          Dar nâch tet im got bekant,
          wan got ein engel zuo im sant,
          der sagt im vil rehte;
          er sprach: ‘nim gotes knehte
          zuo dir und manigen wîssagen!
          der botschaft sol ich niht verdagen:
          dû solt den tempel der dort stât,
          den Davit erhaben hât,
          den solt dû volbringen
          mit allen dînen dingen,
          und solt dînen sin dar an
          legen, daz dâ nieman
          snîd ze dem tempel dheinen stein.
          beide grôz noch klein
          mit dheinem wâfen snîden:
          daz heiz die mûrer mîden.’
          dô sprach Salomôn der wîs:
          ‘wâ mit sol ich den tempel lîs,
          die stein ze samen füegen?
          got sol sîn wol genüegen
          den heiz wurken die stein.’
          dô antwurt im der engel rein:
          ‘daz hât dir got verboten gar,
          du solt nemen dîner witz war.
          des lâ dich von got genüegen,
          dîn witz süln si ze samen füegen.’
          dâ mit fuor der engel von dan.
          Salomôn trahten began
          ein mânôt volliclîch,
          wie er den tempel rîch
          solt ze samen füegen ein,
          daz er niht snite die stein.
          sîn wîsheit traht hin und her
          mit willen sînes herzen ger,
          wie er dem tempel tæte,
          daz er in ze samen bræhte.

                                                                          [nach oben]
           
           
           
           
           
           
           
           
           
           
           
           


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